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»Da scheenste Moment is’ oiwei jetzt«

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Alfons Hasenknopf (Mitte) bereitete mit seinen musikalischen Partnern, Steffi Rösch am Keyboard und Michael Leitinger am Schlagzeug, dem Publikum im NUTS einen wundervollen Abend. (Foto: Mergenthal)

»Da scheenste Moment is’ oiwei jetzt«, »Dua des, wos di’ glücklich macht, wart ned drauf, dass’ a andra macht«: Mit seinen tiefgründigen Texten und seinem authentischen Auftreten berührte Alfons Hasenknopf sein Publikum im Konzert in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS.


Unplugged vor vollen Stuhlreihen lud er zu einem anderen Blick auf das Leben ein, der von der Vorstellung der unantastbaren Freiheit und Freude und den Frieden tief im Inneren jedes Menschen beseelt ist. Und der dadurch ein anderes Miteinander ermöglicht – »Hand in Hand«. Aus einem entspannten Lächeln heraus – »natur-stoned« nennt es Hasenknopf, also gut drauf von Natur aus ohne Einnahme irgendwelcher Substanzen – entstand wie aus dem Nichts ein zunächst leiser und inniger, mit der Zeit immer temperamentvollerer mehrstimmiger Jodler. Mit seinen musikalischen Partnern, Steffi Rösch am Keyboard und Michael Leitinger am Schlagzeug, die beide auch sangen, ließ er gleich zu Beginn ahnen, dass dieser Abend ein ganz besonderer werden wird.

Bereits vor 16, 17 Jahren hatte Hasenknopf mit seiner Band »Celebraters« im Nuts das Jahresende mit Gospel und Soul verzaubert. Nach einer längeren Pause ist er nun zum dritten Mal wieder da, als Mundart-Liedermacher; seit 2005 singt der gelernte Heizungsbauer im bairischen Dialekt. Unter den Zuhörern waren viele treue Fans und auch Teilnehmer seiner sehr beliebten »Ur-Jodel-Kurse« auf Berghütten oder in Marktl, in der Nähe seines Hofes. Sein langjähriger Begleiter, Michael Leitinger, Heilerziehungspfleger und Schlagzeuglehrer in Burghausen, begeisterte mit farbenreicher, geschmeidiger Percussion. Steffi Rösch, vielseitiges Passauer Musikgenie – unter anderem Komponistin, Oboistin, Sängerin und Songwriterin – bereichert seine Band seit 2012 mit virtuosem, fantasievollem Piano und kraftvoller Soul-Stimme.

Hasenknopfs Lieder handeln von dem Verliebtsein – »Es is da Summawind« –, vom manchmal weiten Weg zum Menschen, den man liebt, und vom Leben im Hier und Jetzt: »Den Moment gibt’s net später und koa zwoats moi.« Fast beschwörend teilt der entspannte Philosoph seine Lebenserfahrungen und nachdenklichen Beobachtungen mit seinem Publikum. Die Menschen auf der Straße, die immer schneller hasten, immer mehr Angst haben und gar nicht mehr merken, wenn sie einander überrennen, erscheinen ihm wie Zombies. Alle, die mit einem Lächeln in die Welt gehen, sind für ihn die »Sterne in unserer Lebenswelt«. Sein Vorbild ist die uralte Schildkröte mit ihrer Ruhe und Weisheit, und sein Mentor ist ein alter Bergbauer aus dem Lavanttal in Kärnten, wo er auf gemieteten Berghütten viele seiner Lieder geschrieben hat.

Dass es nicht immer leicht ist, das eigene unbeschwerte Glück ins Leben umzusetzen, bewies ein Lied über die erste von drei Hüttenwochen, in denen eine neue CD entstehen sollte. Es begann mit einem Klagegesang, den das immer wieder einbezogene Publikum verstärkte, denn eine technische Panne löste in dieser Woche die nächste ab, frei nach dem Motto »'s Leben is a Matz!«. Ein verrückter Reggae entstand bei einem anderen Hüttenaufenthalt, als er 2005 im Bayerischen Wald eingeschneit war. Da er nichts mehr zu essen und zu trinken hatte, steigerte er sich an der Gitarre in einen Reggae hinein und legte eine Spur über die andere, bis ein Langläufer an der Scheibe klebte – und geschockt abhaute, als er merkte, dass nur ein Musiker hinter dieser Session steckte.

Das berührende Liebeslied »Du und i« widmete Hasenknopf besagtem Bergbauern und seiner Frau, zu denen eine persönliche Beziehung entstanden war und um die er nach dem Tod der beiden kurz hintereinander trauerte. Das »Urlaubfahrerlied« besang die Sehnsucht eines Paares danach, Zeit miteinander zu verbringen – Röschs Blues-Stimme kam hier perfekt zur Geltung. Im Song »Wenn der Berg ruaft« gab es eine Mini-Einführung ins Jodeln samt Atemtraining. »Mia san oans« war eine Hymne auf ein neues, ehrliches Miteinander in Zeiten rassistischer Hassparolen. Die Musiker waren sichtlich bewegt vom Gesamtkunstwerk zusammen mit den Zuhörern und bedankten sich mit mehreren Zugaben, zum Abschluss einem meditativen »Hoamgeh-Jodler«. Veronika Mergenthal