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Brauchtum in der eigenen Wirtsstub'n

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Wirtshausmusi vom Feinsten von »Knedl und Kraut« brachte das k1 zum Wackeln: (von links) Juri Lex, Daniel Neuner und Toni Bartl. (Foto: Benekam)

Gute Nachricht für alle Liebhaber bayerischen Brauchtums: Es hat sich eine höchst produktive Gegenbewegung gegen das drohende Aussterben bayerischer Tradition formiert. Unter dem Decknamen »Knedl und Kraut« radeln drei griabige Buam gegen das Vergessen jeglicher Gaudi beim Wirtshaus-Brauchtum an.


Dazu ist ihnen nichts zu blöd und kein Berg zu steil, und wo kein passendes Wirtshaus steht, da stellen sie eben mal schnell ihre eigene mobile Wirtsstub’n auf. Das ist eh besser, denn da ist wenigstens garantiert alles drin, was die drei Stammtischbrüder Toni Bartl, Daniel Neuner und Juri Lex zur singenden, derbleckenden und musizierenden Stammtischshow brauchen. Davon konnten sich die Gäste im sehr gut besuchten k1-Saal in Traunreut überzeugen.

Viele Besucher wussten bereits nach dem ersten Angriff auf die Lachmuskulatur: Es lebt, das Wirtshaus-Brauchtum! Und wie! Es muss in keinem Moment reanimiert werden, im Gegenteil, es wuchert in allen Variationen und auf den typischen Instrumenten Ziach, Tenorhorn, Gitarre, Geige und dazu mehrstimmigem Gesang. Die urgemütliche Stub’n, die auf der großen k1-Bühne fast wie eine Eisscholle im Pazifik wirkte, war gesteckt voll mit allen klischeehaften Details des »Hüttenzaubers«. Am Geweih von Jagdtrophäen hingen Instrumente, Hüte, ein Bild König Ludwigs thronte an der Holzwand, direkt gegenüber ein alter Wilderer-Rucksack.

Jeder der drei musikalischen Charakterköpfe ergänzte mit außergewöhnlichem Talent das kurzweilige Programm: Der schnupftabakabhängige Daniel überzeugte mit seiner perkussiven »Löffelkunst«, bescheuerten Zaubertricks und seiner oktavenreichen Singstimme. Der Lehrer Juri Lex brillierte mit virtuoser Geigenmusi, Flötenspiel auf einem ausgehöhlten Spazierstock und Toni Bartl beherrschte meisterhaft das Castagnetten Spiel, eine Digeridoo-Variation auf einem Gewehr und gab auf einer hölzernen, zur Gitarre umgebauten Heugabel »Highway to Hell«. Überhaupt waren der Fantasie der drei Wirtshaus-Musikanten keine Grenzen gesetzt: Da kamen eine »Handokkarina«, eine »Schuhbatarre«, eine »elektronisch verstärkte Schaufel mit zwei Saiten«, eine »perkussiv gespielte Sense« und eine »singende Säge«, auf der mit Geigenbogen gespielt Laras Lied aus »Doktor Schiwago« erklang, zum Einsatz. Leroy Andersons »Typewriter« setzten die fantastischen Drei mit Geige, Akkordeon und natürlich einer höchst virtuos getippten Schreibmaschine um. Bei soviel überbordendem musikalischen Ideenreichtum blieben aber die Wirtshausg’schichten, derbe Sprüche und kracherten Witze in keinem Moment auf der Strecke. Und die gaben alle drei mit derselben frechen Goschen am laufenden Band zum Besten, bis sich das Wackeln der kleinen Wirtsstube schön langsam auf das gesamte k1 übertragen hatte.

Es war gut, dass nach etlichen Zugaben Schluss war, denn so viel Gelächter brachte manchen »Brauchtumsfan« an den Rand seiner Kräfte. Kirsten Benekam