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Chiemgauer Kammermusikfestivals auf höchstem Niveau

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Freuen sich über ein gelungenes Jubiläumskonzert und 15 Jahre Chiemgauer Musikfrühling: (von links) Diana Ketler, Alexander Sitkovetsky, Razvan Popovichi, Justus Grimm,Torleif Tedeen, Konstantin Lifschitz, Thorsten Johanns, Olivier Darbellay und Sergey Malov. (Foto: Heigl)

Das Jubiläumskonzert zum 15-jährigen Bestehen des »Chiemgauer Musikfrühlings« fand in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz statt.


Das Konzert mit dem Titel »Rhapsodie Roumaine« war, wie Intendant und Musiker Razvan Popovici erklärte, seinem Geburtsland Rumänien gewidmet, das, so Popovici dieses Jahr 100 Jahre rumänische Einheit feiert. Aus eben diesem Anlass haben die Musiker des »Ensembles Raro« auch eine CD, »Rhapsodie Roumaine«, mit Werken von Bela Bartok und George Enescu aufgenommen, die sie dem Publikum im ausverkauften Kirchensaal erstmals vorstellten.

Viele Freunde des Chiemgauer Musikfrühlings dürften sich gefragt haben, warum das Jubiläumskonzert denn in München stattfindet. Die Antwort darauf gab Popovici bei seiner wie immer schwungvollen Eröffnungsansprache: Der Grund sei gewesen, dass viele Konzertbesucher zum Chiemgauer Musikfrühling extra aus München anreisen, und man sich so bei den vielen treuen Fans mit einem Konzert in der Landeshauptstadt bedanken wollte.

Bedankt hat sich auch Traunsteiner Stadtoberhaupt Bürgermeister Christian Kegel bei den Künstlern, die, so Kegel, gemeinsam mit den Veranstaltern der Traunsteiner Sommerkonzerte, Kammermusikfestivals auf allerhöchstem Niveau etablieren konnten, und Traunstein so zur Kulturhauptstadt des Chiemgaus gemacht haben.

Mit der »Nocturne Ville d’Avrayen« für Klavierquartett von George Enescu (1881 bis 1955) präsentierten die Musiker am Beginn des Konzertabends ein Stück, das von Schlaftrunkenheit handelt und das eine geheimnisvolle Nacht beschreibt. Solchermaßen daraufhin entspannt – sozusagen im Alphawellenzustand – war das Publikum aufnahmebereit für das düster-träumerische, hochdramatische Klavierquintett in f-Moll von Cäsar Franck (1822 bis 1890), dessen geballte Dynamik und häufige Stimmungswechsel durchaus schwere Kost für die Zuhörer waren und für die Musiker allerhöchstes Anforderungsniveau bedeuteten. Die ureigene Energie des Werkes führte in den Bann einer Art musikalischen Trance und man konnte nicht anders als die musikalische Interpretation, die eine Höchstleistung der Musiker war, fassungslos zu bewundern. In der darauf folgenden Pause konnten sich die Konzertbesucher in einem künstlerischen Kleinod, dem der Kirche sich anschließenden Kabinettsgarten, lustwandelnd erfrischen.

Erfrischend heiter ging es dann nach der Pause auch musikalisch weiter. Das beste Beispiel der K&K-Monarchie sei der Komponist Ernst von Dohnanyi (1877 bis 1960), dessen »Sextett in C-Dur« für Klarinette, Horn, Violine, Viola, Violoncello und Klavier ein Ausbund an Eleganz und Feierlichkeit und ein Beispiel für Hedonismus und Positivismus in der Musik ist, das seinesgleichen sucht. »Das wird jetzt lustiger wie vorher«, so Popovici in seiner Ansage, »denn schließlich heißt die Veranstaltung ja auch Musikfrühling und der Name soll auch Teile des Programms widerspiegeln«. Triumphal, keck und verspielt warb die »Glücksmusik« um die Gunst der Zuhörer – allen voran der verführerische runde, strahlende Klang des Horns, gespielt mit ganzem Bläserglanz von Olivier Darbellay, das gemeinsam mit der Klarinette, inspiriert gespielt von Thorsten Johanns, den hoheitlichen Charakter der Komposition formte.

Das Schlussstück des Abends, die »Rumänische Rhapsodie Nr. 1« von George Enescu, bearbeitet für Klavierquartett von Thomas Wally, in das, so Popovici, Volksmusik mit hinein komponiert wurde, forderte noch einmal alle beteiligten Musiker auf der Bühne zur Höchstleistung heraus. Unbeschwert, temperamentvoll und tänzerisch steigerte sich die Komposition ausgehend von einem Kinderliedmotiv in die Ekstase trunkener Ausgelassenheit, in der alles außer Kontrolle zu geraten scheint.

Der Zusammenbruch lässt lange auf sich warten, aber man ahnt ihn schon zuvor. Der irrwitzige Tanz bricht ab, fällt in sich zusammen, die Raserei hat plötzlich ein Ende. Und, oh Wunder, Sekunden später beginnt die atemlose Raserei von Neuem, fast noch wilder prescht sie erneut auf einem imaginären Tanzboden dahin, einem Veitstanz nicht unähnlich. Kraftvoll und mit einem umwerfenden musikalischen Charme und Selbstverständnis setzten die Musiker dem Treiben, das ewig so weiter hätte gehen können, mit einem schelmischen Lächeln dann energisch den Schlusspunkt.

Das Publikum war außer sich vor Begeisterung und belohnte die Musiker mit Standing Ovations. Barbara Heigl