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»Dackel sind auch nur Menschen«

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Besitzer Alexander Böck (von links), der mit seinem Kurzhaar-Rüden »Isidor von der Martinskirche« auch Tagessieger wurde, mit Formwertrichter Gerhard Fischer und Zuchtleiter Klaus Reiter bei der Gesundheitsprüfung. (Foto: Effner)

Übersee – Wer war hier wohl aufgeregter – die herausgeputzten Dackel oder die Besitzer? Bereits vor dem Gasthaus D' Feldwies herrschte reger Betrieb. Zum zweiten Mal veranstaltete dort heuer der Dackelclub Chiemgau seine Zuchtschau. Mit rund 160 Mitgliedern gehört der Verein zu den stärksten der elf Sektionen im Bayerischen Dachshundclub, der heuer 125 Jahre alt wird.


Vor der Gesundheitsprüfung und der Kür auf dem Laufsteg drehten viele Dackelbesitzer noch schnell eine Runde im Freien, tauschten sich mit anderen Besitzern aus und sorgten für ein perfektes Äußeres der Hunde. Wer mit seinem Lang-, Kurz- oder Rauhaardackel in die Zucht einsteigen will, der braucht die Bestnote »vorzüglich« oder zumindest »sehr gut«. Sie garantieren gleichbleibend hohe Qualitätsstandards für den Nachwuchs der treuen Jagdbegleiter.

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Auf einem Tisch im Saal begutachtete Formwertrichter Gerhard Fischer aus Pfarrkirchen mit Hauptzuchtwart Klaus Reiter die Anwärter für den Dackel-Olymp. Mit einem elektronischen Gerät wurde der unter die Haut eingepflanzte Chip ausgelesen. Er macht den Hund eindeutig identifizierbar, was auch bei Unfall oder Abhandenkommen ein Vorteil ist. Vor allem das Gebiss sowie Fell, Rute, Hoden und Rückenlinie nahmen die Experten genau unter die Lupe. Mit einem Maßband wurde der Brustumfang gemessen.

»Sie glauben nicht, was so ein Hund konditionell leistet, wenn der im Dachs- und Fuchsbau unterwegs ist«, erklärte Fischer. Ursprünglich wurde der Dackel gezüchtet, um unter der Erde zu jagen. Dort war er auf sich allein gestellt und sah sich mitunter Raubtieren gegenüber, die ihm überlegen waren. Das erklärt den Mut, das Selbstbewusstsein, die Entscheidungsfreude und das kämpferische Wesen, das den Dackel auszeichnet.

Mitunter kann es der kleinste deutsche Jagdhund in Sachen Sturheit und Eigensinn durchaus auch mit Herrchen oder Frauchen aufnehmen. »Dackel sind auch nur Menschen«, kommentierte Zuchtwart Klaus Reiter mit einem Grinsen die oft zitierte Wesensähnlichkeit zwischen Zwei- und Vierbeinern.

Auf dem blauen Teppich im Saal wurde es dann Ernst. Die rund 80 Dackelfreunde, Züchter und Interessierte, die bis von München und aus dem Bayerischen Wald her angereist waren, beobachteten gespannt den Parcours, den Alexander Böck aus Günzburg mit Kurzhaardackel »Isidor von der Martinskirche« im Scheinwerferlicht lief.

»Er hat einen guten Vortritt und Bodenabstand, gute Bewegung, Widerrist ist o.k., gute Winkelung«, kommentierte Fischer. Nach der dritten Runde war klar: »Isidor« ging mit einem »vorzüglich« unter den 13 Titelanwärtern des Tages als Top-Favorit vom Platz.

Bei der schwarzroten Rauhaar-Dackelhündin »Bellona vom Taborgrund« fiel Fischer das Fell auf, »das durchaus etwas harscher sein könnte«. Ausgleich schaffen könnte hier die Wahl des passenden Deckrüden.

An den Tischen um den Wertungskreis herrschte derweil entspannte Stimmung. Züchter tauschten sich über Neuigkeiten aus, grüßten Bekannte, begut-achteten Infomaterial oder unterhielten sich mit Inte-ressenten, die einen Dackel als Familienhund oder für die Jagd kaufen wollten.

Nach der Vorstellung der 13 Titelaspiranten wurde es nochmal spannend, als die Tagessieger in den einzelnen Typklassen verkündet wurden: Züchterin Anna Lindlmaier freute sich mit Rauhaar-Hündin »Ursina vom Brandl« über den Preis ebenso wie Besitzer Alexander Böck mit seinem Kurzhaar-Rüden »Isidor von der Martinskirche«. Langhaardackel war heuer keiner am Start. eff

 

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