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»Beschwingte Dichter«

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Boten Unterhaltung auf gehobenem Niveau: Herbert Böhner am Flügel und Reiner Landeck, der Meister des Wortes. (Foto: Janoschka)

Der Bad Reichenhaller Autor Rainer Landeck hat in der Axel Bar programmgemäß »beschwingte Dichter« in seiner unnachahmlichen Art Revue passieren lassen – beschwingt auch, weil es sich um Lied- oder Chansontexte handelte, die jedoch durchaus auch tiefsinnig und nachdenklich waren. Eines waren sie jedoch vor allem: kritisch, ironisch, sarkastisch und skurril.


Sprachliche Mittel, die dies zum Ausdruck bringen, liebt Rainer Landeck besonders, auch in seinen eigenen Texten. Und natürlich las er nicht nur vor, sondern er erklärte, führte in die Thematik ein und beendete das jeweilige literarische Beispiel immer mit einem humorigen Kommentar. Und dieses Mal imitierte er sogar bisweilen den Refrain-Gesang einzelner Chansons.

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Vor allem aber trat er in Kontakt zum Publikum. So zitierte er zur Begrüßung Georg Kreisler, der einmal sagte: »Ich wär' ganz besonders lieber wo anders«, was Landeck sich für seine Zuhörer natürlich nicht wünschte. Das Programm wirkte nicht wie eine reine Zusammenstellung von – wenn auch – Klangvollem verschiedener Autoren, sondern stellte eine eigene Sprachkomposition dar, die aus Zitiertem und Kommentiertem bestand.

Dass jeder Besucher in den aufliegenden Literaturmappen die frechen Texte und verrückten Verse nachlesen kann, wird sicherlich auch dazu beitragen, dass so ein Abend nicht so schnell in Vergessenheit gerät.

Viel dazu trug auch Pianist Herbert Böhner bei, dessen Glanzpunkte am Flügel hervorragend zum Thema passten: Musik aus den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, Schlager wie »Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn« oder »Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett«, »Ganz Paris träumt von der Liebe« oder »Du hast Glück bei den Frau’n, Bel Ami«, aber auch Evergreens von den Comedian Harmonists oder von Bill Ramsey waren eine herrliche Abwechslung zum Gesprochenen, das dadurch wie in buntem Geschenkpapier präsentiert wurde.

Mit einer Auswahl aus den 66 skurrilen Fragen aus Franz Hohlers (geb. 1943) Fragenkatalog stieg Landeck in sein Thema ein. Danach Georg Kreislers ebenso skurriles »Zwei alte Tanten tanzen Tango mitten in der Nacht«, das so weitergeht: »Und wie mir scheint, die eine weint, und die andere lacht«, ein Inhalt, der durchaus beispielhaft für das Leben an sich gelten kann, wo ja beides immer sehr nah beieinanderliegt.

»In der Bar zum Krokodil« mit der raffinierten Frau von Potiphar, ein Liedtext von Fritz Löhner (1883-1842), war ebenso zu hören, wie »Für wen ich singe«, in dem Josef Degenhardt wie in einer Litanei die mangelnde Kritikfähigkeit der angepassten Spießer kritisiert. Für diese singe er nicht. Aber: »Ich sing für euch, die ihr die feige Weisheit eurer Heldenväter vom sogenannten Lauf der Welt in alle Winde schlagt und einfach ausprobiert, was richtig läuft.« Das könnte ebenso Landecks Botschaft sein.

Kontrastreiches deutsches Leben auf der Oberfläche und darunter besang Degenhardt in »Deutscher Sonntag«. An seinen Sprachbildern – »da frier ich vor Gemütlichkeit« – dürfte wohl jeder Literaturliebhaber seine Freude haben. Kritische Gedanken über die Motivation der Menschen, warum sie ihr Leben so gestalten, ist Otto Reutters (1870-1931) »Alles weg’n de Leut« mit der Quintessenz »Wir richten uns nie nach dem eig’nen Behagen, stets denk’n wir: Was werd’n wohl die Leute dazu sag’n?«, eine Aussage, die in dieselbe Kerbe schlägt.

Jacques Brels (1929-1978) Chanson »Amsterdam« stellte Landeck im Vergleich von verschiedenen Übersetzungen vor. Und aus den philosophisch-ironischen Gedanken über das Lebensende in »Bevor du sterbst« von Otto Reutter (1870-1931) wählte er aus dem längeren Vortext und den anschließenden 15 Strophen einige aussagekräftige Zeilen aus. Kurt Tucholsky, Werner Fink, Heinz Erhard vervollständigten die Reise durch die Literatur der Intellektualität, die den Anwesenden einen vergnüglichen Abend mit Garantie für die »grauen Zellen« bescherte. Brigitte Janoschka

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