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Bewohner der Pflegeheime seit Wochen ohne Besuch – Kinder schreiben Briefe und malen Bilder

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Bad Reichenhall: Pflegeheim-Bewohner wegen Corona seit Wochen ohne Besuch – Kinder schreiben Briefe und malen Bilder
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Nach einem Aufruf über Facebook schreiben Kinder den Pflegeheim-Bewohnern Briefe und malen Bilder. Das kommt bei den Senioren sehr gut an. (Foto: Hans-Joachim Bittner)

Bad Reichenhall – Die Bewohner der bayerischen Pflegeheime leben seit Wochen aufgrund der Corona-Pandemie ohne Besuch. »Wir verstehen die Sorgen und Ängste der Angehörigen«, sagt Elisabeth Mark aus der Marketing-Abteilung der Sozialservice-Gesellschaft des Bayerischen Roten Kreuzes aus München. Diese betreibt unter anderem das »SeniorenWohnen« im Reichenhaller Stadtteil Kirchberg.


»Insgesamt tragen wir aktuell die Verantwortung für 4900 Senioren – und wir müssen alles tun, um die Ausbreitung des Virus mit der nötigen Distanz zu verhindern«, so Mark. Sie versichert, dass alles getan werde, um den Menschen weiterhin den höchsten Lebensstandard zu ermöglichen.

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Es würden Skype-Einrichtungen geschaffen, damit die Bewohner mit ihren Angehörigen zumindest in den virtuellen Kontakt treten können. Zudem würden an allen Orten »neue schöne Ideen« der Beschäftigungen und Abwechslungen entstehen. »Musikanten spielen vor unseren Häusern und erfreuen die Senioren an den Fenstern. Und ein Verlag erstellt einen Kalender mit Sprüchen und guten Wünschen, um den Bewohnern die Situation ein wenig zu erleichtern«, erzählt Elisabeth Mark.

Dass sich die Senioren – unter anderem in Kirchberg – trotzdem des Lebens erfreuen, zeigen einige nachhaltige Beispiele: »Um den Kontakt zur Außenwelt nicht zu verlieren, startete Mitarbeiterin Sonja Bolz einen Aufruf via Facebook«, informiert Einrichtungsleiterin Anja Stein-Eichler. Darin lud sie Kinder ein, den Bewohnern Briefe und Bilder zu schicken. Die ersten trafen bereits ein und sorgten für Freude und Gesprächsstoff. Und die Bewohner schreiben allein, wenn sie das noch können, oder mit Unterstützung der Fachkräfte Briefe und Postkarten an ihre Familien.

Die Renaissance des Briefverkehrs ist nicht die einzige Aktion im Kirchberger Haus mit aktuell 149 Bewohnern. Weil alle Senioren in ihren Wohnbereichen bleiben sollen, dezentralisiert das Haus Gymnastikrunde und Gottesdienste. »Statt wie bisher einen zentralen Raum dafür bereitzustellen, turnen und feiern wir nun in den Wohnbereichen«, verdeutlicht Anja Stein-Eichler. Weil das Leben hinter den geschlossenen Türen natürlich weitergeht, wird selbstverständlich auch Geburtstag gefeiert: Rupert Hinterbrandner wollte bei frühlingshaften Temperaturen zu seinem 83. Ehrentag eine Spazierfahrt im Garten unternehmen – kein Problem: Kurzerhand packte ihn eine Altenpflegerin in warme Decken und schob ihn ins Grüne. »Er genoss die warmen Sonnenstrahlen«, berichtet die Heimleiterin.

Frühlingsgrüße sendet wiederum Lucy Lange, die mit den Bewohnern Helga Mundt und Johann Keilhofer Blumen am Tisch pflanzt. Dass die Senioren dabei mit Erde arbeiten können, sei eine grundlegende Erfahrung, die zur Aktivierung gehöre und die Wahrnehmung anrege. Das zweite Geburtstagskind, Erika Biermeier, sollte ebenfalls nicht alleine feiern. Zu ihrem 91. Wiegenfest schmückten Jutta Griesacker und Sonja Bolz, Mitarbeiterinnen des Kirchberger SeniorenWohnens, einen bunten Teller für die »Grande Dame« und überraschten sie mit Sekt und einem Ständchen. Das angebotene Getränk kommentierte die rüstige Jubilarin trocken: »Eine Zitronenlimo wär mir lieber, Sekt trinke ich nicht.« Der Wunsch wurde ihr prompt erfüllt.

Leben bringt Sonja Bolz überdies mit ihrem Verkaufsstand in die Einrichtung. Die Leiterin der sozialen Betreuung strickt und häkelt in ihrer Freizeit. Ihre Handarbeitswaren bietet sie im Haus feil. »Der Stand übernimmt die Funktion eines Dorfladens, an dem sich Bewohner treffen können«, erklärt Anja Stein-Eichler den Hintergrund.

Hans-Joachim Bittner