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»Da sitzt mein ganzes schulisches Leben vor mir«

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Dirigiert mit vollem Einsatz: Klaus Stern begeistert seine Chorsängerinnen und -sänger. (Foto: Janoschka)

Klaus Stern ist Musiklehrer am Chiemgau-Gymnasium in Traunstein. Vor seiner Pensionierung hat er sich noch ein letztes großes Projekt vorgenommen. Mit allen ehemaligen und aktuellen Schülern der Schulen, an denen er unterrichtet hat – Deggendorf bis 1991, Madrid bis 1998 und Traunstein – studiert er seit ungefähr einem Jahr die »Carmina Burana« von Carl Orff (1895 bis 1982) ein, die am 3. November um 19.30 Uhr im Großen Festspielhaus in Salzburg zusammen mit den Bad Reichenhaller Philharmonikern aufgeführt wird.


Bei den Proben übernahm Maria Bittel die Aufgabe der Korrepetition und einige junge Geigerinnen vertraten das Orchester. Viele Einzelproben fanden in allen drei Städten statt, auch an den Wochenenden.

Dieser Festspiel-Chor besteht aus den Schulchören des Chiemgau-Gymnasiums mit 90 Schülern, 70 ehemaligen Traunsteiner Schülern, 20 Sängerinnen und Sängern, die vor Jahren am Robert-Koch-Gymnasium in Deggendorf in Sterns Musik-Unterricht waren, und 25 Madrilenen von der dortigen deutschen Schule. Ihr Alter reicht von acht bis ca. 78. Der jüngste Sänger ist der Sohn der Solo-Sopranistin Marion Bücher-Herbst, deren Gesangstalent Stern bereits am Gymnasium in Deggendorf entdeckt und gefördert hat. Bei den Proben war deutlich sicht- und spürbar, mit wie viel Begeisterung alle Mitwirkenden bei der Sache waren. Alle opferten, ohne mit der Wimper zu zucken, einen Großteil ihrer Freizeit und scheuten weder Kosten noch Mühen, um dabei sein zu können.

»Da sitzt mein ganzes schulisches Leben vor mir,« begann Klaus Stern die Probe, und es klang fast ein bisschen wehmütig, vor allem aber stolz. Zum vierten Mal führe er nun mit Schülern dieses große Werk von Carl Orff auf, aber das erste Mal mit Orchester. Beschwörend arbeitet er beim Einsingen an dem, von ihm gewünschten Klang. Zur Gestaltung kreiert er Bilder in den Köpfen – Singweise wie in der Bayerischen Staatsoper zum Beispiel –, und stellt den dynamischen Gegensatz zwischen Soli und Tutti in dem Teil »Tempus est iucundum« anschaulich dirigierend dar: »O, o, o, totus floreo, iam amore ….« wird schnell zu einem Ohrwurm. Immer wieder wiederholt er schwierige Passagen – erklärt, übt, singt vor, besonders dann, wenn die Betonung des natürlichen Sprachgebrauchs dem von der Komposition geforderten nicht entspricht, wie etwa in »veni, veni, veni, venias.«

Vom Robert-Koch-Gymnasium in Deggendorf sind ungefähr 20 ehemalige Schülerinnen und Schüler aus den Abiturjahrgängen 1987-91 dabei, ebenso wie Sterns ehemaliger Kollege im fortgeschrittenen Pensionsalter, Georg Tschech. Sie erzählen, wie es zu diesem Projekt gekommen ist: Von den Chorwochen seien sie schon in der Schulzeit begeistert gewesen. Denn es gebe nicht viele Musiklehrer, die so charismatisch sind wie Klaus Stern, befanden sie. Seit 10 Jahren habe es mit den Ehemaligen aus Deggendorf Chorwochenenden gegeben, bei denen gesungen wurde, was aus Schulzeiten noch im Ohr war, zum Beispiel Teile aus der »Carmina Burana«, die bereits 1989 in Deggendorf aufgeführt worden war. Da sei eines Abends der Wunsch für ein weiteres großes Konzert entstanden. Und es sollte noch einmal die »Carmina Burana« werden, und zwar im Festspielhaus, weil ein Chor mit mehr als 200 Sängern nirgendwo sonst Platz finden würde.

Der Besuch des Schulleiters OStD Klaus Kiesl bescherte allen eine kleine Pause. Er freue sich über dieses große Vorhaben von Klaus Stern, das nicht nur ein musikalisches, sondern auch ein finanzielles Großprojekt von 40.000 Euro sei, hinter dem die Schule als Institution stehen müsse. Er dankte seinem Kollegen und allen Mitwirkenden und wünschte einen weiteren spannenden Probenverlauf, sowie ein großartiges Konzerterlebnis.

Karten gibt es im Vorverkauf unter www.tickets.aloha-promotion.de. Brigitte Janoschka