weather-image

BGLT will Besucherströme besser lenken – Touristenmassen Thema im Gemeinderat

2.7
2.7
Bischofswiesen: BGLT will Besucherströme besser lenken – Touristenmassen Thema im Gemeinderat
Bildtext einblenden
In das einheitliche Erscheinungsbild des Berchtesgadener Landes passt auch die Bischofswieser Tourismus-Internetseite. (Screenshot: Kastner)

Bischofswiesen – Überwiegend positive Reaktionen gab es am Dienstag im Gemeinderat Bischofswiesen auf den Bericht von Geschäftsführer Peter Nagel über die Arbeit der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH (BGLT). Doch die Lokalpolitiker (siehe unten im Artikel) nutzten auch die Gelegenheit, auf die Gefahren des sogenannten »Overtourism« und auf die Schwächen des Öffentlichen Personennahverkehrs im Talkessel hinzuweisen.


Es war ein umfangreicher Tätigkeitsbericht, den Peter Nagel den Mandatsträgern vorlegte. Schwerpunkte waren alle Arten von Online-Werbung, die die BGLT intensiv nutzt. Ob Wander-App, der von Sepp Wurm gestaltete BGL-Blog, Facebook oder Instagram – das Berchtesgadener Land ist über alle digitalen Kanäle erreichbar.

Peter Nagel stellte klar, dass nicht mehr unbedingt die Gästegewinnung als vielmehr die Gästesteuerung das Ziel sein müsse. Über die Verwendung einer besonderen App werde man künftig die Möglichkeit haben, mehr über den Gast und sein Verhalten zu erfahren. Das alles sei aber noch im Aufbau.

Geplant ist auch, im gesamten Landkreis touristische Touchpoints zu errichten, an denen sich Gäste unabhängig von den Öffnungszeiten der Touristinfos informieren können. Darüber hinaus setzt man aber auch weiterhin auf die traditionellen Werbemittel wie Gastgeberverzeichnisse (je eines für Berchtesgaden und Bad Reichenhall) oder ein Magazin 2020, das für Gäste und Einheimische von Wert sein soll. Darüber hinaus gibt es verschiedene Druckerzeugnisse wie eine neue landkreisweite Panoramakarte.

Zur Markenpflege gehört für die BGLT vor allem ein einheitliches Erscheinungsbild, auf das man achte. Noch überarbeitet wird der Berchtesgadener Land Shop, über den online bereits 56 verschiedene Artikel wie T-Shirts, Sonnenbrillen oder Stirnbänder mit Aufdruck der hiesigen Destinationen erworben werden können. »Das bringt uns wirtschaftlich etwas und wir machen damit Werbung«, sagte Nagel. Von der Wolldecke konnten beispielsweise bereits 800 Stück zu je rund 30 Euro verkauft werden.

Ein neues Angebot der BGLT ist »MICE« (Meetings Incentives Conventions Exhibitions). Damit ist die Organisation und Durchführung von Tagungen, Incentive-Veranstaltungen, Kongressen und Ausstellungen in einem Gesamtpaket gemeint. »Zwei Damen dienen bei uns als Ansprechpartnerinnen. Sie organisieren auf Auftrag alles von der Zimmerbuchung über das Busshuttle bis zu Genehmigungen und Absperrungen. Man nennt das One Shop Shopping«. Peter Nagel erhofft sich damit eine Belebung der Nebensaison. Ein Verkaufsheft mit den Grundinformationen soll Anfang nächsten Jahres erhältlich sein.

Auch sogenannte Markenbotschafter aus dem Sportbereich hat sich die BGLT ins Boot geholt. Athleten wie die Huberbuam, Ines Papert, Toni Palzer, Philipp Reiter und Georg Hackl sollen aktiv für die Region werben.

Sehr positiv wertete Pater Nagel die Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsservice GmbH sowie mit heimischen Wirtschaftsbetrieben wie der Jennerbahn, der Predigtstuhlbahn, der Molkerei Berchtesgadener Land oder der Enzianbrennerei Grassl.

Nicht bewerben will man weiterhin den arabischen, chinesischen oder japanischen Raum. »Denn diese Gäste kommen sowieso«, weiß Peter Nagel. Man werde andere Schwerpunkte setzen, beispielsweise auf Italien. Allerdings müsse man sich dann auch auf diese Gäste einstellen, beispielsweise mit warmer Küche bis 22 Uhr. Über all die Werbeaktionen hinaus gewährleistet die BGLT auch eine umfangreiche Gastgeberberatung. Nagel: »Wir sind für unsere Gastgeber genauso da wie für unsere Gäste.«

Touristenmassen und ÖPNV – »Overtourism« Thema im Gemeinderat

Bischofswiesen – Die Bischofswieser Gemeinderäte sprachen Peter Nagel und seinem Team nach dessen Bericht großteils Respekt für deren Arbeit aus. Gleichzeitig taten sie ihre Sorge für den zunehmenden »Overtourism« kund. 2. Bürgermeister Thomas Resch (Freie Wähler) kritisierte beispielsweise, dass die Abstimmung zwischen RVO und Bahn nicht funktioniere. Hier brauche man einen Halbstundentakt. Man sollte auch daran denken, die Kurkarte für den Gast, der im Talkessel übernachtet, aufzuwerten. »Der Einheimische darf nicht unter dem Tourismus leiden«, betonte Resch. Zwar sei die Gastronomie mit dem diesjährigen Geschäft sehr zufrieden gewesen, doch sie »pfeift aus dem letzten Loch«. Das liege vor allem an den Personalproblemen. Resch schlug deshalb vor, Berchtesgaden auch als attraktiven Arbeitsplatz zu bewerben.

»Der Einheimische ist uns extrem wichtig«, erwiderte Peter Nagel. Und so werde man alles unternehmen, »damit die Stimmung nicht umschwappt«. Die Gäste müssten künftig zur Unterkunft gelenkt werden und Tickets sollte man möglichst schon im Vorfeld online erwerben können.

Hans Metzenleitner (SPD) freute sich vor allem über die gute Zusammenarbeit mit der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH. Immerhin sei der Landkreis ein gemeinsamer Wirtschaftsstandort – und der Tourismus ein Teil davon. Dass man künftig mehr auf Klasse statt auf Masse setzen wolle, befürwortete Metzenleitner. »Wir sind zwar noch kein Barcelona, aber noch nicht weit entfernt davon.« Das bestätigte Peter Nagel und bekräftigte die Strategie, die richtige Balance zwischen Tagesgast und Feriengast zu finden. »Die größte Wertschöpfung geht halt von einem Gast aus, der länger hier bleibt.«

Paul Grafwallner (UBB) macht sich vor allem Sorgen um die Natur. »Ich hätte gerne anstatt dem Ausdruck ›Wertschöpfung‹ auch einmal den Begriff ›Wertschätzung für die Natur‹ gehört«, sagte Grafwallner. Man dürfe nicht immer nur die Rendite in den Vordergrund stellen. Außerdem müssten die Politiker einmal die Frage beantworten, warum kein Nurschutzverband in den verschiedenen Torismusgremien sitzt.

Die vielen englischen Begriffe in der Tourismusbranche waren Sepp Stangassinger (UBB) ein Dorn im Auge. »Wir sind zwar eine regionale Marke, aber unsere Sprache ist es oft nicht«, sagte Stangassinger. Außerdem müsse man sich tatsächlich überlegen, wie viele Touristen der Talkessel noch verkraften kann. »Und beim ÖPNV tut sich seit Jahren nichts.« Das sah auch Michael Sturm (Grüne) so. Der forderte eine bessere Koordination von Berchtesgadener Land Bahn, RVO und Rufbus im Rahmen der BGLT-App.

Ulli Kastner