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Clubs und Diskotheken haben es schwer: »Ich hoffe einfach, dass sich bald etwas tut«

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Chiemgau: Clubs und Diskotheken haben es in der Coronakrise schwer – Hoffnung bei Libella und Bergwerk in Altenmarkt
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»Ich bin ein Optimist. Vielleicht tut sich bald was«, hofft Udo Henning von der Festung. (Foto: Reiter)

»Es wird immer mehr zu einem Überlebenskampf«, beschreibt Didi Pfannes die bedrohliche Lage seiner Branche. Wenn es so wie jetzt noch ein Jahr oder länger weitergehe, und das sei zu befürchten, könnten viele Clubs und Diskotheken bald von der Bildfläche verschwunden sein. Zusammen mit Bernd Karmann betreibt er das Libella und das Bergwerk in Altenmarkt.


Christoph Schraufstetter vom Salon Erika in Traunstein macht vor allem die Ungewissheit zu schaffen. »Doch wir wollen unbedingt durchhalten«, betont der 31-Jährige, der zusammen mit Udo Henning den Salon Erika in Traunstein betreibt. Sein Problem: »Wir wissen überhaupt nicht, wann es wie weiter geht«, sagt Schraufstetter. Für so gut wie jede Branche – »sogar für Puffs« – gebe es ein Konzept. »Aber für die Clubszene nicht.«

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Christoph Schraufstetter ist froh, dass er Soforthilfe erhalten hat und dass ihm die Miete für den Club erlassen wurde. »Dafür sind wir unserem Vermieter extrem dankbar«, betont er. Denn auch sein zweites Standbein ist so gut wie weggebrochen – eigentlich arbeitet Christoph Schraufstetter auch als Eventmanager in Salzburg. »Aber da ist gerade nicht viel los, wie man sich denken kann«, sagt er. Trotzdem bleibt der 31-Jährige gelassen. »Was hilft es, wenn ich mich groß aufrege. Ich halte es da mit Karl Valentin: 'Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.'«

»Ich hoffe einfach, dass sich bald etwas tut«, betont Udo Henning, der neben der Erika seit 24 Jahren auch die Festung in Traunstein betreibt. Er darf in seinem Biergarten zwar wieder Gäste bewirten, doch Konzertveranstaltungen sind seit Monaten nicht erlaubt. »Da fehlt natürlich was«, betont Udo Henning. Auch für ihn ist ein großes Problem, dass er nicht weiß, wie das Ganze künftig geregelt wird.

»Wenn ich vorne bei einem Konzert vielleicht 20 Leute reinlassen darf, was müsste ich dann an Eintritt verlangen, damit die Gage gezahlt ist und sich das auch noch rechnet!?«, fragt er. Im gleichen Atemzug merkt er aber an, dass er die Veranstaltung trotzdem machen würde, »damit sich kulturell endlich wieder was tut«, wie der 60-Jährige betont. Ihm hat die Coronakrise zu schaffen gemacht, »doch ich bin ein Optimist. Vielleicht tut sich bald was!«.

»Es herrscht Alarmstufe Rot«, sagt Didi Pfannes, auch wenn er die Shutdown-Maßnahmen für völlig richtig hält. »Deshalb waren wir auch die ersten, die alles dicht gemacht haben. Aber wir sind eben auch die, die am längsten auf einen Re-Start warten müssen. Wir können nicht für 50 Leute aufsperren. Da müsste man, damit es sich rechnet, ja 100 Euro Eintritt verlangen.«

Bei ihm steige allmählich die Existenzangst. »Das ist unser Lebensunterhalt«, sagt er. »Jetzt müssen wir unser Erspartes investieren und kommen allmählich auf dem Zahnfleisch daher.« Deshalb, so seine Forderung, müsse der Staat zur Überbrückung mit weiterer finanzieller Unterstützung einspringen. Die einmalige Soforthilfe, die es gegeben habe, sei zu wenig.

Kredite seien hier keine Lösung. Die müsse man ja irgendwann zurückzahlen. »Da droht die Schuldenfalle, das zögert Insolvenzen nur hinaus. Denn es ist unsicher, ob die Leute bei einer Wiederaufnahme des Betriebs wegen der allgemeinen Angst vor Ansteckungen so zahlreich kommen wie vorher.« Pfannes hat den Eindruck, dass Bars, Discos und Clubs von der Politik etwas übersehen werden. »Wir sind mit unseren Konzerten und Veranstaltungen eben auch ein wichtiger Teil des sozialen Miteinanders und der Kulturszene«, betont er. KR/tt