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»Bauern arbeiten unter dem Mindestlohn«

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Rede und Antwort standen (von links) Professor Dr. Kurt-Jürgen Hülsbergen, Gertraud Angerpointner, Josef Schmid, Rebekka Eichstädt, Professor Dr. Thomas Ebertseder, Ludwig Huber und Tobias Fegg.

Die Bauern in der Region wünschen sich weniger Vorschriften und Gängelungen seitens der Europäischen Union. Sie wollen frei sein, zu tun, was sie für richtig halten. Und sie zeigen sich einsichtig, dass es strengerer Regeln bedarf, um den Klima- und Bodenschutz sicherzustellen. In diese Richtungen gingen die Beiträge der Diskussion in der Frühjahrstagung, die die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) beim Oberwirt in Obing veranstaltete.


Um die für die Landwirtschaft anstehenden Themen darzulegen und Strategien zu diskutieren, wie mit ihnen verfahren werden kann, hieß die AbL drei Referenten willkommen. Es informierten Rebekka Eichstädt vom Landesamt für Umwelt, Professor Dr. Kurt-Jürgen Hülsbergen vom Lehrstuhl für Ökologischen Landbau und Pflanzenbausysteme der Technischen Universität München und Professor Dr. Thomas Ebertseder von der Fakultät Nachhaltige Agrar- und Energiesysteme der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.

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In der Diskussion, die den Vorträgen folgte, standen neben den Landesvorsitzenden Gertraud Angerpointner und Josef Schmid sowie den Referenten auch Ludwig Huber und Tobias Fegg Rede und Antwort.

Josef Schmid meinte, es werde nicht genug getan, um die Stickstoffzufuhr in den Boden zu verringern. Das müsse schärfer angegangen werden. Landtagsabgeordnete Gisela Sengl verlangte, Standorte hinsichtlich Düngung und Bodenbeschaffenheit unterschiedlich zu bewerten. Nötig sei eine gute Balance zwischen diesen und wirtschaftlichen Erwägungen.

Gertraud Angerpointner plädierte für eine gute Ausbildung und sprach sich gegen ein starres Festhalten an althergebrachten Dogmen aus. Ludwig Huber beteuerte, es gebe eine gute Ausbildung an Landwirtschaftsschulen, aber Bauern dürften nicht überfordert werden. Tobias Fegg verlangte, die Landwirtschaft in ihrer Gesamtheit zu betrachten: den Klimawandel, das Tierwohl und weitere Aspekte zu beachten. Auch die Darstellung der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit müsse passen.

Von allen Teilnehmern kam die Feststellung, Bauern erhielten keinen angemessenen Preis für ihre Erzeugnisse. Sie müssten gemäß ihren Leistungen in Bezug auf Umwelt und Gesellschaft entlohnt werden.

Marlene Berger-Stöckl monierte, das Landwirtschaftsamt sollte sich bereit zeigen, für die Zukunft notwendige Änderungen anzustoßen und aktiv zu unterstützen. Andreas Remmelberger von der Ökomodellregion Altötting sagte, bei den Direktzahlungen aus Brüssel würden die gesellschaftlichen Leistungen der Bauern nicht berücksichtigt. Diese Zahlungen würden lediglich nach Fläche berechnet – was zu großer Ungerechtigkeit führe. Leonhard Strasser meinte, die Probleme in der Landwirtschaft seien gesamtgesellschaftliche und könnten auch nur von der gesamten Gesellschaft gelöst werden.

Georg Planthaler kritisierte, die Probleme der Landwirtschaft seien seit vielen Jahren bekannt, sie würden aber konstant ignoriert. Selbst die geradezu massenhafte Aufgabe von Höfen in der kleinstrukturierten Landwirtschaft habe keine Änderung bewirken können. Jetzt bedrohe zudem der Ankauf von Großbetrieben durch landwirtschaftsfremde Investoren eine naturgerechte Landwirtschaft. al