weather-image

Brasilien-Sehnsucht vor Färöer-Spiel - Löw mahnt

Barsinghausen (dpa) - Die Titelsehnsucht ist ungestillt und das Fernziel Brasilien sorgt jetzt schon für neue Träume. Philipp Lahm und Kollegen müssen sich aber zunächst auf einen erfolgreichen Start in die Qualifikation für die WM 2014 konzentrieren.

Bundestrainer
Joachim Löw trainiert mit der DFB-Auswahl in Barsinghausen. Foto: Peter Steffen Foto: dpa

«Bevor wir über Brasilien sprechen, haben wir erst eine ganz schwere Gruppe zu überstehen», mahnte Teammanager Oliver Bierhoff vor dem verführerisch leichten Auftakt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen die Färöer am Freitag in Hannover.

Anzeige

Joachim Löw gab seinem Team die auch nach der EM-Ernüchterung unveränderte Marschroute vor. «Wir wollen einen guten Start und eine offensive Mannschaft sehen, die auf Tore aus ist», forderte der Bundestrainer. Letztmals wollen Löw und Bierhoff im beschaulichen Barsinghausen mit einigen Spielern in Gruppen- und Einzelgesprächen die Enttäuschung des EM-Sommers analysieren.

In der Vier-Sterne-Sportschule begann die Trainingsarbeit ohne Toni Kroos. Der Münchner blieb wegen einer Beckenprellung im Hotel. Nicht mit dem Team trainieren konnte auch Marcel Schmelzer, der von einem Infekt geplagt wird. Der Dortmunder absolvierte aber eine Laufeinheit und soll gegen Färöer auf der linken Abwehrseite zum Einsatz kommen. Löw möchte Kapitän Lahm wieder auf die rechte Seite versetzen, wo er auch beim FC Bayern spielt. Schmelzers Einsatz wäre dann auch für die weiteren Pflichtspiele 2012 in Österreich, Irland und gegen Schweden vorgesehen.

Der Fokus ist schon jetzt komplett auf den nächsten Titelanlauf in Brasilien ausgerichtet. In den Übungseinheiten soll an den Details gefeilt werden, die bei der EM den großen Wurf noch verhindert hatten. «Die Erwartungshaltung wird nicht abnehmen», betonte Bierhoff. «Jeder erwartet von uns, dass wir Gruppenerster werden. Das sind unsere Ansprüche, auch zurecht. Es ist gut, dass wir hohe Ziele haben.»

Der Teammanager hat für den Doppelspieltag gegen die Färöer und vier Tage später in Wien gegen Österreich keine Freizeit-Sonderaktionen für Mesut Özil und Co. geplant. «Bei dem Wetter könnten man einiges machen, aber es steht das Training im Mittelpunkt», betonte Bierhoff.

Per Mertesacker beschrieb die Gefühlslage im DFB-Kader nach dem wiederholten Sommer-Scheitern. «Es fehlt noch irgendwas. Die Mannschaft hat jedes Halbfinale gesehen, viel dritte Plätze erreicht. Da fehlt noch der entscheidende Schritt», sagte der Profi vom FC Arsenal. «Ich hoffe, dass wir auch mal dabei sind, was hochzuhalten», ergänzte der bei der EM hinter Mats Hummels und Holger Badstuber ins zweite Glied gerückte Innenverteidiger.

In seiner Heimatstadt Hannover muss Mertesacker wohl wie bei der EM zunächst auf der Bank Platz nehmen. «Die Spiele werden ernst genommen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es keine Experimente gibt», berichtete der zweite Lokalmatador, Ron-Robert Zieler. Hannovers Schlussmann schätzte realistisch ein, dass Manuel Neuer sowohl gegen die Färöer als auch in Österreich im Tor stehen wird.

Joachim Löw will gegen die Färöer jede unangenehme Überraschung vermeiden. Ein hoher Sieg soll es schon sein. «Aber man darf jetzt auch nicht den Fehler machen, die Färöer als Kanonenfutter zu sehen», sagte Löw. Der DFB-Chefcoach erinnerte an die bislang ausschließlich knappen deutschen Siege gegen die Kicker von der nordischen Inselgruppe beim 2:1 im Oktober 2002 in Hannover und neun Monate später in Torshavn (2:0). Erst vor einem Jahr mühte sich der spätere Deutschland-Bezwinger Italien in der EM-Qualifikation zu einem 1:0 gegen den krassen Außenseiter.

Löw kommt der Auftaktgegner knapp über Amateurniveau durchaus gelegen. Die Partie bietet dem 52-Jährigen nach dem unglücklichen Saisonauftakt beim 1:3 gegen Argentinien nämlich doch noch mal die Gelegenheit zum Ein- und Warmspielen. Die folgenden Quali-Gegner in der Gruppe C aus Österreich, Irland, Schweden und Kasachstan werden deutlich mehr abverlangen. «Alle Mannschaften haben uns gut studiert. Sie machen sich Gedanken, wie sie unser kreatives Spiel zerstören können», sagte Bierhoff.

Bei der EM-Analyse hat Bierhoff auch den eigenen Aufgabenbereich beäugt - die vielfach kritisierte Rundumbetreuung der Spieler unter die Lupe genommen. «Ich habe ein paar Dinge aufgenommen, es wird ein paar Veränderungen geben», sagte Bierhoff, ohne ins Detail zu gehen. Gravierende Einschnitte sind im eingespielten Ablauf auf und neben des Platzes aber nicht zu erwarten.

Bierhoff ist der Einzige, der Brasilien schon konkret im Kopf haben darf. Die Reiseplanungen für die WM in knapp zwei Jahren sind beim DFB wie bei vielen anderen großen Verbänden nämlich schon angelaufen. «Wir werden Ende November, Anfang Dezember nach Brasilien reisen», kündigte Bierhoff eine erste Quartiersuche an. Vom Weltverband FIFA liegt schon ein Katalog mit möglichen WM-Herbergen vor. Der DFB will sich auf die klimatisch günstigen Regionen um Sao Paulo, Rio de Janeiro und Salvador konzentrieren.