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»Blaues Band der Malerei« in der Rathausgalerie

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Trotz aller Unterschiede im Malstil hat die Ausstellung in der Siegsdorfer Rathausgalerie eine harmonische Wirkung, nicht zuletzt wegen der dominierenden Farbe Blau. (Foto: Morgenroth)

Im Rahmen der neuen Reihe »Kulturgenuss« in Bergen und Siegsdorf findet bis zum kommenden Sonntag eine Ausstellung in der Rathausgalerie Siegsdorf mit Werken von Walter Angerer dem Jüngeren und Anna Klammer-Nagy statt.


Beim Betreten der Ausstellung ist der Besucher überrascht über die harmonische Wirkung der Werke der beiden unterschiedlich arbeitenden Künstler, sei es in der Motivwahl als auch in den bildnerischen Mitteln. Wegen der wirkungsvollen Hängung der Werke zieht sich fast unmerklich ein blaues, horizontales Band an den Wänden der Rathausgalerie entlang.

Auf der rechten Seite sind fünf Ölgemälde von Walter Angerer dem Jüngeren und auf der linken Seite sieben großformatige Acrylbilder von Anna Klammer-Nagy platziert. Als Hauptmotiv der beiden Aussteller könnte man die Landschaft im engeren und weiteren Sinne in ihren vielen Darstellungsmöglichkeiten nennen und spätestens genau dann entdeckt der Betrachter die Gegensätze, die in den Werken der beiden Künstler zu finden sind.

Anna Klammer-Nagy bekannt durch ihre Aquarellkunst, in der sie überwiegend Blumen, aber auch Landschaftsmotive in Lavurtechnik gekonnt aufs Papier bannt, präsentiert neben zwei Blumenaquarellen Acrylgemälde. Ihre Arbeiten sind nahezu gegenstandslos und hauptsächlich von hellen bis dunkelchangierenden Blau-, Gelb-, Braun- und Dunkelgrau- bis Schwarztönen gehalten. Vereinzelt setzt ein Grün oder Rot auf den großen lebendigen Flächen einige zusätzliche farbige Akzente, wodurch das Weiß in einigen Werken eigentlich alles andere dominiert. Die Malweise ist sehr differenziert, pastös und vielschichtig.

Anna Klammer-Nagy möchte eine Natur erzeugen, die so lebendig ist wie die wirkliche, voller Zufall und doch geordnet. Willkür und Ordnung – und ganz aus den künstlerischen Mitteln entstanden. Das sind zwei Pole, die sie verbinden will, zwei Gegensätze, die sie zusammenzwingt. In ihren Arbeiten findet die Malerin zu einer Ästhetik, die sich nicht nur von der Schönheit der Farben, sondern von ihrer harmonischen Komposition nährt. Die Flächen sind aber nicht immer homogen, sondern vielfach in sich äußerst differenziert aufgebaut.

Walter Angerer der Jüngere, weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt nicht nur durch seine exzellenten Zeichnungen und Porträts, sondern auch mit seinen Fraßbildern und seinen scherenschnittartigen Skulpturen, von denen eine mitten im Ausstellungsraum plaziert ist, zeigt in der Siegsdorfer Präsentation Landschaftsmotive, drei Winterbilder, (z. B. »Ettendorfer Kirche«) sowie zwei Gemälde, bei denen unser Brauchtum, die Trachten und die Bergwelt im Mittelpunkt stehen. Angerer kann noch altmeisterlich malen.

Er will den Betrachter durch subtilste malerische Vorgehensweisen für das Licht und die Farbe sensibilisieren, was ihm auch hervorragend und überzeugend gelingt. Verbunden mit überzeichnetem Gestus und Details, die farblich nicht der Wirklichkeit entsprechen, führt er den Betrachter oftmals in eine eher fantastische und surreale Landschaft oder Welt hinein.

Eine andere Welt mit einem anderen Ausdrucksmittel bergen seine Grafiken. Vier ausdrucksstarke, kleine Radierungen sind in der Ausstellung auf der linken Seite platziert. Hier zeigt er, wie er seine Gestaltungsmöglichkeiten im Figürlichen und Physiognomischen schärfen kann. Individuelle Gesichtszüge überspitzt er derart, dass der Betrachter zwischen Mitgefühl und Befremden schwanken muss wie z.B. bei dem Blatt »Wilde Gesellen«. Es sind absolut skurrile, »schräge« Erscheinungen. Er verleiht ihnen gleichzeitig das Aussehen von Fabelwesen.

Die in der Ausstellung unmittelbar spürbar werdende Gegensätzlichkeit vom (freien) »landschaftlichen Farbraum« der abstrakten Werke von Anna Klammer-Nagy und den (begrenzten) Landschafts- und Personendarstellungen der gegenständlichen Arbeiten von Walter Angerer dem Jüngeren erzeugt eine Spannung, von der der Besucher auf ganz eigenwillige Art und Weise eingefangen wird.

Die kleine, aber sehr interessante, Ausstellung in der Rathausgalerie in Siegsdorf ist bis zum Sonntag zu sehen und täglich von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Gabriele Morgenroth