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Bergbahn setzt Hoffnung in Krautkaserprojekt

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Seit 1953 gibt es die Jennerbahn. Während ein Neubau bei der BBAG immer noch Wunschdenken ist, geht das Krautkaserprojekt mit dem Bau einer Vierer-Sesselbahn in großen Schritten voran. Foto: Anzeiger/Mergenthal

Schönau am Königssee – Große Hoffnungen setzt der Vorstand der Berchtesgadener Bergbahn Aktiengesellschaft (BBAG), Stefan Kurz, in das geplante alpine Leistungszentrum am Krautkaserhang. Die geschätzten Gesamtkosten betragen 6,3 Millionen Euro. »Mit der Realisierung dieses Projektes kann das touristische Angebot für das Unternehmen wesentlich verbessert werden, da die geplanten Anlagen nicht nur von Sportlern des DSV, sondern auch von Normalskifahrern genutzt werden können«, sagte Kurz bei der Hauptversammlung der BBAG am Freitag im Marktrestaurant an der Jennerbahn-Bergstation (wir berichteten kurz).


Das Leistungszentrum soll auf Wunsch des Deutschen Skiverbandes (DSV) entstehen. Vorgesehen ist der Neubau einer Vierer-Sesselbahn statt des bestehenden Skilifts, die Erweiterung der Beschneiungsanlage und die Verlängerung der Skipiste. Am Krautkaserhang sollen die alpinen Leistungssportler nicht nur die alpinen Skidisziplinen, sondern auch Ski- und Boardercross sowie Buckelpistenfahren trainieren können.

Die bau- und wasserrechtlichen Verfahren sind laut Vorstand genehmigt. Mit den Bauarbeiten sei bereits begonnen worden, damit die neue Anlage kommenden Winter in Betrieb gehen kann. Von den Gesamtkosten werden 5,526 Millionen Euro durch Zuschüsse abgedeckt: Bund und Land leisten aus Mitteln des Baus von Sportstätten für den Hochleistungssport 3,7 Millionen Euro. Auflage dafür ist, dass die Spitzensportler die Anlage gratis nutzen können. Auch Vereine können dort trainieren, allerdings nicht kostenlos. Außerhalb der Trainingszeiten kann jeder Wintersportler die Krautkaser-Abfahrt nutzen. »Tourengeher erfahren mit dem Bau des Krautkaserprojektes keine Einschränkung«, erwiderte Kurz auf die Befürchtung eines Aktionärs.

Prognostiziert ist, dass der Vierer-Sessel, der zwei Abfahrten bedient, zu acht Prozent von Spitzensportlern des DSV, des Snowboardverbands Deutschland und der CJD Christophorusschulen genutzt wird. Die Krautkaserpiste nutzen die Spitzensportler voraussichtlich zu 60 Prozent.

Einen weiteren Zuschuss in Höhe von 600 000 Euro leistet das Land Bayern aus den Mitteln des Seilbahnbaus. Die Gemeinde Schönau am Königssee, die laut Kurz den Spitzensport nicht fördern kann, steuert einen Zuschuss aus den Mitteln für den Breitensport in Höhe von 1,226 Millionen Euro bei.

Die Berchtesgadener Bergbahn AG selbst trägt die restlichen 774 000 Euro, Zwischenfinanzierungskosten sowie alles, was die Kostenschätzung übersteigt. So muss das Unternehmen zum Beispiel Wetterschutzhauben (Kostenpunkt 250 000 Euro) und einen neuen Skiweg von der Bergstation der neuen Sesselbahn (circa 70 000 Euro) selbst finanzieren. Der DSV gleicht, wie Kurz erläuterte, die Mehrkosten für den laufenden Betrieb aus.

Da Ende April 2014 die Amtszeit von Stefan Kurz als Bürgermeister und als BBAG-Vorstand ausläuft, gab er einen kleinen Rückblick. Durch den Erwerb der Mehrheitsaktien durch die Gemeinde 2006 habe in den sieben Jahren seiner Vorstandschaft einiges bewegt werden können. So sei 2008 die Beschneiungsanlage von der Mittelstation ins Tal realisiert worden. Weiter habe man einen Masterplan erstellt und heuer das Krautkaserprojekt ausgebaut. Auch beim »großen Ziel, dem Neubau der Seilbahn«, sei man auf einem guten Weg. Die Talstation soll in den Bereich des Königssee-Parkplatzes verlegt werden, um den Zugang zu erleichtern. Dafür ist ein »Überleitungsrecht« nötig, das Kurz noch in seiner Amtszeit in trockene Tücher bringen will.

In seinem Bericht stellte Kurz fest, dass ein Skibetrieb ohne Beschneiungsanlagen nur sehr eingeschränkt möglich gewesen wäre. Besondere Vorkommnisse habe es im Seilbahnbereich nicht gegeben, außer leider einem schweren Skiunfall: Am 26. Januar sei ein Skitourengeher außerhalb der Betriebszeiten auf einer gesperrten Piste von einem Sicherungsseil eines Pistenfahrzeugs schwer verletzt worden. Das Unternehmen oder Mitarbeiter trifft seines Erachtens keine Schuld.

Zum Ende 2012 beschäftigte die BBAG 36 Personen, 24 in der Bahn und elf in der Gastronomie. Kurz dankte allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre Einsatzbereitschaft, vor allem Betriebsleiter Wilfried Däuber. Der Personalaufwand stieg um 30 000 Euro. 87 000 Euro wurden 2012 investiert, unter anderem in den Ausbau der Skiabfahrt, das Förderseil der Sektion II und einen Motorschlitten. Der Deckungsgrad des Anlagevermögens (rund 3,85 Millionen Euro) durch Eigenkapital betrug 55 Prozent gegenüber 51 Prozent im Vorjahr. Die Eigenkapitalquote verbesserte sich von 37,3 Prozent der Bilanzsumme auf 38,9 Prozent im Berichtsjahr.

Auch die flüssigen Mittel erhöhten sich um 152 000 Euro auf 1,215 Millionen Euro. Die Bilanzsumme lag zum Stichtag 31. Oktober 2012 bei 5,470 Millionen Euro (Vorjahr 5,675 Millionen Euro). Die Verbindlichkeiten verringerten sich um 158 000 Euro auf 1,554 Millionen Euro. Veronika Mergenthal

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