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Bilanz einer Verpflichtung: Di Canio und die Dauer-PR

Sunderland (dpa) - So viel Aufmerksamkeit hat der AFC Sunderland schon lange nicht mehr provoziert. Vom renommierten britischen Sender BBC bis zu den Boulevard-Blättern: Seit Tagen liefert der vom Abstieg bedrohte Tabellen-16. der Premier League täglich Stoff für die Medien.

Provokation
Lazios Paolo di Canio provozierte 2005 im Stadtderby die Fans des AS Rom. Foto: Filippo Monteforte Foto: dpa

Das Interesse der Fotografen, Kamerateams und Journalisten trägt einen Namen: Paolo di Canio. Der Verein zeigt ihn in Bilderserien auf seiner Homepage beim Training mit seiner neuen Mannschaft, gestenreich, mal erklärend, mal mit grimmigem Blick und titelt: «Der Boss in lebhafter Stimmung.»

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Der Boss ist 44 Jahre alt, trägt eine blaue Trainingsjacke mit den Initialen PDC und hat nun das Sagen. Genau das hat einigen aber fast die Sprache verschlagen. Denn di Canio ist ein Mann mit Vergangenheit. Er fiel einige Male durch rechtsradikale Aussagen oder Aktionen auf. Für seinen römischen Gruß im Stadtderby 2005 wurde er vom Verband zu einer Strafe von 10 000 Euro verdonnert: Wegen «eines unzulässigen Ausdrucks einer politischen Ideologie auf dem Platz». Di Canio, damals in Diensten von Lazio Rom, provozierte die Fans des Stadtrivalen AS, nachdem er das 1:0 erzielt hatte.

Di Canio trägt eine Tätowierung «Dux» (lateinisch: Führer) auf dem Arm. Alessandra Mussolini, Enkelin des früheren Diktators Benito, soll ihm damals sogar angeboten haben, für ihre Splitterpartei am rechten Rand zu kandidieren. Di Canio hatte abgelehnt: «Ich bin Fußballprofi, meine Freudenausbrüche haben absolut nichts mit Politik zu tun.»

Und auch jetzt will di Canio eigentlich nur das, was seit seiner Verpflichtung am Ostersonntag in den Hintergrund gerät: Sein Augenmerk auf den Fußball richten und sich auf die Partie an diesem Sonntag beim entthronten Champions-League-Gewinner FC Chelsea vorbereiten. Er denke, dass er sich nicht ständig rechtfertigen müsse gegenüber Leuten, die es nicht verstehen würden, meinte di Canio.

«Ich bin nicht der Mensch, wie ihn einige Leute gern darstellen», sagte er in einer Vereinsmitteilung einen Tag, nachdem er angekündigt hatte, nichts mehr über seine politische Gesinnung sagen zu wollen. Es war bereits das dritte Statement in vier Tagen des einstigen englischen Meisters. Allerdings liegen die ruhmreichen sportlichen Zeiten weit zurück: Das bis dato letzte von insgesamt sechsmal holten die «Black Cats» 1936 den Titel. 1937 und 1973 kamen noch zwei FA-Cup-Siege hinzu.

2013 kämpft der Club gegen den Abstieg. Mit di Canio. Seinen ehemaligen Verein Swindon Town hatte der umstrittene Italiener immerhin von der vierten in die dritte Liga geführt. Allerdings gab es auch dort zumindest Ermittlungen durch den nationalen Verband wegen angeblicher rassistischer Äußerungen di Canios. «Ich bin nicht politisch, ich gehöre keiner Organisation an, ich bin kein Rassist und ich unterstütze nicht die faschistische Ideologie», insistierte di Canio nun.

Zuvor hatten sich unter anderem Ex-Außenminister David Miliband, der prompt auch von seinem Vorstandsamt beim AFC Sunderland zurücktrat, und ein hoher Geistlicher kritisch zu dem Engagement geäußert. Ein Ende der Aufmerksamkeits-Tage beim AFC Sunderland ist nicht in Sicht.

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