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Bestseller-Autorin Roswitha Gruber aus Reit im Winkl wird 80 Jahre alt

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Bestseller-Autorin Roswitha Gruber aus Reit im Winkl feiert 80. Geburtstag
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Ihren 80. Geburtstag feiert am morgigen Samstag die Bestseller-Autorin Roswitha Gruber in Reit im Winkl.

Reit im Winkl – »Schriftstellerin zu sein ist ein Traumberuf – ich hatte diesen Traum schon mit acht Jahren, und ich hab' ihn immer noch«, sagt Roswitha Gruber. Die international bekannte Bestseller-Autorin, die seit gut 20 Jahren in Reit im Winkl lebt, begeht am morgigen Samstag ihren 80. Geburtstag.


Ihre Mutter war Kindermädchen bei dem Essener Künstler Hermann Kätelhön. Weil dessen einer Sohn mit Mathematik so seine Mühe hatte, wurde ihr Vater, der Lehrer des Buben, zur Nachhilfe bestellt. »Er hat denen dann das Kindermädchen weggeheiratet«, sagt Roswitha Gruber und lacht.

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Auf Zeitungsrändern und Kalenderblättern

Als sie selbst 1948/49 in Trier schreiben lernte, gab es kaum Papier. In den Jahren 1948/49 war das Papier noch sehr knapp. Deshalb machte sie ihre ersten schriftstellerischen Versuche auf Zeitungsrändern und Kalenderblätterrückseiten. Als ihr auch diese ausgingen, erzählte sie ihren Geschwistern zum Einschlafen immer neue, selbst erfundene Märchen und Geschichten.

Mit 15 Jahren schrieb sie ihren ersten Roman: »Im grünen Wald«. Inzwischen gab es Papier, das der Vater nicht mehr brauchte und das sie nun auf der Rückseite beschrieb. »Ein Mädchen verirrt sich im Wald und trifft dort auf einen Förster, in das es sich verliebt«, so Gruber im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. »Da ich jedoch noch nie verliebt gewesen war und noch nie geküsst hatte, kam ich nicht über die beiden ersten Kapitel hinaus. Also legte ich das Manuskript in die Schublade und beschloss, mit dem Schreiben zu warten, bis ich einschlägige Erfahrungen gesammelt habe«, schreibt sie auf ihrer eigenen Internetseite. »Verständlicherweise kam ich nicht zum Schreiben, während ich diese sammelte.«

Auf Geheiß des Vaters wurde sie Lehrerin. Mit 20 Jahren lernte sie ihren Mann Walter kennen, der als Geiger am Theater arbeitete. 1962 heirateten die beiden in Mainz und bauten nach bescheidenen Anfängen in einer kleinen Wohnung – mit bereits zwei Kindern – ein Haus. Weil aber der Mann – er stammt aus der Gegend zwischen München und Ingolstadt – solches Heimweh nach den Bergen hatte, zogen sie schließlich von Rheinland-Pfalz    nach Hessen. Dort gab es wenigstens den Kleinen und den Großen Feldberg.

Der Traum von der Schriftstellerei lag derweil brach – voll berufstätig als Lehrerin, mit Mann, zwei Kindern, Haus und Garten blieb keine Zeit. Aber sie hörte zu und sammelte Notizen, ganze Aktenordner voll. »Ich hatte immer Vorbilder, als ich 35 war, zum Beispiel Pearl S. Buck. Sie hatte lange in China gelebt und das Buch 'Die gute Erde' geschrieben. Oder Gertrud von le Fort, die als Hugenottin geboren wurde und nach dem Rauswurf aus Frankreich Katholikin wurde«, sagt Gruber.

Mit 48½ Jahren dachte sie sich »jetzt wird's aber Zeit« und schrieb ihr erstes Buch, »Die Zeit, die dir bleibt«. Zehn Verlage lehnten es ab. Und wäre nicht ihr Sohn Felix, der es abgetippt hatte, so beharrlich gewesen, wäre es möglicherweise nie erschienen. Schließlich nahm es der Verlag Bastei Lübbe an, kürzte es und brachte es als Ratgeber heraus, als sie 50 war. »Schade, dass mein Vater das nicht mehr erlebt hat.«

Nach acht, neun Jahren erschien das zweite Buch »Ehemann ade! Aber wie?«, die Geschichte einer Mitschülerin. »Zwei Tage hab ich gebangt, aber sie fand's super und ich durfte es veröffentlichen – natürlich mit dem Hinweis, dass es ein Roman ist und kein Ratgeber«, sagt sie augenzwinkernd.

Nachdem dieses Buch eher »artfremd« im Bergtor-Verlag ihrer Tochter Astrid erschienen war – sie verlegte Druckwerke zum Handarbeits-Thema Patchwork – lernte Gruber auf der Buchmesse in Leipzig ihren heutigen Verleger Alfred Förg vom Rosenheimer Verlag kennen. »Seitdem läuft's«, sagt Gruber.

Gar nicht so viel Fantasie wie das wahre Leben

»Aber so viel Fantasie hab' ich ja gar nicht, wie das wahre Leben Geschichten schreibt.« In ihren Romanen geht es immer um bewegende Lebensgeschichten von Frauen, die sich nicht einfach anpassen, sondern auch gegen Widerstände ihren eigenen Weg gehen. »Die rufen mich an, schreiben Mails oder stehen auch schon mal vor der Tür. Mir fällt das so zu.« Wo das möglich ist, lässt sie ihre Protagonistinnen das Manuskript gegenlesen; ansonsten die Nachfahren. So hatte sie auch das Einverständnis von Margot Hellwig und Verwandten von ihr, als sie »Die Kinder der Dienstmagd« schrieb, einen Roman über die Vorfahren von Margots Mutter Maria Hellwig.

Seit etwa 20 Jahren lebt Gruber nun in Reit im Winkl. »Meinen Mann hat das Heimweh nach Bayern nie losgelassen. 140 Häuser haben wir uns zwischen Oberstdorf und Berchtesgaden angeschaut. Aber er wollte nichts, was 'kaputt saniert' ist. Als wir hier rein kamen, wussten wir beide sofort, das ist es.«

Gründliche Recherche braucht Zeit

Und seitdem schreibt sie Bestseller um Bestseller, meistens zwei pro Jahr. »Ich hab' da Fans, die warten schon immer auf das neue Buch.« Inzwischen muss sie interessante Geschichten auf die Warteliste setzen. Denn sie recherchiert immer auch die Hintergründe, etwa in Archiven von Gemeinden, Kirchenbüchern oder Zeitungen. Das braucht natürlich Zeit. Ein Buch, das sie gern noch schreiben möchte, ist ihre eigene Familiengeschichte. »Ich hab meine Eltern zum Glück Tonbänder besprechen lassen. Aber damit kann ich, wenn ich Glück hab, in zwei Jahren anfangen«, blickt sie fröhlich in die Zukunft.

Den möglichst langen Erhalt ihrer Schaffenskraft wünscht ihr neben Fans, Mann, Kindern und vier Enkeln natürlich auch das Traunsteiner Tagblatt. coho

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