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Chopin mal ganz André

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Klassik trifft Kabarett: André Hartmann brillierte am Flügel und als Stimmenimitator, hier in der Rolle von Kanzlerin Angela Merkel. Foto: Anzeiger/tj

Berchtesgaden - Klassische Musik, gepaart mit Kabarett? Passt das? Die Antwort ist eindeutig: Ja, das passt. Zumindest, wenn André Hartmann am Flügel sitzt und sich die Prominenten die Türklinke in die Hand geben, sei es als klassische Kabarettkunst oder tatsächlich singenderweise. Inge Meysel zum Beispiel, die »New York, New York« intonieren darf. Der Stimmenimitator mit dem großen Klaviertalent lässt aber auch Politiker aufmarschieren wie etwa Gerhard Schröder (»Hallo, Ex-Volk!«) oder Kulturgrößen wie Marcel Reich-Ranicki (»grässlich kommt von Grass, wussten Sie das?«).


Doch der Reihe nach. Der Kulturkreis Berchtesgaden hatte geladen zu einem Abend im Pfarrsaal St. Andreas mit André Hartmann. »Der etwas andré Chopin« lautet das aktuelle Programm des Starnberger Unterhaltungskünstlers und die Kulturkreis-Verantwortlichen waren doch etwas nervös, ob das durchaus außergewöhnliche Szenario ankommen würde. Die Sorge war unbegründet, denn Hartmann zog sein Publikum sofort in den Bann und hatte die Lacher auf seiner Seite.

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Einem breiten Publikum ist der studierte Musiker (Hochschule für Musik und Theater in München) durch seine Auftritte am Nockherberg bekannt, zunächst als Double von Ex-Kanzler Gerhard Schröder, mittlerweile gibt er an gleicher Stelle den Münchner Oberbürgermeister Christian Ude. Auch als Stimmenimitator eilt Hartmann ein exzellenter Ruf voraus, der sich im Laufe des Abends mehrfach bestätigen sollte.

Diesmal also Chopin und auch da erweist sich der Mann »aus dem hohen Norden des Starnberger Sees« (»Ich bin deshalb auch des Bayerischen nicht mächtig«) als sattelfest. Hauptberuflich ist André Hartmann als Musiklehrer tätig und seine Talente als Pianist sind unüberhörbar. Scheinbar mühelos entlocken seine Finger dem Flügel Perlen der Klassik, aber auch moderne Stücke - und das auch noch miteinander, ineinander. Denn - so lässt der Musikpädagoge sein staunendes Publikum wissen - alle Musik dieser Welt stammt aus der Feder von Frédéric Chopin.

Der Beweis ist schnell angetreten, denn der Protagonist bittet um Musikwünsche aus dem Publikum. »Am Brunnen vor dem Tore« kommt da, außerdem »You are not alone« von Michael Jackson oder auch »Strangers in the night«. Alles Chopin, und der Flügel beweist es. Mitten in die bekannten Tonfolgen der Klassik perlen auf einmal die gewünschten Musikstücke, was für Heiterkeit, aber auch Bewunderung sorgt. Fremde Sprachen? Kein Problem für Hartmann: italienisch, finnisch, chinesisch - alles ist möglich. Zumindest dem Klang nach. Das musikalische Können ist unglaublich und so geht der unsterbliche Beatles-Klassiker »Yesterday« aus der Mondscheinsonate hervor.

Andere Komponisten der Klassik? Gibt es, klar. Aber alle haben geklaut. Bei wem? Chopin, natürlich. Denn alle Musik dieser Welt stammt von … na, Sie wissen schon. Rachmaninow ist auch so einer, der nicht fehlen darf, der hat Seele - pardon, Säle: »Ich hab schon ganz andere Säle leer gesungen.« Überhaupt, die Osteuropäer, die komponieren fast nur in Moll. Smetana zum Beispiel - es heißt ja schon »Die Mol(l)dau«. Und wie die »Dur-dau« klingen würde, lässt der Künstler auf dem Fuße folgen. Die Berchtesgadener quittieren das Gehörte mit ausgelassenem Gelächter und zeigen sich in ihren Musikwünschen als stilsicheres Publikum. Das bringt sogar den über ein fast unerschöpfliches Repertoire verfügenden Hartmann mitunter ins Schwitzen (»Was von der Seite da drüben kommt, hör' ich einfach nicht mehr«).

Neben der hohen musikalischen Kunst kommt der Kabarettfaktor natürlich nicht zu kurz, auch mit seiner Stimme leistet Hartmann schier Unglaubliches. Ex-Kanzler Schröder hat ihn bekannt gemacht, aber der ist ja nicht mehr da - »in Russland, aber nicht wegen der Kohle, sondern wegen dem Gas, hahaha«. Da sind dafür gleich drei bayerische Ministerpräsidenten: Seehofer, Beckstein und Stoiber. Aber alle natürlich nur Vorgänger für den einen, den (noch) Münchner Oberbürgermeister, der einen zwerchfellerschütternden Monolog hinlegt und zu dem Schluss findet: »Der Flughafen München braucht nach zwei Startbahnen jetzt endlich eine Landebahn.«

André Hartmann schafft einen faszinierenden Spagat zwischen klassischer und moderner Musik, zwischen Kalauern und Kabarett, aber alles immer stimmig, immer treffsicher und ohne Längen. Dem Protagonisten ist zu gratulieren für diese anspruchsvolle, intelligente und zutiefst lustige Show, dem Berchtesgadener Kulturkreis für einen echten Volltreffer. Klassik und Kabarett, das passt. Chopin, mal ganz André. tj

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