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Bei der Feuerwehr Schönau brennt's

Schönau am Königssee - Brandheiß ging es in der Generalversammlung der Feuerwehr Schönau am Freitagabend im Gasthaus »Unterstein« her. Dabei war eigentlich alles klar: Den Kommandanten und seinen Stellvertreter neu wählen, und dann wieder zurück zur Tagesordnung. Doch es kam zum Eklat. Die beiden Kommandanten nahmen die Wahl nicht an. Weil es viele Nein-Stimmen gab.

Vereinsvorsitzender Georg Koller (r.) ehrte die langjährigen und verdienten Mitglieder (v.r.) Markus Koll, Sebastian Fiegl, Mario Graf, Christoph Hallinger und Hubert Maltan. Fotos: Anzeiger/cw

Da dem bisherigen Kommandanten, Stefan Graßl, einige interne Entwicklungen nicht mehr gefallen hatten, war er nicht mehr angetreten. Es hatte daher Vorgespräche darüber gegeben, wer das Kommando übernehmen sollte. Die Wahl selbst hätte nur noch Makulatur sein sollen. Aber es kam anders: Weil 19 Wehrmänner gegen den vorgeschlagenen vormaligen 2. Kommandanten Michael Hinterbrandner votierten, nahm er die Wahl nicht. Obwohl der angedachte stellvertretende 2. Kommandant Stephan Winkler nur von sechs Kameraden nicht gewählt wurde, bewies er Solidarität mit seiner Nummer eins und nahm die Wahl ebenfalls nicht an.

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»Das ist mir noch nie passiert«

»Das ist mir in 18 Jahren als Kreisbrandrat nicht passiert«, ärgerte sich ein fassungsloser Kreisbrandrat Rudi Zeif, der sich bei der Generalversammlung von der Schönauer Wehr verabschiedet hat, weil er noch in diesem Jahr abtreten wird. »Bei einem derartigen Ergebnis hätte ich die Wahl auch nicht angenommen«, gab er dennoch zu. Bürgermeister Stefan Kurz forderte die Schönauer Feuerwehrleute dazu auf, möglichst schnell in seinem Beisein zusammenzukommen, um eine Lösung zu finden.

Dabei fing alles ganz harmlos an: Der Bürgermeister freute sich über eine gut besuchte Generalversammlung und viele Ehrengäste im Gasthaus »Unterstein«. Den in Hochglanz gebundenen Jahresbericht bezeichnete das Gemeindeoberhaupt als gelungen. Er werde für die Nachwelt von Nutzen sein. Zum anstehenden Kommandowechsel sagte er: »Es ist nicht gut, wenn in der Wehr keine Kontinuität besteht, das schwächt sie. Ich bedauere den bevorstehenden Wechsel, aber ich respektiere die Situation.«

Kommandant Stefan Graßl ging kurz auf den Feuerwehrbedarfsplan ein, bei dem unter anderem ersichtlich werden sollte, welches Fahrzeug man als nächstes benötige. Im letzten Jahr hatte die Schönauer Feuerwehr 44 Einsätze (siehe Kasten). Fünf Feuerwehrleute besuchten die staatliche Feuerwehrschule in Geretsried zu Lehrgängen. Auf Landkreisebene bildeten sich zehn Kameraden weiter, auf speziellen Seminaren neun (siehe Kasten).

Nach ihrer Jugendausbildung wurden Florian Breu, Michael Graßl und Stefan Hochfilzer durch die Ernennung zum Feuerwehrmann in den aktiven Dienst aufgenommen.

Bürgermeister Stefan Kurz leitete im Folgenden zusammen mit seinen Wahlhelfern, Kreisbrandinspektor Stefan Pfnür und Vereinsschriftführer Uli Hölzl, zu den geheimen Neuwahlen der Kommandantur über. 57 Feuerwehrleute stimmten ab, 37 votierten bei einer Enthaltung für Michael Hinterbrandner als neuen Kommandanten, 19 Feuerwehrmänner verweigerten ihre Zustimmung. Hinterbrandner nahm die Wahl daraufhin nicht an. Auf den stellvertretenden Kommandanten Stephan Winkler entfielen 51 Ja- und sechs Neinstimmen. Dennoch nahm auch Winkler die Wahl nicht an.

Gedrückte Stimmung

Entsprechend gedrückt war die Stimmung bei Rudi Zeifs Rede. Er forderte den jetzigen Kommanden dazu auf, das Kommando vorerst zu behalten. Des Weiteren bat Zeif um einen schnellen Termin für die nötig gewordene Wahlwiederholung. Das Feuerwehrgesetz sieht für die Gemeinde vor, dass binnen drei Monaten ein neuer Kommandant gewählt wird, sonst tritt die Gemeinde in die Verantwortung. »Das Wohl der Mitbürger steht im Mittelpunkt des Interesses, ich bitte die alte Kommandantur, weiterzumachen«, erklärte Bürgermeister Kurz zur verfahrenen Situation.

Recht zügig vollzog sich dann der Vereinsteil. Dabei stellte Vorsitzender Georg Koller die Bemühungen, die Kameradschaft zu fördern, in den Mittelpunkt. So sei man auch im letzten Jahr gesellschaftlich tätig gewesen und habe an Sportveranstaltungen teilgenommen, andere Feuerwehren besucht, Feste durchgeführt oder dabei mitgeholfen sowie Ausflüge unternommen.

Kurz und bündig waren auch die Ausführungen von Kassier Christian Bründl, dessen Arbeit von den Kassenprüfern Alois Graf und Hans Konrad gelobt wurde. Die Entlastung Bründls und der ganzen Vorstandschaft war damit gewiss.

Der langjährige Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Berchtesgaden, Sepp Grois, ist seit seinem Umzug nach Schönau am Königssee bei der Schönauer Wehr aktiv dabei. Als Feuerwehrler mit Leib und Seele konnte Grois die Situation nicht ertragen und bezeichnete die Wahlaktion als hinterkünftig und unfair. Es gehe bei der Feuerwehr nicht darum, beleidigt zu sein, sondern für die Mitmenschen da zu sein, stellte er klar. Kräftiger Applaus aus der Versammlung drückte die Stimmung im Saal aus.

»Ich erwarte, dass Feuerwehrleute vorgeschlagen werden, die das Vertrauen der gesamten Wehr genießen. Bei der dafür nötigen nächsten Zusammenkunft möchte ich dabei sein«, erklärte der Bürgermeister abschließend. Vereinsvorstand Georg Koller appellierte noch einmal an die Kameradschaft und den Zusammenhalt. cw