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Carmen für junge Opernfans

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Musizierten in den Farben rot und schwarz, um den dramatischen Gegensatz zwischen Liebe, Leidenschaft und Eifersucht auch durch die Kleidung deutlich zu machen: Miriam Sonn, Florian Beer, Elisabeth und Simon Nagl. (Foto: Janoschka)

Über viele Kinder samt Eltern und Großeltern als Besucher freute sich Monika Nagl-E von der Kulturinitiative Ruhpolding bei der letzten Veranstaltung der 14. Ruhpoldinger Konzerttage im Kulturhaus Nagl.


Dabei wurde die Oper Carmen als Orchestersuite mit Erzählung in einer Bearbeitung nach der Oper von Georges Bizet (1838 bis 1875) für die ganze Familie dargeboten. Miriam Sonn, Querflöte, Elisabeth Nagl, Violine, Florian Beer, Bratsche, und Simon Nagl, Violoncello, packten die gesamte Spannung und Dramatik der Opernhandlung in ihre Interpretation. Die Querflöte als erste Stimme machte aus einem Streichquartett ein Flötenquartett. Carmen sei eben eine »Flötenoper«, in der die Flöte viel zu sagen habe, wie Flötistin Miriam Sonn im persönlichen Gespräch erklärte.

In acht Bildern wurden die wichtigsten Stationen des Geschehens eindrucksvoll musikalisch – manchmal auch ein wenig szenisch – interpretiert, nachdem Monika Nagl-E den jeweiligen Inhalt kurz erzählerisch vorgestellt hatte. Es war faszinierend zu sehen, wie interessiert die Kinder die Musiker beobachteten. Das eine oder andere Kind sang sogar kurze Passagen leise mit. Die jungen Besucher waren hautnah dabei und mittendrin in der Musik, besonders auch, als die Sängerin Aleksandra Zamojska als Carmen auftrat und die Habanera sang, nachdem sie sich zuvor – am Flügel sitzend – anzüglich die Fingernägel lackiert hatte.

Ebenso wie die Instrumentalisten war sie in schwarz und rot gekleidet und ließ durch ihren Gesang und ihre spanisch-temperamentvolle Gestik die Opernfigur vor den Augen der jungen und älteren Zuhörer erstehen. »L’amour est un oiseau rebelle« (dt.: »Die Liebe ist wie ein wilder Vogel«) sang die Mezzosopranistin auf französisch nach dem Vorspiel, das in einer Art Ouvertüre in die Oper einführte.

Der Marsch von Alcalá, die wunderbar von der Querflöte intonierte Seguidilla im Dreiviertel-Takt, die an einen Bolero erinnerte, die sogenannte Blumen-Arie des Don José, der um die Liebe der Carmen kämpft, die dramatische Aragonaise, der Torero-Marsch, der ebenfalls ein Wechselbad der Gefühle bewirkt, und das Finale nahmen die Kinder mit in die Welt einer Oper, deren musikalische Sprache so aussagekräftig ist, dass das Verständnis auch direkt mit den nur kurzen Erzähleinschüben erfolgen konnte. Denn diese Komposition von Georges Bizet beschreibt nicht nur die Gefühle der handelnden Personen durch die Musik, sondern sie weckt vor allem Empfindungen bei den Zuhörern.

Die einzelnen Teile waren von der Länge her der Aufmerksamkeitsspanne der Kinder angepasst, und so lobte Monika Nagl-E am Schluss die Kinder gerne: »Prima, jetzt habt ihr eine ganze Oper ausgehalten.« Im Frage-Antwort-Spiel erklärte sie ihnen gemeinsam mit den Musikern die vier Instrumente, bevor das Quartett als Zugabe nochmals die schönsten Melodien aus der Oper spielte. Brigitte Janoschka