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Kabarett »Jenseits der Scherzgrenze« im Rahmen der Chiemgauer Kulturtage begeistert das k1-Publikum

Bloß nicht wegschauen

Fritz Egger (rechts) und Johannes Pillinger bewegten sich mit ihrem Programm jenseits der Sch(m)erzgrenze. (Foto: Benekam)

Das Feiern ist wirklich eine egomane Erfindung, findet Fritz Egger vom Salzburger »Affront Theater«. Im Grunde feiere man sich fast immer selbst, so Egger, oder seine Zugehörigkeit zu einer Firma, ein Jubiläum oder einen Hochzeitstag. Ob man das wirklich feiern muss, das sei eine andere Frage und intensiver Beleuchtung wert – denn Gründe zum Feiern finde der Mensch ja immer, und sei es nur des Feierns Willen.


Im Rahmen der Chiemgauer Kulturtage feierte das Salzburger »Affront Theater« im k1-Studio sein neues Programm »Jenseits der Scherzgrenze«. Mit einer Blechtrommel (Fritz Egger) und einer Tröte (Johannes Pillinger) war das kabarettistische Feuerwerk eröffnet: Anlass zur Feier war die Zugehörigkeit Salzburgs zu Österreich, die sich zum 200. Mal jährt.

Zugehörigkeit zu Österreich ist kein Gewinn

Gute Nachbarschaft hat ja was für sich. Wenn auch nicht alles gut ist bei denen auf der andern Seite, so verdanke man den Bayern immerhin das Reinheitsgebot. Ansonsten sei die Zugehörigkeit zu Österreich kein Gewinn – auch weil die Salzburger in ständige Rangeleien zwischen den »echten« (gebürtigen) und den »typischen« (Oberösterreicher) verwickelt seien.

Das Lied »Wann i di no mog und du mi nimma« brachte die Sache inhaltlich und musikalisch auf sehr sympathische Weise auf den Punkt und war zudem eine gelungene Überleitung zum nächsten Thema: Integration. Egger verwies auf drei Punkte, die für eine gelungene Integration unerlässlich seien. Da sei erstens eine gemeinsame Landessprache von immenser Wichtigkeit – es wundere kaum, dass so mancher Syrer einen Österreicher rüge: »Lern du erst mal Deutsch«. Deutschkurse für Inländer seien da angebracht.

Zweiter Aspekt zum Gelingen der Integration sei die Anpassung an die geltenden Landesgesetze. Auch in diesem Punkt habe so manch Einheimischer größere Hürden zu überwinden als die »Fremden«: Geschwindigkeitsbegrenzungen sowie die Einhaltung der Promillegrenze oder der katholischen Feiertage. Dritter und letzter Punkt funktioniere nur, wenn erster und zweiter Punkt erfolgreich bestanden sind: den Lebensunterhalt selbst verdienen.

Sehr hilfreich zur Bewältigung aller scheinbar unüberwindbarer Widrigkeiten, die die Flüchtlingsflut in den europäischen Ländern mit sich bringe, sei die Unterstützung seitens der Nachbarn: Mit Baskenmütze auf dem Kopf mimte Egger nun einen Franzosen, dessen Aufgabe darin bestand, Fremdenführerlehrgänge abzuhalten. Sein Ziel: »sympathische Vergrausung« mit einem Hauch natürlichen Abscheus. Die Fremden sollen schnell merken, dass es ihnen zu Hause besser geht. Sie sollen bald verschwinden, ihr Geld aber im Lande lassen. Als Mittel zum Zweck diene beispielsweise der Besuch eines Perchtenlaufs, die Besichtigung der Einflugschneise des Salzburger Flughafens oder eine Begegnung mit Conchita Wurst.

Anrührend und mit Gänsehautfaktor war im Anschluss das Lied »Du, du, i möcht di kennenlernen«, welches thematisch im direkten Widerspruch den Konsens unterstrich.

Nachbarschaft und »Nächstenliebe«

Auch das Thema Nachbarschaft und »Nächstenliebe« kam in dem Programm der beiden Vollblutkabarettisten nicht zu kurz: Über Äpfel und Birnen, die vom Nachbargrundstück über den Zaun wachsen freue man sich diebisch. Nicht aber über die Hilfe suchenden Blicke der Asylsuchenden auf der anderen Seite des so wichtigen Grenzzaunes – die sind jenseits der Scherzgrenze! Genauso wie die Drohnen zum Ausspähen der Nachbarschaft.

Bloß nicht wegschauen ist die Devise und das konnte auch das Publikum im k1-Studio nicht: in jedem Moment waren die Besucher voll dabei, mittendrin – besser gesagt: voll integriert. Es war nicht immer lustig: Aufrüttelnde Themen zu aktuellen Brennpunkten, mundgerecht für jedermann verständlich, ästhetisch aufbereitet. Garniert mit niveauvollem Gesang gut getexteter Lieder, einer hervorragenden musikalischen Begleitung durch Johannes Pillinger und einer absoluten Glaubwürdigkeit und Echtheit.

Mit dem Satz »am Ende ist alles gut und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende«, beschloss das Duo den Abend und freute sich über den kräftigen Applaus. Ein höchst sehenswertes, grenzüberschreitendes Kabarettprogramm, das man im Rahmen der Chiemgauer Kulturtage nicht besser hätte wählen können. Kirsten Benekam