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Bahr will auch Organspende-Stiftung überprüfen lassen

Berlin/München (dpa) - Im Organspende-Skandal gerät auch die Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) in die Kritik. «Auch die DSO muss sich einer kritischen Überprüfung unterziehen».

Organspende
Gesundheitsminister Daniel Bahr will auch die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) genauer unter die Lupe nehmen. Foto: Jens Kalaene Foto: dpa

Das sagte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». «Ihre Strukturen müssen weiter verbessert werden.» Die DSO ist als Koordinierungsstelle verantwortlich für die Organisation der Entnahme und Konservierung von Organen sowie für deren Transport.

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Günter Kirste, der medizinische Vorstand der DSO, sieht die Stiftung jedoch nicht von dem Skandal betroffen. «Betroffen sind die Transplantationszentren, die unter Aufsicht der Länder stehen», sagte er der Zeitung. Kirste wies darauf hin, dass es per Gesetz eine Trennung zwischen Organspende, Verteilung und Transplantation gebe. «Am Ende muss eben viel mehr kontrolliert werden, als es bisher geschehen ist.»

Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) forderte mehr staatliche Kontrolle: «Wir brauchen bei der Organspende eine staatliche Aufsicht. Das zeigen die Vorfälle der jüngsten Zeit, die noch vor wenigen Wochen undenkbar schienen», sagte er dem Blatt. Am 27. August will Gesundheitsminister Bahr mit Verbandsvertretern mögliche Änderungen per Richtlinien, Verordnungen und Gesetze beraten.

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hatte nach einem Sondertreffen von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen angekündigt, ein «Vier-Augen-Prinzip» in den ärztlichen Richtlinien zu verankern. Bei der Anmeldung für die Warteliste und Organzuteilung soll ein nicht direkt mit der Transplantation befasster Arzt beteiligt werden.

Das Bundesgesundheitsministerium schlug ein «Sechs-Augen-Prinzip» vor. Damit sollten etwa Manipulationen von Labordaten vor Transplantationen verhindert werden, schrieb Ministerialdirektorin Karin Knufmann-Happe in einem der Nachrichtenagentur dpa vorliegenden Brief an die Bundesärztekammer. «Neben der bereits angedachten Kontrolle durch einen Laborchemiker, der nicht der Abteilung Chirurgie angehört, aber noch im Bereich des Klinikums tätig ist, könnte eine dritte Person in den Prozess einbezogen werden.»

Die Universitätskliniken Regensburg und Göttingen werden derzeit von einem Organspende-Skandal erschüttert. Ein Oberarzt steht im Verdacht, zuerst in Regensburg und später in Göttingen Krankenakten gefälscht zu haben. Dabei soll er die Krankheit auf dem Papier verschlimmert haben, damit den Patienten schneller eine neue Leber implantiert wurde - obwohl andere sie vielleicht nötiger gehabt hätten. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt. Der Anwalt des Hauptbeschuldigten wies alle Vorwürfe zurück.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) forderte am Samstag in Straubing: «Der ganze Skandal muss sauber aufgeklärt werden. Es muss geklärt werden, ob es ein Fehler des Systems war oder einzelner Personen. Wenn im System Fehler sind, muss das ganze System verändert werden.» Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) verlangte eine Verdoppelung der Haftstrafen für Organhandel und eine generelle Verschärfung des Strafrechts in diesem Bereich. «Wir müssen das Vertrauen der Menschen in die Organspende wieder herstellen», teilte Merk am Sonntag mit.