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Baugrund am Meislfeld für fünf einheimische Familien

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Bischofswiesen: Gemeinderat vergibt Grundstücke am Meislfeld – Ratsbegehren Ganghoferfeld
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Bischofswiesen: Gemeinderat vergibt Grundstücke am Meislfeld – Ratsbegehren Ganghoferfeld
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Liegt die Zukunft des Ganghoferfelds in der Hand des Bürgers? Die Bischofswieser CSU will ein Ratsbegehren zur Bebauung einer Teilfläche nach dem Einheimischenmodell beantragen. (Fotos: Kastner)

Bischofswiesen – Fünf Bischofswieser Familien mit mindestens zwei Kindern haben Grund zur Freude. Sie bekommen ein Baugrundstück im neu ausgewiesenen Baugebiet »Am Meisllehen«. Auf der jüngsten Sitzung des Gemeinderats am Dienstag wurde per Losverfahren nur noch die Reihenfolge festgelegt, in der die Käufer sich ihr Grundstück aussuchen dürfen.


Für einen Paukenschlag sorgte hingegen Gemeinderat Oliver Schmidt, der für die CSU einen Antrag auf ein Ratsbegehren zur Bebauung des Ganghoferfelds ankündigte.

Fünf Baugrundstücke hatte die Gemeinde Bischofswiesen nach dem Einheimischenmodell auf dem Meislfeld ausgeschrieben. Bis April hatten laut Michael Kleinert von der Gemeindeverwaltung noch 101 Bewerber Interesse angekündigt.

Bis zum Abgabeschluss am 7. Juni sind dann genau 35 Anträge im Rathaus eingegangen. Sechs von ihnen lagen über der Einkommens- beziehungsweise der Vermögensgrenze und einer hat schließlich seinen Antrag noch zurückgezogen. Am Ende blieben noch 28 Interessenten übrig, die nach den Richtlinien, die sich der Gemeinderat bereits vor mehreren Monaten gegeben hatte, per Punktesystem bewertet wurden.

Die Namensliste mit den vergebenen Punkten wurde am Dienstag im Gemeinderat präsentiert. Es gab zweimal 50 Punkte und dreimal 47 Punkte. Potenzielle Nachrücker für den Fall, dass ein Bewerber abspringt, sind ebenfalls in der Liste enthalten. Sie haben beispielsweise dreimal 46 Punkte, zweimal 45 Punkte und dreimal 43 Punkte.

Der oftmalige Gleichstand nach Punkten machte am Dienstag zusätzlich einen Losentscheid erforderlich. Die exakte Platzierung ist nämlich wichtig für die Reihenfolge, nach der die Grundstücke ausgewählt werden dürfen. Die fünf Erstplatzierten können die Grundstücke nun innerhalb von zwei Monaten schriftlich annehmen, innerhalb von drei Monaten ist eine Finanzierungsbestätigung vorzulegen.

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Sie spielten am Dienstag die »Glücksfeen«: Geschäftsleiter Rupert Walch (r.) und sein Kollege Michael Kleinert bestimmten per Los die Reihenfolge, in der sich die Bauwerber am Meislfeld ihre Grundstücke aussuchen dürfen.

Der Bürger soll entscheiden

»Die Zahl der Bewerber zeigt eindeutig, dass Interesse da ist«, sagte Oliver Schmidt (CSU) und spannte gleich den Bogen zum Ganghoferfeld, wo die Gemeinde ebenfalls die Ausweisung eines Wohnbaugebiets nach dem Einheimischenmodell plant. Dort sollen, wie berichtet, drei Mehrfamilienhäuser, 19 Reihenhäuser, drei Doppelhäuser und ein Einfamilienhaus für den ehemaligen Grundeigentümer entstehen. Zu bebauen wären rund 20 Grundstücke, auf denen insgesamt etwa 50 Wohneinheiten entstehen könnten.

Nach dem Wunsch der CSU-Fraktion im Gemeinderat soll nun aber der Bürger über eine etwaige Bebauung abstimmen. »Die CSU wird in Kürze die Durchführung eines Ratsbegehrens beantragen«, kündigte Oliver Schmidt an. Schließlich solle der im Mai zu wählende neue Gemeinderat wissen, welche Rolle das Ganghoferfeld in der Gemeindepolitik einmal spielen wird. Die Verwaltung sollte schon einmal prüfen, ob die Richtlinien für ein Ratsbegehren eingehalten werden.

Bürgermeister Thomas Weber versicherte zwar, den Auftrag anzunehmen und darüber auch im Rahmen einer Fraktionssprechersitzung diskutieren zu lassen. Doch empfahl er, die Aufmerksamkeit auf dieser Sitzung nun vor allem dem Meislfeld zu widmen. Das tat dann auch Hans Metzenleitner (SPD), der mit seinem Beitrag auch vor sich selbst den Hut zog. »Hut ab vor dem Gemeinderat und der Verwaltung«, sagte der Fraktionssprecher und lobte das »wohl durchdachte Einheimischenmodell«. Allerdings, warnte Metzenleitner, werde es nicht möglich sein, allen Wünschen gerecht zu werden.

»Einheimischenmodelle sind nicht gestorben«

Paul Grafwallner erinnerte noch einmal daran, dass die UBB der Baugrundausweisung auf dem Meislfeld eigentlich nicht zugestimmt habe, »weil wir uns dem Ergebnis des Bürgerentscheids Kressenfeld verpflichtet sahen«. Hier stimme man aber jetzt zu, weil es nur um die Reihenfolge der Bewerber gehe.

»Immerhin sind Einheimischenmodelle nicht gestorben«, betonte Grafwallner, der den CSU-Vorschlag für ein Ratsbegehren Ganghoferfeld begrüßte. Das tat auch Michael Sturm von den Grünen. Die für das Meislfeld erarbeitete Bewerberliste bezeichnete er als »gut«, dennoch erinnerte Sturm daran, dass von ursprünglich 101 Interessenten nur 28 übrig geblieben seien.

Dass die Freien Wähler immer schon für Modelle wie jetzt am Meislfeld gewesen seien, bekräftigte Martin Fendt. Mit dem Punktesystem würden nun auch Familien mit Kindern zum Zug kommen. Das Projekt sei wieder ein Beispiel dafür, dass bei Ausweisungen von Baugebieten die Kommunen selbst die Grundstücke kaufen müssten. Ulli Kastner