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Blick hinter die Fassade des »American Dream«

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»Welsh Miners« aus dem Jahr 1953 von Robert Frank.

Auf knapp 400 Quadratmetern zeigt das Museum der Moderne Salzburg im Rupertinum bis 26. März Fotos, Bücher und Filme von Robert Frank. Es ist eine umfassende Werkschau des bahnbrechenden Foto-Künstlers, die seine stilbildenden Aufnahmen von 1947 bis heute gegenüberstellt.


Der heute 92-jährige gebürtige Schweizer, der in Kanada und New York lebt, wanderte 1947 in die USA aus und arbeitete anfänglich für Magazine als Werbe- und Modefotograf wie auch als Fotojournalist. Durch ein Guggenheim-Stipendium konnte er in den Jahren 1955/56 das Land bereisen und mit den dabei entstandenen Fotografien im Fotoband »The Americans« Fotogeschichte schreiben.

Robert Frank zeigt keine schöne oder geschönte Welt, sondern Menschen, Orte und Dinge, die ihn selbst bewegen und beeindrucken und dies mit den damaligen Möglichkeiten der Fotografie: Schwarz-Weiß, manchmal sogar etwas unscharf, wenn aus einem fahrenden Objekt heraus aufgenommen, doch immer prägnant und deutlich in der Aussage, die das für ihn Wesentliche festhält. In subjektiv erzählender Bildsprache blickt er mit seiner Kamera hinter die Fassade des »American Dream« der Nachkriegszeit.

Frank gilt als Pionier der Street Photography. Aber seine Bilder erzählen auch von den Menschen auf der Straße, den Arbeitern, dem harten Leben wie auch von seinen engsten Vertrauten, Freunden und seiner Familie. Franks Arbeiten, werden im Rupertinum nicht als teure Abzüge gerahmt hinter Glas gezeigt, sondern auf eigenen Wunsch in Form von Acryl-Injekt-Prints auf bis zu 4  m langen Bahnen aus Zeitungspapier gedruckt und den Räumen in ihrer Größe angepasst. Er nennt dies »quick, cheap and dirty« (schnell, billig und schmutzig), wobei ebenfalls auf seinen ausdrücklichen Wunsch zu Ausstellungsende alles geschreddert werden soll.

In Form einer Zeitung und auf Zeitungspapier gedruckt erscheint auch der Katalog der Ausstellung und ist »cheap« im Sinne von erschwinglich für jedermann. Die vom Künstler unter Zusammenarbeit mit seinem Verleger Steindl konzipierte Ausstellung beginnt mit Franks frühen Aufnahmen (1947) und endet mit Polaroid- und 35-Millimeter-Fotografien der letzten zwei Jahre. Franks Fotobücher sind jeweils in Sequenzen angelegt, intuitiven Serien, die dem Betrachter durch ihre Zusammen- und Gegenüberstellung ohne Worte jeweils ihre einprägsame Geschichte erzählen wie bereits in seinem ersten Bildband »Portfolio«, mit dem er zu Beginn seiner Zeit in den USA erfolgreich um das Guggenheim-Stipendium ansuchte. In einem Kinoraum werden 16 Filme und Videos des Künstlers gezeigt, denn Ende der fünfziger Jahre hat Robert Frank vorübergehend die Fotografie aufgegeben und Indipendant-Filme gedreht, die sich zwischen Autobiografie, Dokumentation und Fiktion bewegen. Robert Franks künstlerisches Leitmotiv, der Satz des Kleinen Prinzen von Saint-Exupéry »Man sieht nur mit dem Herzen gut« lässt sich in seiner Bildersprache immer wieder nachempfinden. Seine Bilder berühren den Betrachter in ihrer Intensität.

Die Ausstellung geht bis zum 26. März und ist jeweils von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr (Mittwoch bis 20 Uhr) geöffnet. Helga Mikosch