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»Blues Night« in der Rossschänke

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Das Duo »Metzger & Stahl« steigerte die Stimmung in der Rossschänke noch weiter. (Foto: Benekam)

Dass der Spätsommer mit frischen Temperaturen noch Veranstaltungen unter freiem Himmel zur Zitterpartie macht, tangierte die Macher des Baumburger Kultursommers wenig. Die »Blues Night« musste zwar in die Rossschänke ausweichen, die Gäste machten es sich aber im urigen Gewölbe gemütlich – und schließlich können Blues und Rock, wenn sie gut sind, auch einheizen und den Sommer gefühlt in die Verlängerung schicken.


Genau das schafften die beiden aufspielenden Bands des Abends auf vortreffliche Weise. Den Anfang machte die Haiminger Band »BluesTransfusion«. Jürgen Heilmeier (Gitarre, Gesang), Fredi Altmannshofer (Schlagzeug) und Erwin Krastenbergs (Bass, Gesang) setzen auf »Selbstgemachtes« mit substanzreichen Eigenkompositionen.

So machte sich schnell dieser Blues-Effekt in der Rossschänke breit: Wippende Beine und Köpfe, coole Sprüche und eine langsam steigende Raumtemperatur – gewiss nicht nur durch die Scheinwerfer, sondern den heißen Grooves geschuldet.

Wer den Texten folgte, bekam Grund zum Schmunzeln, der ein oder andere entdeckte sich in ihren Inhalten wieder, identifizierte sich damit, erlebte sich vielleicht selbst als Refrain. Blues schöpft eben aus dem prallen Leben und filtert heraus, worauf es ankommt. So genossen die Baumburger Kultursommergäste Songs aus der aktuellen CD »Whisky of the Evening«, sowie eine Handvoll neuer Stücke.

Als Steigerung kam in der zweiten Hälfte der »Blues Night« ein Duo der verschärften Sorte: »Metzger & Stahl« trieb das Stimmungsbarometer weiter nach oben. Das ging schon mal mit der trockenen Reibeisen-Stimme von Diddy Metzger los. Metzger zählt zu den prägenden Elementen der deutschen Blues- und Roots-Szene. Mit seinen an Joe Cocker erinnernden, zuckenden Hand- und Armbewegungen, die seinen Gesang unterstrichen und im Ausdruck verstärkten, forderte er dem Zuhörer auch optisch die uneingeschränkte Aufmerksamkeit ab.

Nicht weniger spektakulär schlugen seine Blues-Harp-Einsätze ein – als wollten sie den noch vorhandenen Putz über den Ziegelsteinbacksteinen der Rossschänkenwand auf die wippenden Köpfe der Zuhörer rieseln lassen. An seiner Seite quälte Peter Stahl kongenial seine Gitarren und Kickdrums, lieferte Rhythmus und Drive, immer bereit, jede Spontanität mit ausuferndem Improvisationswillen mitzutragen – von innen nach außen.

So geht handgeschmiedeter, quicklebendiger Blues: Vielfältige Klangfarben, abgedrehte Texte über ominöse Irrenanstalten (»Pretty Park«), rauschende Alkoholexzesse (»Eleven Stout«) oder männliche Selbstüberschätzung (»I’m the coolest«).

Die restlos begeisterten Gäste der Baumburger Blues Night erklatschten sich etliche Zugaben – Ehrensache für die beiden »Blues Brothers«. Kirsten Benekam