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Bunte Bilderwelten vom Elfen-Märchen-Spuk

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Puck (Gregor Schulz, Mitte) befreit die beiden Paare aus der Gefahr (von links) George Humphreys, Shahar Lavi, Anne-Fleur Werner und Roman Payer. (Foto: Löffelberger)

Elfenkönig Oberon ist mit seiner Frau, der Feenkönigin Titania, über das Thema Treue in Streit geraten. Seinem Diener Puck klagt er sein Leid und schwört, erst dann zur Versöhnung bereit zu sein, wenn ein liebendes Paar gefunden würde, das sich aller Unbill und Gefahren zum Trotz unverbrüchlich die Treue halten würde.


Ritter Hüon von Bordeaux, von Karl dem Großen zum Kalifen von Bagdad gesandt, soll dessen Tochter Rezia aus dem Harem befreien. Hüon und Rezia verlieben sich auf den ersten Blick und Oberon hofft, in ihnen das treue Paar zu finden. Auf der Heimreise lässt er die beiden in allerlei Schwierigkeiten geraten, aber das mitgegebene Zauberhorn errettet sie aus den Nöten und ihre Liebe hält allem stand. Die Treue hat gesiegt und Puck kann Titania wieder Oberon zuführen.

Webers Oper wird selten aufgeführt aufgrund der gesanglichen Anforderungen und der wenig stringenten Dramaturgie des Sujets. Es ist eine Reihung von unterschiedlichen Bildern: Die Feenwelt Oberons, das arabische Milieu in Bagdad, die Entführung zum Emir nach Tunis, der Schiffbruch, das versöhnliche Schlusstableau bei Karl dem Großen. Die Musiknummern wechseln mit ausladenden gesprochenen Dialogen. Ein Mischwerk aus Anleihen aus Shakespears Sommernachtstraum, orientalisch gefärbten Opern-Entführungen und Elfen-Märchenspuk.

Dem Landestheater bot sich somit eine brillante Situation, sein Dreispartenprinzip Oper-Schauspiel-Ballett an einem Abend zu vereinen. Webers Musik ist voll romantischer Klangfarben, zarter Tongespinste, dramatischer Trümpfe und zündender Melodik. Ideal eigentlich, um auf der Bühnen fantasievollen Märchenzauber Gestalt werden zu lassen. Regisseur Volkmar Kramm setzt die Bilderfolgen in aktualisiertes Bühnenverständnis um mithilfe etwas schwerfälliger Lustspielzutaten, die des Zauberischen entkleidet niganz nett sind, aber Lachen und Mitempfinden eher auf Sparflamme halten und recht gut Pucks Shakespeare-Zitat bedienen: »Am besten seh ich, schließt mein Auge sich, denn ist es offen, ruht´s auf nicht'gen Dingen.«

Zentrum und prägendste Figur des Abends ist der Puck von Gregor Schulz, der mit einer exzellenten sprachlichen und darstellerisch vielseitigen und energiesprühenden Performance begeistert. Elfenkönig Oberon, der seinem Jammer auch dialektal Luft macht, ist ein Sandler im Nachthemd, in dem sich der frisch gebackene Kammersänger Franz Supper sichtlich unwohl fühlt. Sascha Oskar Weis outriert als Kalif in seltsamen Dialektformen mit eingeschleustem aktuellem Politbezug, mimt gefällig den flotten Piratenkapitän und gibt einen hochgradig unsympathischen Diktator als Emir von Tunis.

Das Dienerpaar Scherasmin und Fatima hat in George Humphreys und Shara Lavi gesanglich und darstellerisch fabelhafte Sympathieträger, die auch als Müllentsorger Punkte sammeln. Hüon und Rezia sind als dramatische Partien konzipiert. Heutige vielfache Praxis setzt lyrische Stimmen in dramatischen Rollen ein und so schlagen sich Roman Payer und Anne-Fleur Werner tapfer mit den gesanglichen Anforderungen, auch wenn die Sopranistin in der Ozean-Arie an ihre Grenzen geht. Für die Landestheater-Dimension ist dies durchaus zulässig, der Dirigent nimmt Rücksicht und solange die Stimmbänder mitmachen, ist ja alles gut. Ihre stimmlichen Qualitäten offenbaren beide am schönsten in den lyrischen Passagen, etwa Rezia in ihrer Kavatine »Trauere, mein Herz«.

Tanzdoubles bilden für beide Paare die Hintergrund- Aktionen zu den Gesangsnummern. Die Ballett-Truppe zeigt ihr Können mit tollem Sportsgeist. Hübsch ist die Meermädchenszene mit Tamara Ivanis und Hazel McBain. Die Chor-»Elfen« zeigen gestandene Sangeskünste. Das Mozarteumorchester unter der Leitung von Ido Arad lässt die Musik sensibel funkeln und wo nötig aufrauschend strömen. Das von Beginn an immer wiederkehrende Hornmotiv bezaubert und die tiefen Streicher mit wunderbarem Solocello geben satte Farben.

Weitere Vorstellungen finden bis 20. Dezember statt. Karten gibt es unter Telefon 0043/662/ 871512-222 oder online unter www.salzburger-landestheater.at

Elisabeth Aumiller

Der langjährige Orchesterdirektor der Dresdner Staatskapelle, Jan Nast, tritt im Oktober sein neues Amt als Intendant der Wiener Symphoniker an. Der 54 Jahre alte Musiker war 22 Jahre lang Direktor der Sächsischen Staatskapelle. In dieser Zeit erlebte er vier Chefdirigenten und fünf Intendanten an der Semperoper.