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Bahnlinie direkt durch Traunreut, kostenloser ÖPNV und Umgehung im Osten?

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Bahnlinie direkt durch Traunreut, kostenloser ÖPNV und Umgehung im Osten?
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Den Citybus jetzt schon kostenlos anzubieten, wäre nach Ansicht von Grünen-Stadtrat Martin Czepan ein erster kleiner Schritt, den Öffentlichen Personennahverkehr in Traunreut attraktiver zu machen. (Foto: Rasch)

Traunreut – Eine Bahnstrecke direkt durch Traunreut, ein kostenloser Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), eine komplette Umgehungsstraße im Osten Traunreuts und ein Ein-Stunden-Takt für Bus und Bahn? Teure Schnapsideen oder umweltbewusste Visionen? Der Arbeitskreis Verkehr (AKV) denkt über einen funktionierenden ÖPNV und eine gute Infrastruktur nach, damit die Menschen, die täglich mit dem Auto nach Traunreut pendeln, auch ohne Auto in die Stadt kommen. Die »Vision 2045 AKV« präsentierte Vorsitzender Reinhard Piehler dem Stadtrat.


Die Grundüberlegung für das Zukunftsbild sei der hohe CO2-Ausstoß, mit verursacht durch den Pkw-Verkehr, sagte Piehler. Der AKV habe sich gefragt: »Was können wir in Traunreut dagegen tun?« Viele Menschen, die in der Stadt arbeiten, würden täglich aus Orten, die im Traun-Alz-Tal oder in einem Umkreis von 20 Kilometern liegen, mit dem Auto nach Traunreut pendeln. Damit diese Menschen ohne Auto in die Stadt und wieder zurückkommen, seien ein funktionierender ÖPNV und eine gute Infrastruktur notwendig. Vorrangiges Ziel sei es, die Menschen dazu zu bewegen, das ÖPNV-Angebot anzunehmen.

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Unter der Maßgabe, dass bis 2045 die Bundesstraße 304 vom Aubergtunnel in Altenmarkt bis nach Matzing nach den Plänen des Staatlichen Bauamts neu gebaut ist, könne die Infrastruktur nach Auffassung des Arbeitskreises in den nächsten 20 bis 30 Jahren ausgebaut werden. Zusätzlich zur geplanten Ostumfahrung von Traunreut schlägt der Arbeitskreis eine neue Verbindung vom Kreisverkehr Frühling zur B 304 vor.

Damit werde eine Lkw-fähige Umfahrung der Stadt im Osten möglich. Der Verkehr werde   sich  aufteilen und die Robert-Bosch-Straße (Staatsstraße Traunwalchen-Traunreut) und die Kreuzung in Sankt Georgen würden entlastet. Die Großindustrie und die Gewerbegebiete seien dann optimal angebunden. Der Schwerlastverkehr werde um die Stadt herumgeführt, aber alle Firmen und Geschäfte seien gut erreichbar.

Derzeitige Planung ist nicht ausreichend

Die derzeitige Planung der Ostspange ist nach Auffassung des Arbeitskreises richtig, aber nicht ausreichend. Die Straße müsse in einem großen Bogen vom Kreisverkehr Frühling zwischen Niedling und Traunwalchen und weiter zwischen Biebing und Herbsdorf zur B 304 führen. Der Arbeitskreis vergleicht diese Lösung mit der Umgehungsstraße Traunstein. Die Straße sei weit von den bebauten Siedlungen entfernt, es seien auch keine Schallschutzmaßnahmen notwendig.

Bei seinen Überlegungen, den Bahnverkehr weiter zu entwickeln, hat der Arbeitskreis als Grundlagen offizielle Pläne der Bahn für eine neue Bahnlinie von Sankt Georgen über Traunreut nach Matzing herangezogen. »Den Vorschlag der Bahn, die allerdings im Ein-Stunden-Takt durch die Stadt fahren müsste, finden wir gut«, so Piehler.

Auch zum Busverkehr hat sich der Arbeitskreis Gedanken gemacht. Orte, die nicht an der Bahnlinie liegen, müssten mit Bussen angebunden werden, die ebenfalls im Ein-Stunden-Takt fahren sollten. Und: »Es darf keine Parallellinien von Bus und Bahn geben.« Der Arbeitskreis schlägt auch vor, im Bereich des Bahnhaltepunkts einen großzügigen Busbahnhof zu realisieren, um den ÖPNV in Ost-West-Richtung mit Bussen zu bedienen.

Eine wichtige Aufgabe hat in den Augen des Arbeitskreises der Citybus. Ein System müsse die Menschen von ihrer Wohnung zum Bahnhof und vom Bahnhof wieder zur Wohnung bringen. Damit der ÖPNV funktioniere, bräuchten Städte wie Traunstein, Trostberg und Traunreut jeweils ein Citybus-System, weil sonst der Weg von den Wohnungen zu den jeweiligen Bahnhöfen zu weit sei.

Auch bei den Radwegen – der AKV hat dazu bereits ein Radwegenetz erstellt, das über die Internetseite der Stadt Traunreut heruntergeladen werden kann – müssten noch einige Lücken geschlossen werden. An den Bahnhaltepunkten fordert der Arbeitskreis, ausreichend Fahrrad- und E-Scooter-Abstellplätze vorzuhalten.

Damit das Zukunftsbild auch angenommen wird, muss nach Auffassung des Arbeitskreises der Öffentliche Personennahverkehr kostenlos sein. So manches Zweitauto, das für den Weg zur Arbeit angeschafft werde, könne dann entfallen.

Visionen für die Planung der Zukunft seien auch für die Bauleitplanung der Stadt Traunreut wichtig, um die für den Straßen- und Bahnbau erforderlichen Korridore und Flächen von einer Bebauung frei zu halten. »Politiker müssen Visionen haben, die über den Tellerrand der Alltagsprobleme hinausgehen. Wir wünschen uns solche Visionäre in Stadt, Landkreis, Freistaat Bayern und für die Bundesrepublik«, heißt es in dem abschließenden Fazit.

Es ist eine Vision, die man auch verfolgen sollte

Anknüpfend an das Fazit sagte Bürgermeister Klaus Ritter: »Es ist eine Vision, in deren Richtung man auch denken sollte.« Die Zielsetzungen seien insofern auch ein guter Ansatz, bei der Bauleitplanung darauf zu achten, entsprechende Flächen frei zu halten.

Während Martin Czepan (Grüne) einräumte, nicht bis 2045 zu warten und einige Vorschläge wie einen kostenlosen Citybus kurzfristig umzusetzen, um als Stadt mit einem guten Beispiel voranzugehen, konnte sich Reinhold Schroll (CSU) nicht vorstellen, dass eine groß angelegte Umgehungsstraße im Osten von Traunreut realisierbar ist. »Wegen der Wasserschutzzone wäre das absolut utopisch,« vermutet Schroll.

Verkehrsreferent Roger Gorzel (Bürgerliste) unterstützte die Forderung des Arbeitskreises nach alternativen Energien. »Wir müssen über den Einsatz von alternativen Energien nachdenken«, forderte er. ga