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Berührte Tiefen ausloten

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Holzskulpturen und Gemälde der beiden Münchner Künstler Bertram Pressl und Anja von Wins zeigt die Ausstellung »Berührte Tiefen« in Bergen. (Foto: Effner)

Im Museum Maxhütte in Bergen stehen noch bis zum 28. Juli zwei Künstler im Dialog mit dem imposanten Raum: Unter dem Titel »Berührte Tiefen« stellen die Malerin Anja von Wins aus Moosinning und der Bildhauer und Architekt Bertram Pressl aus München ihre Arbeiten aus. Beiden gelingt das Kunststück, auf jeweils andere Weise den Ausstellungsraum durch neue Blickwinkel, Reihungen und Bedeutungsebenen mit Spannung aufzuladen.


Ein bleibendes Erlebnis bescherte die Vernissage den Ausstellungsbesuchern. Passend zu den einführenden Worten von Kurator Dr. Elmar Zorn versetzten vier Musiker mit ihren außergewöhnlichen Stücken den Raum in eine besondere Schwingung. Musik, Architektur und Bildende Kunst verschmolzen auf spannende Weise zu einem Gesamtkunstwerk. Während der E-Bassist Jacques Bono mit Ausschnitten aus Werken von Bach und Eigenkompositionen mit vollem Körpereinsatz für perkussive Dynamik sorgte, reizte am impulsiven Zusammenspiel der drei Schlagwerker des Ensembles von »Schlag 3« die technische Brillanz und mitreißende Rhythmik.

Da passte es gut, dass Dr. Zorn in den ineinander verschlungenen Holzarbeiten von Bertram Pressl und deren Reihung hintereinander ein »Stakkato der Skulpturen« und eine deutlich ausgeprägte Körperlichkeit ausmachte. Die gegenseitige Durchdringung, das scheinbare Ringen miteinander und dann wieder das Ineinanderfließen der einzelnen Elemente machen Innen- und Außenraum neu erfahrbar. Neben strengen Vertikalen und Horizontalen fallen »Anklänge an anorganische Formen wie aus der Nanowelt« ins Auge, so Zorn.

Das frühe Studium »Plastisches Gestalten« bei Professor Fritz Koenig wirkt in einigen Arbeiten nach. Anfassen erlaubt: Unter diesem Motto wird auch das »Begreifen« der beweglichen Werke mit ihren glatten Holzoberflächen zum faszinierenden Erlebnis.

Mit der Raumtiefe des Museums Maxhütte spielt Anja von Wins mit ihrer in luftiger Höhe über den Köpfen gehängten Abfolge von Bildgeschichten. Als Psychologin, Krisen- und Karrierecoach hat die Münchnerin beruflich immer wieder mit menschlichen Verwerfungen, Tiefpunkten und Ausnahmesituationen zu tun.

Dem Menschlichen fühlt sie sich auch in ihrer Kunst auf kreative Weise verbunden. Als Literaturbegeisterte und Lyrikliebhaberin verfügt sie zusätzlich über einen großen Fundus an Themen, um die Betrachter ihrer Werke als versierte »Seelenforscherin« kunstvoll zu »berühren«, wie auch eines der ausgestellten Werke heißt.

Kraftvoll in der Farbe und zugleich sensibel im Strich eröffnet Anja von Wins Raumbühnen voller Tiefe, in denen der Mensch, abstrahiert in seiner Wesenheit, Momente von existenzieller Tiefe durchschreitet – wie in Werken wie »Zweiheit«, »going inside« und »going through« oder »Blue Oyster«.

Das künstlerische Potenzial der Münchnerin zeigt sich in der Vielseitigkeit ihrer Ausdrucksmittel und Inspirationsquellen. Bert Brechts »Vom Schwimmen in Seen und Flüssen« gab den Anstoß zu dem ungewöhnlichen Motiv wie von einem Seengrund in »EinSein«, seine »Terzinen über die Liebe« regten Anja von Wins zu einem mit künstlerischen Mitteln verfremdeten Motiv eines Kranichflugs an. Voll innerer Spannung gibt das Werk »Das Siciliano« die malerische Antwort auf das gleichnamige Musikstück von Johann Sebastian Bach.

Die Ausstellung »Berührte Tiefen« ist bis 28. Juli täglich außer Montag von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Axel Effner