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Barock und Moderne lebendig interpretiert

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Das »ensemble amphion« mit dem Geiger Alexander Krins, Thomas Hartmann am Cembalo und der Flötistin Johanna Hartmann-Büchinger.

Vor nahezu ausverkauftem Hause erlebten die Zuhörer beim Konzert des »ensembles amphion« im k1 in Traunreut eine Reise durch vier Jahrhunderte Musikgeschichte, bei der das Cembalo im Mittelpunkt stand. Dabei erklang erst zum zweiten Mal ein Instrument aus der Werkstatt von Cembalo-und Klavierbaumeister Johann Schadhauser aus Altenmarkt, das sich Thomas Hartmann dort hat anfertigen lassen.


Im Gegensatz zum letzten Konzert in der katholischen Kirche Traunwalchen klang dieses Instrument im Studio des k1 wesentlich präsenter, sodass es zu einem gleichwertigen Wettstreit zwischen der Flötistin Johanna Hartmann-Büchinger und dem Geiger Alexander Krins kommen konnte. Mit Dario Castellos »Sonata seconda« hatte Alexander Krins ein Stück gewählt, das mit seinen spieltechnischen Schwierigkeiten den ganzen Einsatz des Solisten forderte.

Johann Jakob Frohbergers »Tombeau sur la mort de Monsieur Blancheroche« gab dann Thomas Hartmann Gelegenheit, seine immense Spieltechnik und Musikalität unter Beweis zu stellen. Da war keine Spur von maschinellem Abspulen zu vernehmen, vielmehr eine von durchdachter Agogik und großartiger Artikulation geprägte Interpretation, die auch die klanglichen Vorzüge des Instruments voll zu Geltung brachte. Die gleichen Vorzüge waren dann bei der Wiedergabe von Georg Friedrich Händels »Triosonate c-moll op. 2,1« zu erkennen, bei der sich die Flötistin zu den beiden Musikern gesellte. Aus dieser Komposition blieb dem Rezensenten besonders das wunderbare Largo im Gedächtnis. Mit Johann Sebastian Bachs »Sonate G-Dur BWV 1021« für Violine und Cembalo erreichte das Konzert wohl seinen Höhepunkt. Diese Komposition gehört zweifellos zu Bachs meistgespielten Kammermusikwerken. Und zwar zu Recht: Es bietet den Ausführenden die Möglichkeit, ihr ganzes Können und ihre Musikalität darzubieten. Das gelang Alexander Krins und Thomas Hartmann dann auch mit Bravour.

Im zweiten Teil des Konzerts wurden dann überwiegend Kompositionen des 20. Jahrhunderts zu Gehör gebracht. Mit Jaques Iberts »Deux Interludes« eröffnete sich den Zuhörern eine völlig andere Klangwelt. Impressionistisch angehaucht verströmte dieses Werk einen wundervollen Zauber. Das galt auch für Bohuslav Martinus »Promenades«, wobei hier noch zusätzlich höchste Virtuosität von den Ausführenden verlangt wurde.

Dazwischen führten Mozarts »Sechs Variationen« g-moll KV 360 über ein französisches Lied das Publikum wieder in klassische Gefilde zurück. Dann geschah etwas Außerordentliches: Thomas Hartmann versetzte die Zuhörer mit seinen eignen »Improvisationen für Cembalo solo« in helles Entzücken. Für den begeisterten Beifall bedankte sich das Ensemble mit einem Satz aus Bachs zuvor gehörter G-Dur-Sonate, diesmal in Triobesetzung.

Das abschließend erklingende Thema aus den »Miss Marple«-Filmen geriet dann noch zu einem besonderen Gusto-Stückchen. Souverän und locker die Moderation von Hartmann und Krins. Hans Schelling