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Bischofswiesen: »Das ist katastrophal« – Unverständnis für geplante Umleitung am Eisenrichter-Berg

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Bischofswiesen Umleitung
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Noch fließt der Verkehr am Eisenrichter in beide Richtungen. Doch damit ist bald Schluss. Wann genau, teilte das Staatliche Bauamt noch nicht mit. (Foto: Fischer)

Bischofswiesen – Wann genau es so weit ist, weiß man nicht. Aber es steht fest, dass sie kommt, die Einbahnregelung am Eisenrichter-Berg. Kurz zusammengefasst bedeutet das: Tagsüber muss man vom Talkessel nach Bad Reichenhall über das Wachterl fahren.


Je nach Wohn- beziehungsweise Zielort bedeutet das einen Umweg von bis zu 40 Minuten. Hauptleidtragende sind Berufspendler und Lieferanten. Der »Berchtesgadener Anzeiger« hat mit ein paar von ihnen gesprochen.

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»Das ist katastrophal«, sagt Thomas Frick, der Geschäftsführer des Werkzeugbau-Unternehmens Frick und Brandner im Bischofswieser Gewerbegebiet Pfaffenfeld. Die Firma hat viele »draustige« Kunden. Zum Beispiel in Bad Reichenhall, Grassau und Bergen. Und gerade um die Kunden am Chiemsee ist Frick besorgt. »Es kann sein, dass die nicht mehr kommen. Schließlich geht es um die Zeit«, weiß er. Thomas Frick zeigt zwar Verständnis für die Bauarbeiten an der B 20, nicht aber für die Umleitung. Für ihn wäre der Holzstubenweg, ein asphaltierter Radweg, die weitaus bessere Alternative.

Mitarbeiter und Lieferanten betroffen

Genauso wenig begeistert von der Einbahnregelung ist Stefan Schmid, der Geschäftsführer des Werkzeugherstellers Schnurr, der ebenfalls im Pfaffenfeld angesiedelt ist. »Von dieser Sperrung sind unsere Mitarbeiter und Lieferanten gleichermaßen betroffen«, sagt er. Etwa 15 der rund 60 Angestellten kommen von außerhalb. »Die kommen dann jeden Tag eine halbe Stunde später nach Hause.« Noch drastischer stellt sich die Situation aber für den Lieferverkehr dar. Denn bei bis zu zehn Anlieferungen und Abholungen pro Tag summiere sich der Zeitverlust massiv. »Expresslieferungen werden da schwierig«, so der Unternehmer. Enttäuscht zeigt sich Schmid auch von der Gemeinde Bischofswiesen und deren Kommunikationspolitik. »Die Unternehmen werden weder informiert noch ernst genommen«, betont Stefan Schmid, der ein solches Verhalten als »herablassend« empfindet. Wie viele Befragte kann auch er nicht verstehen, warum man nicht den Holzstubenweg als Alternativroute ausweist.

»Der größte Schwachsinn«

Der Bischofswieser Pierre Matthäi, der in Piding eine Autopflegefirma betreibt, findet deutliche Worte. »Die Baustelle ist der größte Schwachsinn. Und noch schwachsinniger ist es, den Verkehr über die Ramsau zu leiten.« Der Unternehmer kann nicht verstehen, warum das Staatliche Bauamt so lange mit der Sanierung der B 20 am Eisenrichter-Berg gewartet hat, bis sie kaputt ist. Aus Kostengründen will er nicht täglich mit dem Auto übers Wachterl zur Arbeit fahren. »Ich nehme den Zug«, stellt Matthäi klar.

Als großer Fan des Öffentlichen Personennahverkehrs fährt der Bischofswieser Gemeinderat und überzeugte Umweltschützer Paul Grafwallner immer mit dem Zug zur Arbeit nach Bad Reichenhall. Und empfiehlt das auch den leidgeplagten Autofahrern. »Das Zugfahren hat viele Vorteile«, verspricht Grafwallner. So fahren morgens zwei Züge nach Bad Reichenhall. Und zwar um 6.30 und um 7.19 Uhr. Von seinen langjährigen Beobachtungen weiß Graffwallner, dass man mit der Bahn genauso schnell in Bad Reichenhall ist wie mit dem Auto. »Außerdem ist Bahnfahren stress- und emotionsfrei«, so Grafwallner. Er empfiehlt, sich eine Monatskarte zuzulegen. Aber auch der tägliche Ticketkauf sei kein Problem. »Man kann sie direkt im Zug kaufen. Die Schaffner der Berchtesgadener Landbahn sind freundlich und hilfsbereit«, weiß Grafwallner.

Abschleppdienst darf durch

Alles zum Guten gewendet hat sich nach einer langen Phase des Bangens für den Pannendienst Grill, der im Gewerbegebiet Pfaffenfeld angesiedelt ist. Wie Firmenchef Richard Grill erklärt, kann er bei einem Einsatz mit seinem Abschleppfahrzeug jederzeit über den Hallthurm fahren. Dies habe ihm die Gemeindeverwaltung nach mehreren Gesprächen versichert. Christian Fischer

 

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