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Die »Couplet AG« begeistert das Publikum im Traunsteiner Hofbräuhaus

Bissig-witzige Satire

Die gelungene Charakterdarstellung des prolligen Wiener Paares, »Mutzi und Butzi« gehörte eindeutig zum Besten an diesem Abend auf der Bühne des Traunsteiner Hofbräuhauses. »Wir kommen oder die Rache der Chromosomen«, heißt das fast noch neue Programm der vielfach ausgezeichneten »Couplet AG«, bei dem Dieter Woll aus Ruhpolding die Regie führte.

Berni Filser (von links), Bernhard Gruber, Bianca Bachmann und Jürgen Kirner brachten das Publikum in Traunstein zum Lachen. (Foto: Heigl)

Da das NUTS zu klein war, um die große Nachfrage nach Karten zu erfüllen, zog man auf die ebenfalls schöne Bühne des Hofbräuhauses um, auf der Mutzi und Butzi als schräges, Bier trinkendes Prollpaar in Tigerleggins und Trainingshose Einblicke in ihr Liebesleben und ihre Trinkgewohnheiten zum Besten gaben. Mit flotten Sprüchen wie »heute ist Leberwurst-Tag, heute ist mir meine Leber wurst« hatten sie die Lacher auf ihrer Seite.

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Mit dem neuen Programm zeigte die »Couplet AG« bissig-witzige Politsatire, aber sie nahm auch den ganz normalen, privaten kleinen Wahnsinn aufs Korn.

Sie outeten sich als Trump-Fans, denn der mache ja Kraft seines Amtes endlich Schluss mit dem Klimawandel, »also können wir endlich aufatmen«. Und macht das Wetter dann doch einmal, was es will, dann ist er immerhin in Gedanken bei seinem Volk. Alles gut also. In einer gemeinsamen Gesangseinlage erzählten sie, wie sich sogar ein Murenunglück positiv auf das Liebesglück auswirken kann: Denn seit der Mure sind sie nun ein Paar, seit der Eine den Anderen ausgegraben hat.

Auch für den aussterbenden Bauernstand wussten sie eine Lösung: In einer deftig-bäuerlichen Szene zeigten Bianca Bachmann und Jürgen Kirner ganz neue Möglichkeiten. Da wurde der Saustall dann zum Swinger-Club umgebaut und damit nicht nur neues Einkommen generiert, sondern auch gleich das in die Jahre gekommene Eheleben aufgefrischt. An Ideen nicht arm, beschloss die Bauersfrau auch gleich, eine Heilquelle zu installieren, in der die Gäste nackt baden können. Selbstredend soll es dann auch einen Wasserfall geben, um den FKK-Betrieb attraktiver zu gestalten.

Da das Ensemble im Laufe des Abends in unzählige Rollen schlüpfte, überbrückten Bernhard Gruber und Berni Filser die Szenenwechsel mit Witzen und Stuben-Musik auf Akkordeon und Gitarre. Jedes Mal, wenn Bernie seinen Lötkolben an die Zunge hielt, um die Temperatur zu prüfen, zuckten die Zuschauer unweigerlich zusammen.

Unvergesslich bleibt auch die Szene, als sich Bianca Bachmann in der Rolle einer Diva zu ihrer Leidenschaft als Pickelausdrückerin bekannte: Sie kann einfach nicht widerstehen, selbst in einem öffentlichen Verkehrsmittel kennt ihre Begeisterung für diese Tätigkeit keine Grenzen. In ihrem »Mitesserlied«, »Es ist so dunkel, ich sehe kein Furunkel«, beschrieb sie Freud und Leid im Leben als laszive Pickelöse. Das war geballte Erotik in einem äußerst skurrilen Kontext und zum Niederknien komisch.

Aber auch bei Jürgen Kirner kannte die Begeisterung im Publikum keine Grenzen, als er als kompaktes Kraftpaket durch die Szenen wirbelte und durch seine Darstellung der unterschiedlichsten Charaktere erfreute. Mit dem Lied »Ich bin der Rasso von Inkasso« verulkte er diesen Berufsstand überzeugend und machte mit männlich dominantem Hüftschwung klar, was er doch für ein toller Hecht ist. Das Publikum kam dank seiner unglaublichen Wandlungsfähigkeit und seinem kraftvollen Auftritt aus dem Lachen und Staunen nicht heraus.

Mit dem Lied »Elli, die Salmonelli«, »gesponsert von Bayernei«, persiflierte Bianca Bachmann mit einer detailliert einstudierten Performance aus dem Reich der Schlagermusik das Genre. Zum Gelingen des Abends trug auch das umfangreiche Musikinstrumenten-Arsenal bei. E-Gitarre, Bassbecken, Ziach, Gitarre und Mundharmonika machten den Abend auch zu einem musikalischen Ereignis.

Da die Fans der »Couplet AG« nicht das ursprüngliche Couplet-Format der AG geboten bekamen, weil das Ensemble seit geraumer Zeit dabei ist, sich neu in Richtung Musikkabarett auszurichten, gab es sozusagen als »Zuckerl« obendrauf noch ein waschechtes Couplet. Mit viel Applaus bedankte sich das Publikum für die deftig-skurrile Unterhaltung. Barbara Heigl