weather-image
17°

Beschwingte Walzerklänge und Wiener Muse

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Das Musikkollegium Traunstein mit der Sopranistin Margriet Buchberger unter der Leitung von Augustin Spiel spielte beschwingte Walzermelodien und die leichte Muse aus der Wiener Operettenwelt. (Foto: Giesen)

Mit der »Fächerpolonaise« von Michael Ziehrer, einem Zeitgenossen von Johann Strauß junior, begann das von der ersten bis zur letzten Minute beschwingte, gar beseligende Konzert – nämlich das traditionelle, so genannte »Faschingskonzert« des Musikkollegiums Traunstein unter der Leitung von Augustin Spiel.


Die Fächerpolonaise, der alljährliche Auftakt des Wiener Opernballs, führte das zahlreich erschienene Publikum sogleich ins folgende Programm der schönsten Klänge der Wiener leichten Muse. Jeweils mit amüsanten, informativen Geschichten zu den einzelnen Stücken oder (oft aus dem Privat- und Liebesleben) der Komponisten stimmte der Dirigent und beliebte Moderator des Abends, Augustin Spiel, das Publikum jeweils gekonnt auf die einzelnen Stücke ein.

Anzeige

In voller sinfonischer Besetzung mit Streich-, Holz- und Blechblasinstrumenten, dazu Schlagzeug spielte das Musikkollegium die Ouvertüre zu Johann Strauß´ junior großer Oper »Eine Nacht in Venedig«, danach die »Fledermauspolka«, die nur Teile aus der berühmten Operette »Die Fledermaus« beinhaltet, aber trotzdem sogleich vertraut wirkte.

Ein Höhepunkt des Abends war anschließend der Auftritt der weltweit gefragten Sopranistin Margriet Buchberger, die mit dem »Mondlied« aus der Oper »Rusalka« das Publikum begeisterte. Buchberger studierte am Giuseppe Verdi Konservatorium in Mailand und schloss ihr Studium an der Hochschule für Musik in Würzburg ab. Heute singt sie regelmäßig bei der Mozartgesellschaft in ganz Italien. Sie konzertierte in Turku, Helsinki, im Stadttheater Schaffhausen, Schweiz, und im Stadttheater Wiesbaden. Zudem war Buchberger bis 2014 sieben Jahre lang Dozentin an der katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt für Sprecherziehung und Gesang.

Schon die ersten Klänge dieser wunderbar weichen, modulierfähigen Stimme zogen wohl alle Zuhörer sofort in ihren Bann. Die Sängerin, ganz natürlich, mit wenigen natürlichen Gesten ohne Divengehabe, verfügt über eine unglaublich ausdrucksfähige Stimme, die von angenehm tiefen Tönen auch die höchsten Höhen zu erklimmen vermag, von hauchzarten, engelsgleichen Tönen bis zu kräftigen, alles überstrahlenden Klängen: Es war ein reines Vergnügen zuzuhören, was auch für das zweite Gesangsstück nach der Pause, »Spiel auf deiner Geige« aus der Operette »Venus in Seide« von Robert Stolz galt.

Dank der offenbar hoch disziplinierten Einstudierung und immer wieder guten Akustik der Aula klangen die Instrumente harmonisch einheitlich zusammen, auch Blechbläser und Schlagzeug waren völlig eingebettet, ohne zu stark hervorzutreten. Die volksmusikalisch angehauchten vier (von elf) »Mödlinger Tänze« erfreuten das Publikum ebenso wie die sehr bekannte Polka »Leichtes Blut« von Johann Strauß junior und die entzückend nachgeahmten Vogelstimmen im »Krapfen-Wald« des gleichen Komponisten.

Im zweiten Teil erklang Oscar Straus´ »Ein Walzertraum«, die Ouvertüre zu »Die lustigen Nibelungen«, mit denen Straus, der im übrigen nichts mit der Familie Strauß zu tun hatte, den österreichischen Adel in den 1920er Jahren persiflierte. Nach der »Barcarole« aus Jacques Offenbachs »Hoffmanns Erzählungen« erklang als vorerst letztes Stück der wunderbare Walzer »An der schönen blauen Donau«, 1867 von Strauß junior geschrieben – »ein musikalisches Heiligtum«, wie Gustl Spiel feststellte.

Nach überwältigendem Applaus folgten drei Zugaben, zuletzt der berühmte Radetzky-Marsch von Johann Strauß senior, bei dem die begeisterten Zuhörer mit applaudieren durften. Fazit: ein erfüllender Abend und ein unvergessliches Musikerlebnis. Christiane Giesen