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Beethovens poetisch-klangschöne Farben

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Das »ensemble Amphion« mit Thomas Hartmann (Klavier), Alexander Krins (Violine) und Simon Nagl (Violoncello) machte beim ersten von fünf Konzerten zum Beethoven- Jubiläumsjahr mit Werken von Mozart, Bach und Haydn erlebbar, worauf Beethoven aufbauen konnte. (Foto: Benekam)

»In dem, was ich komponiere, sind zehn Prozent von mir, alles andere war schon da.«


Das Zitat von Sir Harrison Birtwistle, einem der maßgeblichen modernen Komponisten Englands, belegt mit Worten, was jeder Kunstschaffende weiß: Idole inspirieren, Inspiration beflügelt und wer Flügel hat, kann sich aufmachen zu neuen Abenteuern und abheben, um sich in unbekannten »Welten« an Neuem zu laben. Das gilt heute wie damals, für das kleine und das große Genie, auch für Beethoven.

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Mit insgesamt fünf Konzerten im Traunreuter k1 wird das »ensemble Amphion« einen Beitrag zum Beethoven-Jubiläumsjahr leisten. In diesem Rahmen soll es weniger um die Aufführung populärer Werke Beethovens gehen, vielmehr sollen neben der Musik einige prägnante Aspekte seiner Persönlichkeit beleuchtet werden. Das erste Konzert dieser Reihe fand unter dem Titel »Beethoven und seine Vorbilder« im k1-Studio großen Anklang. Mit Werken von Mozart, Haydn und Bach, die einem großen Werk Beethovens vorausgeschickt wurden, machten Thomas Hartmann (Klavier), Alexander Krins (Violine) und Simon Nagl (Violoncello) erlebbar, worauf Beethoven aufbauen konnte.

Dank Krins‘ einleitenden Erläuterungen zu den einzelnen Werken bekamen die Klassik-Liebhaber neben exquisitem Musikgenuss, aufschlussreiches Hintergrundwissen vermittelt. Der Anfang war mit Joseph Haydn und seinem dreisätzigen Klaviertrio E-Dur Hob. XV:28 (1797) gemacht. Sein erster Satz beginnt wie ein warmer Sonnenstrahl, leise, heiter und hell, dem ein flottes Allegretto folgt, das in seiner fast strengen und unerbittlich nach vorne strebenden Haltung nicht gegensätzlicher sein könnte. Das Finale knüpft nahtlos an die Stimmung des Kopfsatzes an, fordert aber etwas mehr gestalterischen Witz, den das Ensemble gerne mobilisierte und für den es vom k1-Publikum reichlich Beifall gab.

Im Anschluss kam Mozarts Klaviertrio E-Dur KV 542 (1788) zu Gehör: Die Klaviertrios, die Mozart in den Jahren 1786 bis 1788 komponiert hat, sind für den Kammermusikzirkel im Hause des befreundeten Botanik-Professors von Jacquin entstanden.

Nach der kurzen, dafür aber traumhaft schönen Sinfonia Nr. 11 G-Moll BWV 797 von Bach gab’s endlich Beethoven und das vom Feinsten: Beethovens viersätziges »Erzherzog-Trio« B-Dur op. 97 hat eine Sonderstellung als das letzte Beethovensche Werk seiner Gattung: Mit seinen 40 Minuten Spielzeit hat es fast symphonische Ausmaße, strotzt vor Ungewöhnlichem und leuchtet als Vorbild weit ins 19. Jahrhundert hinein.

Für Beethovens eigenes Leben bedeutet es hingegen einen Schlusspunkt: Die Uraufführung im April 1814 im Haus zum Römischen Kaiser in Wien war sein letzter öffentlicher Auftritt als Pianist. Die k1-Gäste ließen sich nicht lange bitten und tauchten tief in den Hörgenuss der poetisch-klangschönen Farbe des Werkes ein, das auch in der so intensiven und virtuosen Interpretation des »ensemble Amphion« Appetit auf mehr Beethoven weckte.

Drum gab es, um die Zeit zum nächsten Konzert dieser Reihe zu verkürzen, nach jubelndem Applaus als Zugabe das Klaviertrio Wo O 39 in B-Dur. Ob dieses Werk, 1812 für »meine kleine Freundin Maxe Brentano zu ihrer Aufmunterung im Klawierspielen« komponiert, bei seiner Schülerin die gewünschte Wirkung tat, bleibt offen.

Die k1-Gäste jedenfalls fühlten sich mehr als nur ermuntert und dankten mit einem kräftigen Schlussapplaus. Kirsten Benekam