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»Blau ist viel mehr als nur Blau«

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Christine Hötzendorfer erläutert Besuchern der Vernissage bei einem Rundgang Details ihrer Bilder, die bis einschließlich Sonntag zu sehen sind. (Foto: Sojer)

Fast auf den Tag genau vor 30 Jahren zeigte Christine Hötzendorfer erstmals ihre Bilder im damaligen Waginger Verkehrsamt. »Bilder zum Anfassen« hieß es zu jener Zeit bei der Ausstellung und lockte die Besucher mit Blumenaquarellen, Landschaftsmalereien und Stillleben im realistischen Stil. Jetzt nach 30 Jahren ungebrochener Leidenschaft an der Kunst und der Umsetzung ihrer Talente, feiert die Künstlerin ihr Jubiläum unter dem Motto »Nach Strich und Faden«.


In der Touristik-Info wurde ein kleiner »Kunsttempel« mit rund 40 beeindruckenden Werken von Malerin Christine Hötzendorfer errichtet. Die bunte und breitgefächerte Mischung der Motive reicht von gegenstandslosen Kompositionen über Gemälde mit Tier- und Pflanzendarstellungen bis hin zu abstrahierten Akten mit Goldstaub. Die Bildersprache gibt klare Auskunft, die Farben sind erdverbunden verspielt und wecken unterschiedliche Emotionen beim Betrachter, unterstrichen mit treffenden Titeln wie z. B. »Mondsch(w)einsonate«, »Andalusische Momente«, »Der Abtrünnige«, »Ja, wer bist denn du?«, »Chaos-Bild«, »Venus-Schaumgeborene«, »Il segreto« oder »Der Büßer«. In einigen Kunstwerken lassen sich aktuelle Themen erkennen wie z. B. das Bild mit dem Titel »Lampedusa«, das in Acryl mit Urgesteinsmehl kreiert wurde. »Angesichts der schrecklichen Ereignisse entstand das Bild fast wie von selbst und völlig unbeabsichtigt«, erklärte die Künstlerin.

Senta Kramer vom Katholischen Bildungswerk BGL lud die Gäste in ihrer herzlichen Laudatio zum »Wandern durch den Farbenglanz« ein. Kunst fange da an, wo das Sprechen aufhört, und man müsse sie nicht verstehen, sondern mit dem Herzen sehen. Hötzendorfers Bilder wirkten bezaubernd, tief berührend, humorvoll, spirituell, sinnlich oder provokant, erzählen da weiter, wo die Sprache bereits aufgegeben hat. »Im Rundgang, der durch die Farben Gelb, Rot und Blau führt, kann man erkennen, dass Blau viel mehr ist als nur Blau« sagte Kramer.

Schirmherr 1. Bürgermeister Herbert Häusl sagte, dass man im Alltag von Kunst umgeben wird, die gefördert werden muss. Bei dieser Förderung gehe es nicht ums Geld, sondern allein um eine Haltung, die nichts weniger als ethisch-moralische Daseinsvorsorge für die Bürger sei. Die gesellschaftlichen Funktionen der Kunst seien vielfältig. »Kunst soll man genießen und auf sich wirken lassen, denn sie ist grenzenlos und überdauert. Sie kann Vergangenheit lebendig machen und uns den Spiegel der Gegenwart vorhalten«, sagte Häusl. Ein Kunstwerk verändere nicht die Welt, aber die Gedanken darüber vielleicht.

Der Schaffensprozess verlangt viel Disziplin und Kopfarbeit. »Die weiße Leinwand fordert einen immer zu einem Duell heraus, das man mit aller Kraft gewinnen will«, meinte Christine Hötzendorfer lachend. Die Malerin entwickelte sich immer weiter, hat Freude am Experimentieren und eignet sich immer wieder neue Techniken an. »Eine strukturierte Ausbildung an Technik ist zwingend notwendig«, weiß Hötzendorfer, die regelmäßig die Kunstakademie in Bad Reichenhall besucht. Auch wurde sie einst von zwei Malern der Moskauer Kunstakademie unterrichtet. Die Künstlerin nahm an über 50 Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen teil, weist Referenzen bis in die USA vor und teilt zudem ihr Wissen in Malkursen für Kinder und Erwachsene.

Vor fünf Jahren begann die Künstlerin von der realistischen zur abstrakten Malweise umzuschwenken. Es sei eine völlig neue Erkenntnis, nicht mehr das zu malen, was man sieht, sondern das, was vor einem liegt und dann daran weiterzuarbeiten. »Es entsteht etwas völlig Neues, einmalig im Sinne von nicht wiederholbar, mit einem winzigen Hauch von Schöpfungsgeschichte«, schwärmt Senta Kramer.

Die Malerin Christine Hötzendorfer wünschte sich schon als Kind ein Haus voller wunderbarer Bilder, das ihr, anders als erwartet, mit ihren eigenen Talenten gelungen ist. »Allerdings muss man sich in Demut üben, bei der Erkenntnis, dass Werke niemals Vollkommenheit erreichen werden« sagte Hötzendorfer. Die Ausstellung läuft noch bis einschließlich Sonntag und ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Die Künstlerin wird dabei anwesend sein. Brigitte Sojer