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Bei zarten Klängen die Seele baumeln lassen

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Sabine Schmid und Eva Kastner gaben ein besinnliches Herbst-Konzert in der Evangelischen Stadtkirche Bad Reichenhall. (Foto: Mergenthal)

Eineinhalb Stunden lang innehalten und die Seele baumeln lassen: Das hat ein Konzert der Harfenistin Eva Kastner und der Hackbrettspielerin Sabine Schmid unter dem Motto »Klänge für die Seele« dem Publikum in der Evangelischen Kirche in Bad Reichenhall ermöglicht.


Monika Tauber-Spring, Kulturreferentin der Stadt, hieß die Kulturpreisträgerin und ihre Begleiterin in der voll besetzten Stadtkirche willkommen, wo sie dieses Programm zum vierten Mal darboten. Es inspiriere dazu, in sich hinein zu horchen und sich vorzubereiten auf eine Zeit, in der auch die Natur alles einziehe und sich vorbereite auf die nächste Vegetationsperiode.

Die Atmosphäre der Ruhe entfaltet sich

Warum nicht einmal gar nichts tun, die Termine zur Seite schieben und ganz im Hier und Jetzt leben? Dazu ermutigte Monika Tauber-Spring das Publikum, das auf die Bitte der Musikerinnen erst ganz zum Schluss applaudierte. So entfaltete sich die Atmosphäre der Ruhe, die durch die stimmige Auswahl der Musikstücke und Gedichte geschaffen wurde, voll.

Ein anmutiges Menuett aus Niederösterreich, aufgeschrieben von Raimund Zoder, Begründer der österreichischen Volkstanzforschung, eröffnete den Abend. Strukturiert wurde er von Texten der deutschen Lyrikerin Elli Michler.

Zum Geist des Gedichts »Ich wünsche dir Zufriedenheit«, das um Themen wie Dankbarkeit kreist, passten gut drei sehr innigen Instrumentalstücke. »Recuerdos de la Alhambra«, die berühmte Gitarren-Komposition von Francisco Tarrega für Harfe und Hackbrett arrangiert, ließ poetische Bilder spanischer Landschaften und maurischer Burganlagen vor dem inneren Auge auftauchen.

Ganz ruhig und leise ließ das Hackbrett die Musik wie aus dem Nichts aufsteigen. Ein zartes, filigranes Geflecht ineinanderfließender Linien spannten die beiden Frauen bei »Lulaby for Daniel«, dem Wiegenlied einer schottischen Harfenistin. In »Amazing Grace« wanderte die Melodie in reizvollen Variationen hin und her.

»Rückschau« von Elli Michler machte nachdenklich und rief die Begrenztheit des Lebens in Erinnerung. Solistisch griff Eva Kastner in einem andächtigen Menuett aus Sachrang von Peter Huber diese Stimmung auf. Zeitlos schön, schlicht und unschuldig schwang der Melodie-Reigen im »Bauernmenuett« von Tobi Reiser weiter. Ein Erlebnis war auch die Interpretation des »Ave Maria« von Charles Gounod, eine Art Meditation zu einem Bach-Präludium: Nach einleitenden solistischen Akkord-Brechungen der Harfe setzte anstelle einer Sängerin das Hackbrett mit der Melodie ein und fügte zusätzlich zwischendrin Umspielungen ein.

Das Gedicht »Brücke des Friedens« leitete zu einem Block mit internationalen Stücken über, zunächst aus dem lateinamerikanischen Kulturkreis mit »El condor pasa« mit Eva Kastner an der kleinen südamerikanischen Harfe, hautnah dran am Publikum, und »Scherzino Mexicano« von Manuel Ponce. Sabine Schmid, die alles auswendig spielte, kreierte wie bereits in »Recuerdos« mit ihrem atmosphärischen, leichtfüßigen Tremolo eine Klangfarbe wie bei typischen Latino-Instrumenten. Ausdrucksstark schwelgte Eva Kastner solistisch in »River flows in you«, gefolgt vom im Duo dargebotenen Liebeslied von Elton John »Can you feel the love tonight«.

Das Duo unterstreicht seine Vielseitigkeit

Im Text »Glaubensbekenntnis« beschwört Elli Michler die Macht der Liebe – abwechselnd trugen beide Musikerinnen die Gedichte vor. Mit »Vierteljahrhundert« des Südtiroler Ziach-Virtuosen Herbert Pixner und »Dany Boy«, einem englischen Traditional, unterstrich das Duo noch mal seine Vielseitigkeit. Dazwischen brillierte Eva Kastner ausdrucksstark und höchst virtuos im Charakterstück »La source« (übersetzt: »Die Quelle«) des französischen Harfenisten Alphonse Hasselmans, also eine der wenigen Originalkompositionen für Harfe. Wie eine sprudelnde Quelle ließ Eva Kastner die Töne silbrig aus ihrem Instrument perlen.

Mit Elli Michlers Worten – »Ich wünsche dir Geduld« und den Abschiedsklängen »Time to say goodbye«, in denen Andrea Bocelli und Sarah Brightman in ihrem zeitlos schönen Duett schwelgten, entließen die beiden Musikerinnen ihre begeisterten Zuhörer in die Stille der Nacht.

Am Samstag, 3. November, um 19.30 Uhr in der Konzertrotunde wiederholen sie dieses Programm und fügen noch ein paar weitere Stücke hinzu. Veronika Mergenthal