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Blaues Wunder beim Gelben Sack

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Nicht nur an der Vorderbrandstraße in Berchtesgaden stapelten sich in den letzten Wochen die Gelben Säcke. Die seit 1. Januar zuständige Firma konnte die Abholtermine nicht einhalten. Dieser Müllhaufen verschwand immerhin am gestrigen Freitagmorgen. (Foto: privat)

Berchtesgadener Land – Rot sehen aktuell viele Berchtesgadener, wenn sie auf das Thema Gelber Sack angesprochen werden. Denn seit 1. Januar, als die Abholung des Verpackungsmülls auf die Erdinger Firma Wurzer überging, funktionierte hier nicht mehr viel. Tagelang »zierte« die gelbe Pracht das Straßenbild, weil die Abholpläne immer wieder über den Haufen geworfen wurden. Die heftigen Schneefälle, die schließlich zur Ausrufung des Katastrophenfalls im südlichen Landkreis führten, erschwerten der Firma freilich die Arbeit erheblich.


In allen fünf Talkessel-Gemeinden gibt es seit Anfang Januar mehr oder weniger große Probleme. Der Geschäftsleiter der Gemeinde Ramsau, Martin Willeitner, spricht von »chaotischen Zuständen«. »Die Firma ist beim Schnee teils mit ihren großen Fahrzeugen nicht durchgekommen«, schilderte Willeitner dem »Berchtesgadener Anzeiger« am Mittwoch. Das Problem: Es waren keine Allrad-Fahrzeuge im Einsatz. Am Donnerstag äußerte sich der Geschäftsleiter verwundert darüber, dass er einen Tag zuvor einen Lkw des Unternehmens auf der Straße gesehen hatte, obwohl die Abholung nicht für diesen Tag angekündigt war. Es gab, wie in den anderen Gemeinden teilweise auch, Unstimmigkeiten bei den Terminen.

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Für den gestrigen Freitag hatte die »Wurzer Wertstoff GmbH« schließlich ihre Allrad-Tour angekündigt. »Dazu gehören zum Beispiel die Kederbacherstraße und teils die Alpenstraße«, erklärte Willeitner. Und siehe da – am Freitagmittag konnte der Geschäftsleiter verkünden: »Die Säcke sind weg.«

Zweiter Termin auch nicht eingehalten

In den anderen Gemeinden lief es in den letzten Wochen ähnlich. Dabei hatte zunächst fast jeder Verständnis dafür, dass die Abholtermine während des Katastrophenfalls nicht eingehalten werden konnten. »Zunächst hat das jeder eingesehen«, sagt der Bischofswieser Geschäftsleiter Rupert Walch. »Aber als dann der neu angekündigte Termin wieder nicht eingehalten wurde, sind die Leute sauer geworden«, erinnert sich Walch. Die Folge waren massive Beschwerden bei der Gemeinde. Obwohl die genauso wenig dafür kann wie das Landratsamt, das ebenfalls heftige Kritik einstecken musste. Allerdings können die Behörden diesmal gar nichts dafür, denn die Abholung des Gelben Sacks wird von der Duales System Deutschland GmbH in Auftrag gegeben.

Tatsache ist aber, dass in allen fünf Gemeinden zuletzt keiner mehr wusste, wann die Säcke nun abgeholt werden. Vor allem an den schwierig zugänglichen Strecken, den sogenannten Allrad-Strecken, lagen die Säcke sehr lange, wurden eingeschneit und dann doch irgendwann abgeholt. Wer die Hoffnung hatte, dass sich die Situation nach Ende des Katastrophenfalls bessern würde, lag erst einmal falsch. Denn auch die Ende Januar angesetzten Termine wurden kaum exakt eingehalten. Immerhin war der Verpackungsmüll dann doch den einen oder anderen Tag später auf einmal weg.

»Wir hatten wirklich massive Probleme«

Daniel Hausner, der Dispositionsleiter des seit 1. Januar neu beauftragten Unternehmens »Wurzer Wertstoff GmbH« mit Sitz in Eitting bei Erding, wirbt auf Nachfrage des »Berchtesgadener Anzeigers« für Verständnis. Schließlich hätten sich im Landkreis zum Jahreswechsel knapp 90 Prozent der Abholtermine des Gelben Sacks wegen der Beauftragung des neuen Unternehmens geändert. Diese Veränderungen habe die Firma Wurzer in Absprache mit dem Landratsamt Mitte November an die Gemeinden geschickt. Zeitgleich seien eine entsprechende Smartphone-App programmiert und der Abfuhrplan an die Haushalte verteilt worden.

Allerdings hätten weitere kurzfristige Änderungen nicht alle Betroffenen erreicht. Und dann sei auch noch der Schnee inklusive Katastrophenfall gekommen. »Da hatten wir wirklich massiv Probleme«, sagt Hausner. »Um unsere Mitarbeiter zu schützen, sind wir einige Touren nicht gefahren.« Zum Beispiel in der Oberau und auf der Roßfeldstraße. Und als sich die Fahrer ein paar Tage später wieder auf den Weg gemacht hätten, hätten viele Hausbesitzer die Gelben Säcke schon wieder reingeräumt gehabt.

Anrufe werden deutlich weniger

Doch Daniel Hausner, der nach eigener Aussage inzwischen »21 Landkreise weltweit« betreut, gibt sich optimistisch. »Bei jeder Umstellung gibt es Probleme. Doch die Anrufe aus dem Berchtesgadener Land bei der Hotline werden deutlich weniger«, sagt er. »Es wird von Tag zu Tag besser.« Viele Bürger hätten sich inzwischen selbstständig über die aktuellen Abholtermine informiert.

Die aktualisierten Abfuhrtermine für den Gelben Sack für jede Gemeinde gibt es unter www.wurzer-umwelt.de. Für telefonische Auskünfte steht die kostenlose Telefon-Hotline der Firma Wurzer unter 0800/0987937 zur Verfügung. UK/cfs/av