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Bischofswiesen zeigt Rückgrat – Architekt präsentiert neuen Mittelschul-Entwurf

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Bischofswiesen zeigt Rückgrat: Architekt präsentiert neuen Mittelschul-Entwurf
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Der neue Entwurf für die gemeinsame Mittelschule Bischofswiesen. Der Altbau bleibt unberührt. Stattdessen ist ein durchgehender Baukörper vorgesehen. (Screenshot: Schulze.Dinter Architekten)

Bischofswiesen – Eine barrierefreie Erschließung, eine einstufige Bauphase und der Erhalt des Altbaus: Architekt Alexander Dinter hat in der Gemeinderatssitzung am Dienstag den neuen Entwurf für die gemeinsame Mittelschule Bischofswiesen vorgestellt. Dabei verriet er den Hintergrund der Planungsänderung. Obwohl der Bau erst später als ursprünglich geplant beginnen würde, kann man laut Dinter das Projekt genauso schnell abschließen. Sonderlob gab es für die Arbeitsgruppe Mittelschule.


Zunächst war der Bau in zwei Phasen eingeteilt: in den Neubau und die Aufstockung der Grundschule um ein Geschoss. Letzteres bereitete aber Probleme. »Wir wussten nicht, dass die Holzdecken gegen Stahlbeton ausgetauscht wurden. Das ergab eine vertiefte Untersuchung zu Beginn des Jahres«, so Dinter. Somit hatten die Planer ein statisches Problem: Die Fundamente können zwar den Altbau noch stabilisieren, eine Aufstockung hingegen nicht.

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Aufstockung überdenken

Der Sozialdemokrat Josef Angerer forderte in einer der vergangenen Gemeinderatssitzungen, man müsse über die Aufstockung hinausdenken. Diesen Gedanken verfolgte die Arbeitsgruppe Mittelschule. Dabei kamen die Planer zum Ergebnis, dass am Altbau nichts geändert und der Neubau verlängert wird.

Der Verwaltungstrakt sei ohnehin sanierungsbedürftig. »Die Abwasserleitungen weisen Brüche auf und die Verwaltungsräume sind eng«, sagte Dinter. Durch die Erweiterung schaffe man zudem einen durchgehenden Baukörper. »Dieser Bereich bildet das Rückgrat vom Schulkomplex.« Die Höhenunterschiede zwischen den Baukörpern sind nach Angaben des Architekten nicht so extrem, obwohl der Neubau um ein Stockwerk höher ist. Denn der Dachfirst des Altbaus ist steil, der des Neubaus flach.

Außerdem fällt den Verantwortlichen eine barrierefreie Erschließung des Gebäudes leichter. Der bisherige Verwaltungsbau steht um ein Halbgeschoss zum restlichen Komplex versetzt.

Der Neubau soll sich an die Flurhöhen der anderen Gebäude anpassen. Lediglich im Kellnbergerbau, in dem die Schulverwaltung und Lehrerzimmer untergebracht werden, ist eine Höhenversetzung nicht möglich. »Deshalb schlage ich vor, hierfür einen zusätzlichen Aufzug zu installieren«, sagte Dinter.

Durch den neuen Entwurf benötigen die Verantwortlichen nur noch eine Bauphase: »Sollten die Ausschreibungen und Vergaben länger dauern, können wir dennoch genauso schnell fertig werden, wie ursprünglich geplant. Wir können nun in einem Zug bauen. Die Aufstockung des Altbaus fällt weg. Wir sind nur mit dem Neubau beschäftigt.«

Bürgermeister Thomas Weber zeigte sich zuversichtlich, rechtzeitig mit der Schule in den Betrieb zu gehen. Der Schulstart ist 2024 geplant. »Wir haben einen Großteil der Verfahren durchgemacht. Das Verfahren für die Erweiterung können wir parallel laufen lassen«, sagte Thomas Weber.

Der Zweite Bürgermeister Thomas Resch (FWG) hält den derzeitigen Entwurf für den richtigen Weg: »Die Entwicklung zum Guten kommt erst im Prozess.« Resch lobte die Ortsplanung. Das Rückgrat unterstütze das Schulensemble und schaffe eine tolle Verbindung von Grund- und Mittelschule. Die jetzige Lösung für den Anbau gehe schneller, kompakter und konsequenter. Apropos Anbau: Der Rathauschef betonte explizit, dass diese Maßnahme aufgrund der Erkenntnisse aus der Sozialraumanalyse erfolgen müsste. Wegen der steigenden Geburtenrate will man künftig zwölf Klassen für die Grundschule einplanen. Daher benötigt man mehr Räume.

Vorteile des neuen Entwurfs

Trotz mehrerer Räume sprach Hans Metzenleitner (SPD) von einem kompakten Baukörper: »Was lange währt, wird endlich gut.« Die Änderung hätte er erst verdauen müssen, allerdings sei sie notwendig. Der Sozialdemokrat findet es gut, dass einerseits Grund- und Mittelschule räumlich getrennt sind, anderseits gemeinsame Fachräume eine funktionelle Verzahnung haben. Zudem lasse die gemeinsame Verwaltungsebene Synergien zu.

Einziger Wermutstropfen sei die Planungsphase, die noch ein wenig andauert. »Ich bin aber überzeugt, dass sich die lange Planungsphase lohnt, um dann für den Talkessel die optimalen Voraussetzungen für die Mittelschule zu bieten«, sagte er.

Oliver Schmidt (CSU) sieht die Höhe des Neubaus kritisch: »Städtebaulich halte ich den Entwurf für unglücklich.« Schmidt gab zu Bedenken, die Aufwendungen im alten Gebäude müssten so gering wie möglich gehalten werden. Hierbei sollte es sich nur um Nachbesserungen im Brandschutz und kleinere statische Maßnahmen handeln. »Momentan ist der Altbau statisch nicht überbelastet«, erwiderte der Rathauschef. Ansonsten ist der neue Plan laut Schmidt schlüssig.

Dass die Schule rechtzeitig betrieben werden kann, wünschte sich Simon Schwaiger (CSU). Außerdem lobte er die Arbeitsgruppe Mittelschule: »Da sind Experten drin, die sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen.« Die Gruppe besteht aus Schulleitung, Gemeindevertretern, Gemeinderat und Architekten. Dem Lob schloss sich Alexander Dinter an: »Die Zusammenarbeit funktioniert wunderbar. Wir kommen immer sofort zu einer Lösung.«

»Die Gedanken haben Hand und Fuß«

Josef Stangassinger (UBB) sprach von einem hervorragenden Plan. Man spare sich nun einige Flächen. »Das ist besser als die vorherige Lösung, sonst hätten wir uns etwas verbaut«, sagte er. Zugleich warnte er, man müsse Rücksicht auf den Altbau nehmen. Dort treffen sich Bischofswieser Vereine. Sie sollten auch künftig die Räume problemlos nutzen können. »Die Vereine haben sich ihren Platz verdient.«

Auch Andreas Stanggassinger (CSU) äußerte seine Gedanken zum Altbau: »Wir müssen die Optionen für mögliche Baumaßnahmen offenhalten.« Für gelungen hält er den durchgehenden Baukörper, denn somit könnte man auch die sanierungsbedürftigen Räume erneuern. »Die Gedanken haben Hand und Fuß«, fasste er das Projekt zusammen. Nur sollte man sich schon überlegen, wo unter anderem die Verwaltung während des Baus untergebracht werden soll. Einen Container als Übergangslösung halte er für denkbar. Patrick Vietze