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Besuch in der Bischofswieser Asylbewerber-Gemeinschaftsunterkunft – Von Kilian Pfeiffer

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Einst ein Hotel, heute eine Gemeinschaftsunterkunft für bis zu 80 Asylsuchende: das ehemalige Hotel »Almrausch«.
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Die hochwertige Hoteleinrichtung ist geblieben, Vollholz-Ausstattung inklusive. Fotos: Anzeiger/Pfeiffer
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Die Küchenausstattung kam neu dazu, hier müssen sich die Hausbewohner selbst versorgen.

Bischofswiesen – Nicht zur Ruhe kommt derzeit Robert Krappold. Er ist Verwaltungsleiter von vier großen Asylbewerberunterkünften im Berchtesgadener Landkreis, darunter auch die Gemeinschaftsunterkunft in Bischofswiesen im ehemaligen Hotel »Almrausch«. 43 Asylbewerber sind dort aktuell untergekommen. »Die Zahlen steigen weiter«, sagt Krappold. Bis Sommer sollen es 80 Asylsuchende sein – damit wäre die Unterkunft in Bischofswiesen die größte im Landkreis.


Krappolds Büro ist karg eingerichtet. Ein kleiner Tisch, auf dem ein Computer steht. Hinten ein Drucker, ein Schränkchen, an der Wand ein Waschbecken. Dort hängt auch ein Belegungsplan der Asylbewerbereinrichtung. Immer, wenn jemand einzieht, wird die Liste aktualisiert, Namen eingetragen, mit Zimmernummern versehen.

Hotel wird zur Asylbewerberunterkunft

Bis vor wenigen Jahren war das Haus, das zwischen Panorama Park und einem großen Discount-Markt liegt, ein Hotel. Dass ein solches in dieser Lage auf Dauer aber nicht gut funktionieren kann, wird spätestens nach einem Besuch deutlich.

Umso gelegener kam es den Eigentümern, als die Regierung von Oberbayern Interesse bekundete – und das Haus schließlich mietete. Als Unterkunft für Asylbewerber.

Robert Krappold, der Verwaltungsleiter, hat bereits Erfahrung mit vergleichbaren Einrichtungen, wenngleich diese deutlich kleiner als die in der Talkesselgemeinde sind. Krappold ist nicht nur in Bischofswiesen zuständig, sondern auch in Inzell, in Freilassing und in Piding. Neben ihm gibt es noch eine Kollegin, die ihn unterstützt sowie einen Hausmeister. Die Drei wechseln sich in den verschiedenen Einrichtungen ab. »Wir versuchen, dass jedes Haus besetzt ist«, sagt der Mann mit dem Bart. Auch die Caritas Sozialbetreuung ist vor Ort und dient als Ansprechpartner bei Anliegen und Problemen.

Dass es davon viele gibt, ist kein Wunder: Die Bewohner des Hauses kommen aus Nigeria, aus Russland, aus dem Kongo, aus Armenien, dem Irak, Syrien und Eritrea. Deutsch kann kaum einer, und wenn, dann nur bruchstückhaft. Anliegen haben aber viele. Etwa, wenn einer der Asylbewerber zum Arzt muss. Oder aber ein Kind in den Kindergarten gehen soll. Oder Kleidung fehlt. Dann wird die Sozialbetreuung aktiv.

Krappold ist es ein großes Anliegen, dass Kinder von Asylbewerbern so schnell als möglich Anschluss finden und in den Kindergarten oder in die Schule kommen. Einen wichtigen Beitrag leisten auch die hiesigen Sportvereine. »Es gibt eine Menge an Kindern, die hervorragend Fußball spielen können«, meint der Verwaltungsleiter. Diese in den Vereinen unterzubringen, sei wichtig für das soziale Miteinander.

Robert Krappold ist vor allem dafür zuständig, dass in der Bischofswieser Unterkunft alles rund läuft. »Die Menschen hier haben Bedürfnisse, die erfüllt werden müssen«, sagt er. Eine Familie kommt aus Syrien. Zwei Erwachsene und neun Kinder im Alter zwischen eineinhalb und 19 Jahren. Vier Zimmer belegt die Familie im ehemaligen Hotel »Almrausch«. Wie lange Asylbewerber in der Unterkunft am Ende bleiben, variiert. »Normalerweise, bis über den Antrag entschieden ist«, sagt Krappold. Das kann nur wenige Monate dauern, sich aber auch über ein Jahr hinziehen. Zumal die Zahl der Asylsuchenden sukzessive steigt. Der Verwaltungsaufwand wird immer größer.

Menschen, die aus Kriegsgebieten nach Deutschland kommen, werden aktuell geduldet. Eine Abschiebung in eine Krisenregion? »Es gibt einen Abschiebeschutz«, entgegnet Krappold.

Monotoner Alltag

Der Alltag in der Gemeinschaftsunterkunft bietet wenig Abwechslung. Weil die Asylsuchenden nicht arbeiten dürfen. Die Bewohner sind größtenteils auf sich allein gestellt. Viel zu tun haben sie nicht. »Essen, schlafen, essen, schlafen. Manchmal einkaufen«, verriet ein Berchtesgadener Asylbeweber der Heimatzeitung kürzlich. Jede Person erhält 329 Euro Taschengeld im Monat, davon muss sie sich mit Nahrungsmitteln ausstatten und Kleidung kaufen. Manchmal geht einem das Geld aus, dann kann es sein, dass er sich an Robert Krappold wendet und nach einer Finanzspritze fragt. Allerdings wird eine solche nicht gewährt: »Die Leute wissen, dass ihnen nur ein gewisser Betrag zur Verfügung steht. Damit müssen sie umzugehen lernen.«

Das Wohnen ist für die oft noch jungen Menschen kostenfrei. Kümmern müssen sich die Asylbewerber aber etwa um die Zubereitung ihrer Mahlzeiten. In einer Küche, die nachgerüstet wurde, können sie sich etwas kochen. Die Küche sei ein Ort, in dem man zusammenkomme, auch, um neue Kontakte zu knüpfen, sagt Krappold. Genau das sei besonders wichtig, denn hinter vielen der Menschen lägen schwierige Zeiten, »viele benötigen psychologische Hilfe«. Neben der Küche gibt es einen frei zugänglichen Waschraum, in dem mehrere Waschmaschinen stehen. Kühlschränke stehen auf den gut ausgestatteten Zimmern, die aus Hotelzeiten übernommen wurden. Die Einrichtung kann sich sehen lassen: Betten, Schränke und Kommoden sind aus Echtholz gefertigt. Alle Zimmer haben ein eigenes Bad. Fernseher gibt es keine. Internet auch nicht. Außer, die Bewohner haben sich selbst darum gekümmert. Leiter Krappold ist mit dem Status quo so weit zufrieden. Größere Probleme gab es in Bischofswiesen bislang keine.

Sprache als größte Hürde

Die größte Hürde sei sowieso die sprachliche, sagt Krappold. Mit Englisch fahre man recht gut beim Kommunizieren, oft seien aber auch Asylbewerber dabei, die mehrere Sprachen beherrschten und Hilfe anböten. Jeder der hiesigen Asylbewerber darf sich frei bewegen, Oberbayern aber ohne Genehmigung nicht verlassen. Will jemand weiter weg, um etwa Freunde oder Familienmitglieder zu besuchen, benötigt er eine Erlaubnis: »Die wird gewöhnlich aber genehmigt«, weiß der Verwaltungsleiter.

Bis Sommer sollen alle Zimmer der Gemeinschaftsunterkunft vermietet werden, allerdings stehen noch einige Renovierungsarbeiten auf dem Plan. Im zweiten Stock muss der Brandschutz erneuert werden, dann steht auch dieses Stockwerk zur Verfügung.