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Bekiffte Polizei-Pferde und Kaffeehaus-Fantastereien

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Stefan Leonhardsberger und Stephan Zinner ernteten Beifallsstürme für ihre kabarettistische Lesung in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. (Foto: Ortner)

Als »Stefan & Stephan« haben Stefan Leonhardsberger und Stephan Zinner in einer Mischung aus kabarettistischer Lesung und Konzert die Unterschiede zwischen Kaffee und Bier, also auch die zwischen Österreich und Bayern in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS ausgebreitet und aufgearbeitet – Unterschiede übrigens, die nicht nur trennen, sondern auch durchaus auch verbindende Elemente zutage fördern. Das haben ihnen die begeisterten Zuschauer mit anhaltenden Beifallsstürmen gedankt.


Stefan Leonhardsberger, Liedermacher, Schauspieler und Kabarettist kommt aus dem Unteren Mühlviertel. Er liebt die Kaffeehauskultur und auch die daraus hervorgegangene, eigenwillige Spezies der Kaffeehausliteraten. Ein etwas spezieller Menschenschlag, der in den Kaffeehäusern ausgiebig Hof hält.

Stephan Zinner, Liedermacher, Schauspieler, Kabarettist, heimlicher Superstar des Nockherbergs und einstmals Fußballer kommt aus Trostberg, süffisant als »hinterer Chiemgau« verortet und hat sich inzwischen bis nach München vorgekämpft. Sein Kaffee ist das Bier. Bier hat es in Bayern immer gegeben und Bier wurde auch in allen Bevölkerungsschichten immer gerne, reichlich und überall getrunken.

Von Anton Kuh, einem der wichtigsten Kaffeehausliteraten stammt die ebenso treffende, wie ironisch schmähende Charakterisierung seiner Spezies: »Was ist ein Kaffeehausliterat? Ein Mensch, der Zeit hat, im Kaffeehaus über das nachzudenken, was die anderen draußen nicht erleben.« Seine kritischen Publikationen kommen bei Stefan Leonhardsberger ebenso zu Wort wie Geschichten von Peter Altenberg, Karl Kraus und dem legendären Helmut Qualtinger.

Stephan Zinner hält dagegen mit Erzählungen und Gedichten von Oskar Maria Graf, Joachim Ringelnatz sowie Franz Ringseis und Zinners langjährigem Spezl Marcus H. Rosenmüller. Zinner holt sich aber auch Gerhard Polts herrlich bissige Überlegung über die bayerische Definition von Gemütlichkeit auf den Tisch. Besonders gelungen ist Karl Valentins philosophische Betrachtung des Jenseits.

Auch aus Zinners Buch »Flugmango« gibt es einige herrliche Geschichten. Etwa den Gruselschocker »Die Badewanne des Todes« – aus dem Leben eines Familienvaters und Ehemanns oder die herrliche Fantasiegeschichte vom Gott, der kein Löwenbräu trinkt, aber den ganzen Tag im Waschsalon herumhängt.

Die Themen sind vielfältig: Von der Liebe bis zum Urlaub und dem Duell der Fußballmannschaften wird fast alles behandelt. Es ist laut und leise, ernsthaft und bisweilen kritisch aber auch unglaublich lustig. Manche Eigenheit trennt, viele aber verbinden Österreicher und Bayern.

Denn eigentlich wollen sie alle das Gleiche: ein gutes Leben, viel Liebe und eine rechte Gaudi. »Stefan & Stephan« vertragen und ergänzen sich blendend. Da wo der eine ein bisschen vornehm und zurückhaltend tut, lockt ihn der andere mit einer charmant-hinterkünftig gesetzten Spitze wieder sauber aus der Reserve. Sie singen zusammen ebenso gut und harmonisch wie sie sich mit großer Freude und Hingabe Aphorismen und Zitate aus dem Kaffeehaus (vornehm tuend) und vom Fußballplatz (herzhaft erfrischend und direkt) um die Ohren hauen.

Als Zugabe haben die beiden das Mini-Musical »Das Polizei-Pferd« einstudiert, das bekifft und existenziell gebeutelt eine abenteuerliche Reise antritt. Ein enorm fantasiereicher, lustvoll böser, humoriger und liebevoller Trip durch das allseits geliebte und gefürchtete Ding, das man gemeinhin Leben nennt. Maria Ortner