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Jugendliche Begeisterung und professionelle Ernsthaftigkeit bei den Abschlusskonzerten

»Chiemgauer Interferenzen« erfolgreich

Mit ihren beiden Abschlusskonzerten in der Villa Sawallisch in Grassau und im Kulturzentrum in Traunstein stellten die elf Stipendiaten der vierten »Chiemgauer Interferenzen« das gemeinsam mit ihren Professoren erarbeitete Programm vor.

Beim Abschlusskonzert im Traunsteiner Kulturzentrum spielten Diana Ketler und Razvan Popovici mit den Stipendiaten Valentin Serban, Estera Racs und Jan Sekaci. (Foto: Chiemgauer Musikfrühling)

Diana Ketler und Razvan Popovici, im Chiemgau bestens bekannt durch den »Chiemgauer Musikfrühling«, hatten zusammen mit der Geigerin Alissa Margulis, Professorin an der Musikakademie in Antwerpen, und mit dem Cellisten Alexander Buzlov, Professor am Konservatorium in Moskau, ein abwechslungsreiches und gleichzeitig anspruchsvolles Programm zusammengestellt. Mit dem Geister-Trio in D-Dur op. 70 von Ludwig van Beethoven eröffneten Geigerin Mona Verhas aus Belgien und Marta Capella Pujals aus Spanien zusammen mit Diana Ketler am Klavier die beiden Abende und standen somit beispielhaft für die Internationalität der Teilnehmer. Konnte anfangs noch eine gewisse Nervosität bemerkt werden, so überwog doch sehr schnell das Staunen über die musikalische Qualität.

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Beim Klavierquartett in Es-Dur op 47 von Robert Schumann waren dann mit Mona Verhas, der Pianistin Boglarka Olah, dem Cellisten Ioan Storojenco und Razvan Popovici die jugendlichen Talente schon deutlich in der Mehrzahl.

Das g-Moll Klavierquintett op. 57 von Dmitri Schostakowitsch ist ein Stück, dem auch von Profis mit Ehrfurcht begegnet wird und man fragte sich, wie ein technisch so schwieriges und gleichzeitig intellektuell anspruchsvolles Werk von Musikschülern zwischen 16 und 28 Jahren bewältigt werden würde. Energisch führten Alissa Margulis und Alexander Buzlov ihre Schüler Madalina Danila, Klavier, Flavia Grubenmann,Violine und Catalina Filipescu, Viola, durch das Stück. Jugendliche Begeisterung und professionelle Ernsthaftigkeit verbanden sich symbiotisch zu einer packenden Interpretation von Schostakowitsch’ Meisterwerk. Die Pause brauchte man dann, um wieder Luft zu holen.

Es ist ein Markenzeichen des »Chiemgauer Musikfrühlings«, das Publikum immer wieder mit Werken von unbekannten Komponisten zu überraschen. Vermutlich kannten nur wenige Zuhörer vor dem Konzert das Klavierquintett in c-Moll op 47 von Louis Vierne, einem Spätromantiker aus Belgien. In diesem Stück verarbeitete Vierne u. a. den Verlust seines Sohnes im Ersten Weltkrieg. Valentin Serban und Estera Racz, Violine, und der 16-jährige Jan Sekaci, Viola, sorgten gemeinsam Diana Ketler, Klavier, und Razvan Popovici, Viola, für eine unvergessliche Erinnerung an Louis Vierne.

Nach so viel musikalischer Qualität ist es manchmal schwierig, einen passenden Abschluss zu finden, nicht so für die »Chiemgauer Interferenzen«. Cristina Fluera, Viola, und ihre bereits genannten Mitstreiter zeigten nochmals eindrucksvoll, wie das berühmte Oktett für Streicher in Es-Dur op 20 von Felix Mendelssohn-Bartholdy begeistern kann wenn jugendlicher Enthusiasmus von erfahrenen Musikern gelenkt wird. Und jeder spürte, welche Interferenzen zwischen Publikum, jungen und erfahrenen Musikern entstehen können. Begeisterter Applaus! fb