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Briefduell ums Almrecht

Bischofswiesen - Den Streit um die Aufrechterhaltung des Almrechts auf Stuben- und Grubenalm möchte Bischofswiesens Bürgermeister Toni Altkofer um jeden Preis für sich entscheiden. Denn immerhin ist dessen Gemeinde Eigentümerin des Riedherrnanwesens. Zwischen der Gemeinde und der Nationalparkverwaltung ist eine in weiten Teilen undurchsichtige Auseinandersetzung ausgebrochen, nachdem der Streit seit den 70er-Jahren mit einem Gutachten als beendet galt. Gekämpft wird auf dem Papier, Gemeinde und Umweltministerium duellieren sich in Briefform. Während das zuständige Ministerium der Gemeinde die Almrechte streitig macht, pocht Altkofer auf eben diese.

Bischofswiesens Bürgermeister Toni Altkofer kämpft für die Gemeinde Bischofswiesen um das Almrecht auf Stuben- und Grubenalm (hier im Bild). Foto: privat

»Wir sind uns im Ziel einig, zum Erhalt der traditionellen bäuerlichen Land- und Almwirtschaft beizutragen«, schreibt Ministerialdirektor Dr. Christian Barth vom Umweltministerium an die Gemeinde Bischofswiesen. In der Vergangenheit sei die Landwirtschaft des Riedherrnlehens von einem einzigen Pächter für die Gemeinde übernommen worden, so Barth. Dazu gehören der Talbetrieb sowie die Almbewirtschaftung mit der zugehörigen Viehhaltung und der Futtererzeugung.

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Die Verhältnisse hätten sich jedoch »deutlich gewandelt«. Die Gemeinde habe es versäumt, über die tatsächlichen Gebäude- und Pachtverhältnisse am Riedherrnlehen zu informieren. Zudem sei das ehemalige historische Riedherrnlehen mittlerweile abgerissen worden, schreibt Barth. Ein Salzlager sei an dessen Stelle errichtet worden. Des Weiteren wurden die Talwiesen samt neuem Stall an einen Pächter übertragen, der selbst nicht am neuen Riedherrnlehen wohnt. Und auch die Alm sei an jemanden mit Wohnsitz in Schönau am Königssee verpachtet.

Für Bürgermeister Altkofer ist diese Argumentation nicht nachvollziehbar. »Am Riedherrnlehen hat noch nie ein Pächter gewohnt«, so der Bürgermeister in einer schriftlichen Stellungnahme. Laut Gutachten sei es auch nicht notwendig, dass Hof- und Stallpächter mit dem Almpächter identisch sein müssen. Selbst in den 70er-Jahren, also zu der Zeit, als das Gutachten erstellt wurde, sei die Verpachtung von Hof und Alm getrennt gewesen, schreibt Altkofer an Ministerialdirektor Barth.

Bereits seit 2006 sei der bisherige Almpächter Pächter am Riedherrn. Diese Information sei dem Umweltministerium auch ordnungsgemäß seitens des Landratsamtes übermittelt worden. Von einer Veränderung der Verhältnisse im Gesamten könne also keine Rede sein. Nicht nachvollziehbar ist für Altkofer eine mögliche »Aberkennung der gemeindlichen Rechte«. Zumal die kleinstrukturierte Landwirtschaft ohnehin höchste Überlebensprobleme habe, weiß Altkofer. »Wenn also seit Jahrzehnten ordentlich wirtschaftende Landwirte aus dem Talkessel das gemeindliche Riedherrnlehen und die Alm bewirtschaften und es diesbezüglich auch keine Schwierigkeiten gab, wo liegt dann das Problem?«, so die Frage des Gemeindechefs in Richtung des Ministerialdirektors.

Außerdem könne es doch nicht »Ansinnen Ihres Hauses sein, das gemeindliche Recht selbst auszuüben, ohne im Besitz eines aktiven Talanwesens zu sein«, schrieb der Bürgermeister an das Umweltministerium. Der eigenen Begründung (»traditionelle, bäuerliche Wirtschaftsweise«) werde dies doch nicht gerecht, meint Altkofer.

Als Beleidigung empfinde er überdies eine kürzlich getroffene Aussage des stellvertretenden Nationalparkleiters, Dr. Roland Baier (»Die traditionelle Almwirtschaft muss erhalten bleiben. Wenn aber eine Alm losgelöst vom Talhof verpachtet wird, dann sind wir bald so weit, dass der Hofpächter in Südafrika wohnt«).

Ministerialdirektor Dr. Christian Barth ist der Ansicht, dass es zielführend sei, alle Beteiligten ins Boot zu holen - von der Gemeinde über das Landratsamt bis hin zur Nationalparkverwaltung. Ziel müsse eine gemeinsame Lösung für die geplante Neuverpachtung des Almrechts sein. Auch dann, wenn am Ende »tatsächlich die Nationalparkverwaltung zuständig geworden sein sollte«, so Barth. kp