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Barocke Sensationen

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Barocke Musik vom Feinsten gab es im Isinger Saal von Felicia Graf (von links), Silvia Amberger, Salome Ryser und Sophia Rieth zu hören. (Foto: Benekam)

Das Schöne an Freundschaften zwischen Komponisten ist, dass von dieser Verbindung gleich mehrere Menschen profitieren – das bekam das Publikum im Isinger Saal beim Konzert »Rendez-vous á Paris« (zu Deutsch »Wiedersehen in Paris«) zu hören: Georg Philipp Telemann pflegte eine derartige Verbindung zu Georg Friedrich Händel, die wiederum über dreihundert Jahre später vier junge Musikerinnen zu einem Konzertprogramm im Geiste dieser Freundschaften inspirierte: Beim »Rendez-vous á Paris« erklangen anspruchsvolle Werke barocker Musik.


Die Zuhörer fühlten sich beim Verein »KulturGut Ising« schon ein wenig zurückversetzt in diese längst vergangene Zeit und in die Stadt der Liebe. Nicht zuletzt dadurch, dass Felicia Graf (Barockvioline), Silvia Amberger (Cembalo), Sophia Rieth (Blockflöten) und Salome Ryser (Barockcello) auf original barocken Instrumenten musizierten – bis auf das Cembalo, das, wie Felicia Graf verriet, in Altenmarkt entstanden ist.

Die »Sonate en trio« von Jacques-Martin Hotteterre kam wie ein freudiges »Bonjour« daher und zauberte mit lichten Flötenklängen das erste Lächeln auf die Lippen der Gäste. In diese schöne Stimmung fügte sich im Anschluss die dreisätzige »Fantasie No. 1« von Georg Philipp Telemann, die von Sophia Rieth hoch virtuos auf der Altblockflöte interpretiert wurde – dafür gab es kräftigen Applaus der Zuhörer.

Wie eine liebevolle Antwort auf Telemanns Fantasie erklang im Anschluss Händels Triosonate op. 2 No. 6 – ein viersätziges Feuerwerk kompositorischer Genialitäten, in dessen Geiste sich auch die vier jungen Musikerinnen mit einem Höchstmaß an Ausdruckskraft und Gefühlstiefe wiederfanden, um es miteinander zu Ehren seines Schöpfers zu zelebrieren – barocke Sensationen par excellence.

In einen intensiven musikalischen Austausch im Sinne eines munteren Zwiegesprächs begaben sich Felicia Graf und Sophia Rieth in der »Sonate a deux violons op. 12 No. 5« von Jean-Marie Leclair. Die ursprünglich für zwei Violinen komponierte Sonate in drei Sätzen bekam in der gehörten Bearbeitung für Blockflöten und Barockvioline ganz besonderen Charme, besonders auch, weil zur passenden Tonart unterschiedliche Blockflöten gespielt werden mussten.

Den Höhepunkt der barocken Klangfreuden hatten die vier Musikerinnen aber geschickt bis zuletzt aufgespart: Telemanns zwölftes und zugleich letztes Pariser Quartett TWV 43:E4, dem untrüglich anzuhören war, dass es Telemann gelungen war, die damals gespielte Kammermusikform auf eine andere Ebene zu heben. Zu Recht gilt es als Krönung seines Schaffens, denn es besticht mit entfesselter Lebensfreude in musikalischer Reinform. Kirsten Benekam