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Eltern wollen, dass Schönauer Hundebesitzer andere Route wählt – Sogar Polizei gerufen

Beißt der?

Schönau am Königssee – Thomas Schwab versteht die Welt nicht mehr. Seit acht Jahren geht er praktisch jeden Morgen mit seinem Hund spazieren. Da kommt er auch an der Schneewinklschule vorbei. Doch das passt einigen Eltern nicht. Deshalb haben sie die Polizei verständigt. Und die hat Thomas Schwab empfohlen, einen anderen Weg zu nehmen. »Kommt gar nicht infrage«, sagt der Rentner.

Trauriger Blick im Morgengrauen: Geht es nach dem Willen einiger Eltern, soll sein Herrchen nicht mehr mit Benny an der Schneewinklschule spazieren gehen. (Foto: Fischer)

Jeden Morgen das Gleiche: Thomas Schwab, der im Rehwinkel wohnt, leint seinen kleinen Mischlingshund Benny an und macht sich auf den Weg. An der Ache oder im Café Waldstein trifft er sich dann häufig mit anderen Hundebesitzern. Um dort hinzugelangen, benutzt der Rentner den öffentlichen Gehweg, der an der Schneewinklschule vorbeiführt. Seit acht Jahren geht das so.

Thomas Schwab kennt viele der Schulkinder, die zu diesem Zeitpunkt aus dem Bus steigen oder von ihren Eltern gebracht werden. Einige Buben und Mädchen kommen dann auf ihn zu und wollen Benny streicheln. »Die freuen sich immer, wenn sie mich mit meinem Hund sehen«, sagt Schwab. Soweit so gut. Thomas Schwab freut sich, die Kinder haben Spaß und Benny bekommt ein paar zusätzliche Streicheleinheiten.

Doch am vergangenen Freitag war Schluss mit lustig. Schwab wird diesen Tag nie vergessen. Denn seitdem ist er der Buhmann, wird schief von der Seite angeschaut. Gerüchte machen die Runde, wilde Vermutungen. Auch Schwabs Frau leidet massiv unter der Situation. »Plötzlich bin ich der böse Mann, der Kinder anspricht«, ärgert sich der Schönauer. Und fügt leise, mit zusammengekniffenen Lippen hinzu: »Ja, auch der Ausdruck Pädophiler steht im Raum.«

Was war passiert? Als Thomas Schwab an besagtem Freitagmorgen an der Schneewinklschule vorbeiging, kam plötzlich Konrektor Anton Graßl auf ihn zu und sprach ihn an. Es gebe Beschwerden von Müttern über Schwabs Anwesenheit beim Schulgebäude. Die Eltern machten sich Sorgen, die Polizei sei informiert. Vor allem einige Mütter fänden es besorgniserregend, dass sich der Rentner mit Kindern unterhalte und diese den Hund streicheln würden. »Ich möchte betonen, dass Herr Grassl durchaus freundlich war«, sagt Schwab. Was dem Hundebesitzer allerdings gar nicht gefallen hat, war der Ratschlag des Konrektors, künftig eine andere Route zu wählen.

Irritiert ging Thomas Schwab weiter zu seinem Treffen mit einer Hundebesitzerin. Als er mit seiner Bekannten an der Ache entlangschlenderte, traute der Schönauer dann seinen Augen nicht. Plötzlich kam ein Polizeiauto. Ein Beamter stieg aus und sprach die Spaziergänger an. »Der hat mich sofort verhört«, ärgert sich Schwab. »Ich wurde gefragt: Wer sind Sie? Heißen Sie Schwab? Wo wohnen Sie? Gehen Sie an der Schule vorbei?« Auch der Polizist hat ihm empfohlen, die Schneewinklschule am Morgen zu meiden.

Aufgebracht ging Schwab am Freitagnachmittag zur Polizei. Um eine Anzeige wegen Diffamierung gegen unbekannt zu erstatten. »Ich habe es mir dann aber spontan anders überlegt. Ich wollte erst mit den Eltern sprechen«, erklärt der Schönauer. Noch am selben Abend hat er Elternbeiratsvorsitzendem Thomas Fritsch eine ausführliche E-Mail geschrieben und die Lage aus seiner Sicht geschildert. Außerdem bot er an, sich mit den besorgten Eltern zusammenzusetzen und in Ruhe zu reden.

Die Antwort, die dem »Anzeiger« vorliegt, kam prompt. Darin ist Fritsch um Schadensbegrenzung bemüht. Auch im Gespräch mit dem »Anzeiger« betont Fritsch: »Es gab keinen Hinweis darauf, dass Herr Schwab Kinder belästigt.« Und: »Die Bedenken einiger Eltern waren nach dem Gespräch des Konrektors mit Herrn Schwab aus der Welt.« Wer genau die Polizei eingeschaltet hat, wisse er nicht. Vom Elternbeirat sei es jedenfalls nicht ausgegangen. Auch Konrektor Anton Graßl leugnete in einem Gespräch mit dem Ehepaar Schwab, an dem der »Anzeiger« teilnahm, die Polizei verständigt zu haben.

Wie Graßl dem »Anzeiger« gestern Mittag mitteilte, soll es am heutigen Donnerstagabend ein klärendes Gespräch zwischen dem Ehepaar Schwab, der Schulleitung, dem Elternbeiratsvorsitzenden und einem Klassenelternsprecher geben. Christian Fischer