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Corleone. Pate der Paten

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Corleone. Pate der Paten
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Der italienische Mafiaboss Salvatore Riina (M) wird von Polizisten in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Foto: Gianni Schicchi/AP Foto: dpa

Der Geschichte eines der gefährlichsten Mafia-Bosse Italiens widmet sich Arte in einer rund zweieinhalbstündigen Dokumentation. Sie erzählt von der Gewalt der Verbrecherorganisation, aber auch von der Machtlosigkeit des Staates.


Berlin (dpa) - Es ist nicht das erste Mal, dass sich Arte dem weiten Feld der Mafia widmet. Für Reportagen und Dokumentation waren Filmemacher für den deutsch-französische Kultursender schon in Buenos Aires, Kuba oder Frankreich.

Doch für die zweiteilige Geschichtsstunde »Corleone. Pate der Paten« konzentrierte sich der französische Regisseur Mosco Levi Boucault auf Italien.

Dort, wo die Mafia eine lange Tradition hat, erzählt Boucault von Salvatore »Totò« Riina (1930 bis 2017), anfangs ein armer Bauer aus dem 11.000-Einwohner-Städtchen Corleone auf Sizilien. In diesem Ort gründete sich in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die Verbrecherorganisation Cosa Nostra.

Im Jahr 1982 kannte man Riina als »die Bestie«. Über 20 Jahre lang galt er als unangreifbarer Herrscher über die sizilianische Mafia, die Corleonesi. Er mordete, folterte und übte gemeinsam mit seinen Untergebenen systematischen Terror an seinen Opfern aus. Rund 40 Menschen soll Riina selbst getötet haben, zahllose weitere starben auf seinen Befehl. Arte zeigt die beiden Folgen der Dokumentation aus dem Jahr 2013 am Dienstag (27. August). Der erste Teil »Macht durch Blut« ist um 21.45 Uhr, der zweite Teil »Der Fall« um 23.05 Uhr zu sehen.

Am Anfang steht eine Texttafel: Das folgende Programm sei nichts für Kinder, Jugendliche oder empfindsame Zuschauer. Und es stimmt. Die insgesamt 144 Minuten Mafia-Geschichte sind tatsächlich nichts für zartbesaitete Gemüter, dabei zeigt »Corleone. Pate der Paten« nicht einmal besonders viel Blut.

Regelmäßig gibt es zwischen den vielen Interviews mit Weggefährten und Mafia-Experten alte Foto- oder Videoaufnahmen zu sehen. Sie zeigen Riina bei seiner Gerichtsverhandlung, aber sie zeigen auch Leichen. Besonders einprägsam ist das Bild eines toten Körpers, auf dem einem Mordopfer eine Wolldecke über das Gesicht gestülpt wurde. Seine Mörder hatten ihm ins Gesicht geschossen - und ihn anschließend an die Straße gesetzt.

Die Filmemacher zeichnen den Aufstieg Riimas detailiert nach. Und sie machen vor den Augen der Zuschauer ein kaum zu entwirrendes, mafiöses Geflecht sichtbar, ehe es im zweiten Teil vor allem um seinen Absturz geht.

Bei der Mafia galt: Wer sich bewähren will, muss morden. Oder foltern. Oder seine Opfer anschließend in Säure auflösen. Kaum etwas davon gibt es im Film zu sehen. Auf szenische Nachstellungen wird in »Corleone. Pate der Paten« ebenfalls verzichtet. Stattdessen erzählen die vielen Zeitzeugen ausführlich über ihre Erlebnisse. Zum Teil sind sie so dicht an der Materie dran, dass sie sich vor der Kamera nur maskiert zeigen.

Und auch den Zuschauerinnen und Zuschauern kommt die Gechichte der Mafia plötzlich sehr nah: deren Gewalt, deren strenge Riten und brutalen Mordmethoden. Die Polizei nahm Riina 1993 fest. Vor Gericht gab er sich als bescheidener, biederer und schwerhöriger Mann, der von den Verbrechen keine Ahnung hatte. Die Richter verurteilten ihn zu 13 Mal lebenslanger Haft, er starb 2017 im Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses in Parma. Die Corleonesi gibt es immer noch.

"Corleone. Pate der Paten" auf Arte