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Bobtrainer René Spies freut sich auf die WM am Königssee

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Bob-Bundestrainer René Spies ist zuversichtlich, mit der richtigen Bobwahl ein Wort bei den Weltcups und Weltmeisterschaften am Königssee mitzureden. Am Mittwoch steht fest, mit welchen Bobs die weiteren Weltcups und die WM am Königssee bestritten werden. (Foto: Wechslinger)

René Spies ist seit April Bundestrainer der deutschen Bobfahrer und Nachfolger von Christoph Langen, dessen Assistent Spies lange Zeit war. Die größten Erfolge des Winterbergers waren drei Junioren-Weltmeistertitel, ein Weltcupgesamtsieg und der Europameistertitel im Jahr 2003. Zweimal holte Spies den deutschen Meistertitel. Weitere große Erfolge verhinderte eine Oberschenkelverletzung, der auch sein überraschendes Karriereende geschuldet war. Während der Testphase am Königssee stand Bob-Bundestrainer René Spies für ein Interview zur Verfügung.


Wie sieht eine Bilanz nach einem halben Jahr als Cheftrainer der deutschen Bobzunft aus?

René Spies: Die Sommervorbereitung ist gut verlaufen und die letzten Wochen waren von Materialtests geprägt. Derzeit sind wir mit intensiven Tests auf der Königsseer Bahn beschäftigt und mit der Frage, mit welchen Bobs wir in die zweite Saisonhälfte und in die Weltmeisterschaften gehen. Aus diesem Grund haben wir auch einen Weltcup in Lake Placid weglassen müssen.

Waren die Materialtests der einzige Grund?

Spies: Das war einer von zwei Gründen. Der Kauf der Wallner-Bobs hat unseren Etat gesprengt. Wären wir nach Whistler weiter nach Lake Placid gegangen, hätten wir zwei weitere Wochen finanzieren müssen. Das war aus Kostengründen nicht möglich und zudem konnten wir die Zeit mit mehreren Trainingseinheiten und vielen Materialtests in Winterberg und zuletzt in Königssee weitaus besser nutzen. So sind wir bisher nur bei einem Weltcup gestartet, haben aber im Europacup die Hälfte der Punkte gesammelt. Jetzt müssen wir sehen, wie es in die weitere Weltcupphase geht. Für uns geht es gefühlt erst im Januar richtig los.

Was sagen Sie zu den Weltmeisterschaften am Königssee?

Spies: Ich bin über den Zuschlag für Königssee sehr froh, ich wäre aber auch rein sportlich gesehen mit Weltmeisterschaften in Sotschi glücklich gewesen. Wir haben dort ja 2014 bei den Olympischen Winterspielen ein großes Debakel erlebt und wollten uns auf der Olympiabahn rehabilitieren. Ich denke, wir wären auch in Sotschi um die Medaillen mitgefahren. Aber jetzt nehmen wir auch Königssee gerne.

Obwohl am Königssee viele Nationen schnell fahren können.

Spies: Königssee ist eine von drei Heimbahnen für uns, auf der uns dennoch schon oft andere Nationen die Siege streitig gemacht haben. Ich hoffe, dies ändert sich im Februar.

Warum freuen Sie sich dennoch über die WM am Königssee?

Spies: Wir befinden uns ja im vorolympischen Winter. Am Königssee wird sehr viel Trubel herrschen, mit dem unsere junge Mannschaft zurechtkommen muss. Diese Tatsache ist für unsere Piloten sehr wichtig. Es wird viele Interviewanfragen geben, die Piloten werden immer wieder Termine wahrnehmen müssen, sie werden Autogramme schreiben und werden mit vielen Leuten im Ziel reden. Es wird ganz einfach viel »Tohuwabohu« herrschen, was ich mir sehr wünsche, denn es schult unsere Sportler. Gleiches wird nächstes Jahr in Pyeongchang bei den Olympischen Spielen so sein. Das wird die, die noch nicht bei Olympia waren, auch etwas erschlagen. Da wird man nicht gut schlafen können, da wird immer eine Unruhe herrschen, die Sportler müssen möglicherweise einen Kilometer zum Essen gehen. Dann müssen wir so und so oft zur Bahn fahren und durch zahlreiche Sicherheitsschleusen hindurch. Und so kann die WM am Königssee nur eine Vorschule für das sein, was uns in Korea erwartet. Meine Sportler werden bei der WM schon psychisch an ihre Grenzen kommen und so viel hinzulernen.

Was trauen Sie Ihren Teams am Königssee zu?

Spies: Das Geschehen an der Spitze ist enorm eng. Francesco Friedrich gewinnt in Whistler die Zweierbobentscheidung und wird im Vierer Zwölfer. In den letzten zwei Jahren ist die Dichte an der Spitze mit Bobs aus mehreren Nationen immer größer geworden. Die Zeitspanne von Platz zwei bis Platz zehn ist sehr gering, da dürfen nicht viele Fehler passieren. Aber natürlich haben Friedrich und Lochner den Anspruch, um Gold zu fahren.

Hansi Lochner sagte, er habe über den Sommer nicht so trainieren können, wie er sich das vorgestellt hat. Er sei auch noch nicht topfit.

Spies: Der Hansi hat ein sehr gutes Körpergefühl, auch wenn er immer wieder Probleme mit einem Knie hat. Aber es sind ja noch einige Wochen bis zu den Weltmeisterschaften. Wenn er bis dahin ohne weitere Verletzungen durchkommt, wird er physisch gut dastehen und dann ist ihm alles zuzutrauen. Wir dürfen aber auch Nico Walther nicht vergessen. Er kann sehr gut fahren, und wenn er gut startet, ist auch er ein heißer Kandidat.

Was sagen Sie eigentlich dazu, dass Ihre alten Trainerkollegen Hans Wimmer und Hartl Sanktjohanser jetzt für Japan arbeiten?

Spies: Die beiden haben aus Japan gute Angebote bekommen und die Herausforderung angenommen. Der Hans lebt ja den Bobsport und hat sehr viel Ahnung vom Material. Trotzdem ist die Cheftrainerfunktion von Hans Wimmer natürlich ein hartes Brot. Er hat aber schon etwas bewegt, was auch der Damensieg beim Europacup am Königssee beweist. Ich hatte mit Hans Wimmer viele schöne Zeiten und Erlebnisse und wünsche ihm jetzt auch in Japan viel Erfolg.

Sie sind seit April Cheftrainer der deutschen Bobfahrer, was hat sich verändert?

Spies: Sehr viel, denn jetzt bin ich für alles verantwortlich, was passiert. Es macht aber sehr viel Spaß, mit den Mannschaften zusammenzuarbeiten, weil es allesamt gute Typen sind.

Haben Sie eine andere Philosophie als ihr Vorgänger Christoph Langen?

Spies: Ich habe ja auch mit Christoph sehr gut zusammengearbeitet. Meine Vorgehensweise ist ähnlich wie bei Langen. Ich bin halt im Umgang mit den Aktiven manches Mal etwas leiser und rede mit den Athleten auch etwas anders. Aber mein Anspruch ist der gleiche wie bei Christoph Langen, daran hat sich nichts geändert. Christian Wechslinger