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Chris Forsyth macht virtuos Werbung für Gitarrenrock

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Chris Forsyth
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Saiten-Wizard: Chris Forsyth. Foto: Constance Mensh Foto: dpa

Darf man heute noch virtuoses Können an den sechs Saiten vorzeigen, ohne peinlich zu wirken? Ja, wenn man es so macht wie Chris Forsyth. Dessen neues Album ist eine Werbung für den Gitarrenrock.


Berlin (dpa) - Der »Gitarrenheld« ist eigentlich sowas von aus der Mode. Zumindest in seiner breitbeinig-eitlen Variante der 60er bis 80er Jahre. Doch jüngere Musiker wie Chris Forsyth schaffen es auch heutzutage noch, das Phänomen des frei drehenden Virtuosen an den sechs Saiten am Leben zu erhalten.

Mit »All Time Present« (No Quarter/Cargo), seinem vierten Studioalbum seit dem Durchbruch mit »Intensity Ghost« von 2014, setzt der US-Amerikaner nun den eindrucksvollen Karriereweg hoch gelobter, weitestgehend instrumentaler Rockmusik fort.

Der mit vier Minuten Länge ungewohnt kompakte Opener »Tomorrow Might As Well Be Today« täuscht noch ein wenig in seiner (relativen) Leichtigkeit. Es folgt mit »Mystic Mountain« das erste ausladende Gitarren-Brett, wie man es von Forsyth schon aus den Alben mit seiner Solar Motel Band kannte.

Als ständen Neil Young & Crazy Horse, Tom Verlaine von Television und vielleicht auch noch Britfolk-Legende Richard Thompson zusammen auf einer Bühne - so darf man sich das vorstellen. Grandios! Zumal der Frontmann aus Brooklyn hier auch noch ausgesprochen selbstbewusst singt, was er sonst nur selten tut.

Auf »The Man Who Knows Too Much« wird Forsyth nur vom Studio-Zauberer Jeff Zeigler (The War On Drugs) am Syntheszizer begleitet. Der Track geht in wiederum kurzen drei Minuten in Richtung der sphärischen David-Gilmour-Sounds bei Pink Floyd in den 70ern.

Der monumentale Gitarren-Boogie »Dream Song« nimmt sich dann wieder richtig Zeit, nämlich rund elf Minuten. Dieses zentrale Stück und Album-Highlight bringt die Band - neben den Erwähnten noch Drummer Ryan Jewell, Bassist Peter Kerlin, Multi-Instrumentalist Shawn Edward Hansen sowie Sängerin Rosali Middleman - fantastisch zur Geltung.

Danach wird es gelegentlich hippiesk, wenn Forsyth mit seiner Gitarre immer stärker experimentiert und improvisiert - und dabei das Songformat auch mal aus den Augen verliert wie in »The Past Ain't Passed« oder dem überlangen »(Livin' On) Cubist Time«. Dafür entspannt zwischendrin ein an den deutschen Pionier Michael Rother erinnerndes Folkrock-Instrumental namens »New Paranoid Cat« den Hörer über fast neun Minuten.

Mit dem erneut von Krautrock und gar Disco infizierten Groover »Techno Top« endet ein Album, das Forsyth in die vorderste Linie der großen Gegenwarts-Gitarristen katapultiert. Dort steht er jetzt neben ähnlich fähigen Altersgenossen wie Steve Gunn, William Tyler, Kurt Vile oder Adam Granduciel. Well done, Chris! 

Website Chris Forsyth

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