weather-image
25°

Authentisches Musikerlebnis aus Klang und Raum

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Mit einer Engelsstimme machte Sopranistin Rowan Pierce das »Ave Regina Caelorum« von Johann Michael Haydn zu einem Extrahöhepunkt. (Foto: Aumiller)
Bildtext einblenden

Das traditionelle August-Konzert der Salzburger Bachgesellschaft, das gleichzeitig der Reihe »Musiksommer zwischen Inn und Salzach« zugehörig war, fungierte unter dem Motto »Mozart in Maria Plain, in Erinnerung an das musikalische Wirken von Vater und Sohn Mozart im August 1774«. Dazu stand Mozarts »Piccolomini«-Messe C-Dur, KV 258, im Zentrum.


Beispiel für den Salzburger Kirchenkompositionstypus

»Wir wissen nur, dass Vater und Sohn Mozart im August 1174 gemeinsam in Maria Plain musiziert haben, aber welches Werk sie aufgeführt haben, ist uns nicht bekannt«, erklärte der musikalische Leiter Albert Hartinger zu Beginn. Zum Hauptwerk des Abends, der sogenannten »Piccolomini«-Messe, die Mozart 1775 komponierte, merkte er an: »Woher der Name Piccolomini stammt, ist unklar, aber ganz sicher hat er nichts mit dem Adelsgeschlecht der Piccolomini zu tun. Vielmehr ist anzunehmen, dass er sich aus Missa piccola, die kleine Messe, wie die Missa brevis auch genannt wird, ergeben hat.« Die C-Dur-Messe gelte als anschauliches Beispiel für den Salzburger Kirchenkompositionstypus, der dem Gebot der Kürze von Fürsterzbischof Graf Colloredo Folge leistet.

Als feierliche »Ouvertüre« zur Messe kamen vier Komponisten, Vorläufer und Zeitgenossen Mozarts, zu Gehör. Mit der festlichen »Toccata secunda« von Johann Ernst Eberlin eröffnete Michaela Aigner auf der großen Orgel das Programm. Der mächtige Orgelklang von der Empore füllte den Kirchenraum als ein perfekter Vorbote zum gesamten Konzert, das sich als Symbiose von Klang und Raum erwies: Die klingenden Komponenten der aufgeführten Werke polierte die Optik auf zu lebendigem Leuchtglanz und der üppige Zierrat im Kircheninnern in seinem prunkvollen Funkeln und Glitzern gab der musikalischen Formulierung noch mehr festliches Gepränge und ließ das Dargebotene zum authentischen Musikerlebnis werden.

Die Stimmen des Collegium Vocale der Bachgesellschaft in ihrer kirchenmusikalisch eingebrachten Klarheit und ihrem fein ausgewogenen Miteinander unter der Leitung von Albert Hartinger machten das Offertorium »Venite Populi« von Matthias Sigismund Biechteler, das »Regina Coeli« von P. Udalricus Endholzer und die »Lauretanische Litanei« von Michael Haydn zu einer Art »jungfräulicher« Festlichkeit.

Instrumentale Unterstützung erfuhren sie vom auf Originalinstrumenten kompetent musizierenden Salzburger Barockensemble: Konzertmeister Frank Stadler und Martin Hebr an den Violinen, Sepp Radauer am Violone, mit den Trompetern Bernhard und Martin Mühringer und an der Pauke Rizumu Sugishita sowie Michaele Aigner am Orgelpositiv. Es war ein stimmiges Jubilieren ohne Eitelkeit oder Zurschaustellung, ein »Muttergottes-Dienst«, der hinführte zum Zentralpunkt des Programms, zur Mozart-Messe.

Musiker formen die Teile der Messe zu einer Einheit

Polyphones Raffinement, solistische Einschübe in den Chorsatz, eine kurze Modulation nach c-Moll, ein tragendes Fugato, das in einen homofonen Schluss mündete, zeigten unter anderem Mozarts Meisterschaft, die von den Ausführenden gebührend feierlich und doch auch innig schlicht ausgeführt wurde. Das Kyrie war etwas breiter angelegt, während das Gloria recht zügig voranschritt.

Die Musiker formten die Teile der Messe zu einer Einheit, in der sie sich wechselweise ergänzend eng aufeinander bezogen. Als Einschübe glänzten zum Graduale die Instrumentalisten mit Mozarts Kirchensonate C-Dur, KV 263 und zum Offertorium geriet das »Ave Regina Caelorum« von Johann Michael Haydn zu einem Extrahöhepunkt. »Ave, Königin des Himmels, Herrscherin der Engel« sang Rowan Pierce geradezu mit Engelsstimme. Mit reinem, tragfähigem und exzellent geführtem Sopran machte sie dieses Ave Maria zu einem feinen Gebet ebenso wie zur Zierde der Vokalisten. Elisabeth Aumiller