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Beethoven trifft Mozart

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Martin Rasch zelebrierte das Largo aus Beethovens drittem Klavierkonzert in der Aula der Berufsschule I in Traunstein. (Foto: Kaiser)

Ein sehr ambitioniertes Programm hatte Augustin Spiel für sein Musikkollegium zusammengestellt und für sein Publikum intensiv geprobt – die Aula der Berufsschule I in Traunstein war denn auch voll besetzt.


Die erste seiner Ouvertüren, die mit dem Theater zu tun haben, schrieb Ludwig van Beethoven im Jahr 1801, die Ouvertüre zum Ballett »Die Geschöpfe des Prometheus« c-Moll op. 43. Der Titan Prometheus, der »Vorausdenkende«, der sich gegen den Willen der Götter auflehnt, seinen Geschöpfen das Feuer vom Himmel holt und sie so erst wirklich zu Menschen macht, passte wohl zu den aufklärerischen Idealen Beethovens, die Auflehnung des Einzelnen gegen das herrschende System.

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Steigerung zu enthusiastisch bejahender Lebensfreude

Schließlich hat Beethoven bereits 1801 die ersten Skizzen zu seiner »Eroica« notiert, die er Napoleon Bonaparte widmen wollte. Augustin Spiel widmete dem »Prometheus« eine großzügig-langsame Einleitung mit lockenden Holzbläserklängen. In einer zielgerichteten Temposteigerung gestaltete er die klassischen Linien und die klare Melodik des Werkes in schöner Abfolge der Klangfarben zu enthusiastisch bejahender Lebensfreude.

Auch Beethovens drittes Klavierkonzert c-Moll op. 37 (1803), das einzige Moll-Konzert unter den fünf Klavierkonzerten, ist von Eroica-Motiven geprägt, so in dem suchenden Thema der Orchestereinleitung zum 1. Satz, das sich in einem »Poch-Motiv« festigte und beim Einsatz des Klaviers die Kraft hatte, die weiteren musikalischen Entwicklungen zu gestalten; wurden präzise ausgelotet und elegant formuliert von Martin Rasch, der die Entwicklungen in einer aufwendigen Kadenz zusammenfasste.

In einer umgreifenden Innenspannung kosteten Solist und Orchester unter der behutsamen Aufmerksamkeit von Augustin Spiel das friedvolle Largo freundlich aus. Attacca schloss sich der letzte Satz (Rondo) an. Er begann mit klar gemeißelten Klavierfiguren in unbeschwert humorvoller Haltung. Ein volksliedhaftes zweites Thema, das sich zu einem kleinen Fugato entwickelte, war nur ein kurzes Intermezzo in diesem vorwärtsdrängenden Satz, den eine Presto-Coda in C-Dur in einer enormen Stretta kühn beendete.

Die Zugabe passt zwischen Beethoven und Mozart

Der bescheiden agierende, sympathische Pianist gewährte als Zugabe die heitere Nr. 3 in f-Moll aus Franz Schuberts sechs Moments musicaux D 780 op. 94, die zeitlich und atmosphärisch wunderbar zwischen Beethoven und Mozart passte.

Denn von Wolfgang Amadeus Mozart stammte die abschließende Sinfonie des Abends, die »Prager«-Sinfonie D-Dur KV 504 (1786). Mit dem zügigen Tempo beim Prunk des 1. Satzes, dem großartigen, weit schwingenden Idyll des Andante und dem von Anfang an optimistischen, zu Tanz und Vergnügen verleitenden Schluss-Presto war dann, mit diesen drei Sätzen, alles gesagt. Engelbert Kaiser

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