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Ausstellung beleuchtet Rolle der Oper in der NS-Propaganda

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Ausstellung zu Musiktheater in der NS-Propaganda
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Anno Mungen, Kurator der Ausstellung "Hitler.Macht.Oper", steht auf der Nachempfundenen Bühne der Nürnberger Oper. Foto: Daniel Karmann Foto: dpa

Die Reichsparteitage in Nürnberg waren ein großes Spektakel. Die NS-Propaganda wurde aber nicht nur in der Stadt, sondern auch in der Oper auf die Bühne gebracht.


Nürnberg (dpa/lby) - Mit der Rolle des Musiktheaters in der NS-Propaganda setzt sich von diesem Freitag (15. Juni) an eine Ausstellung in Nürnberg auseinander. Unter dem Titel «Hitler.Macht.Oper» beleuchte die Schau beispielhaft am Nürnberger Opernhaus, wie sich einst Musiktheater und NS-Propaganda gegenseitig beeinflussten, erläuterte der Leiter des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände, Florian Dierl, am Mittwoch. Die Schau gilt als größte Ausstellung zu Musiktheater und Nationalsozialismus seit 1988.

Die Ausstellungsmacher haben dazu in einer 530 Quadratmeter großen Halle einen Teil des Opernhaus-Inneren nachgebildet. Dabei gibt es eine sogenannte Schauseite und eine Rückseite. Die Schauseite zeigt etwa Fotos und Dokumente der Richard-Wagner-Oper «Meistersinger von Nürnberg», die auf dem Reichsparteitag der NSDAP im September 1935 aufgeführt wurde.

Chronologisch setzt die Schau mit dem Stück im Opernhaus an. Auf der Rückseite, in einer Art Nebengang, finden die Besucher Fotos von Häftlingen aus dem Konzentrationslager in Dachau, die lautstark mit deutscher Musik beschallt werden. Die Rückseite soll zeigen «was sich hinter den Kulissen abgespielt hat», sagte Kurator Anno Mungen.

Anhand der Geschichte des Nürnberger Opernhauses werde gezeigt, wie die Opernbühne für politische Zwecke instrumentalisiert wurde. In der Ausstellung wird auch thematisiert, wie Hitler 1934 einen Umbau des Opernhauses veranlassen ließ. Die verschnörkelten Jugendstilelemente des Gebäudes wurden entfernt. Die neue nüchterne Erscheinung symbolisierte die doppelte Funktion als «repräsentative Kulisse für Kunst und Politik».

«Der Spielplan eines deutschen Meisters muß einem deutschen Publikum wesens- und artgemäß sein», heißt es in weißer Kreide auf der Rückseite des sogenannten Direktorenzimmers im Doku-Zentrum. Es ist ein Auszug aus den «Richtlinien für eine lebendige deutsche Spielgestaltung» von 1933, wie darunter vermerkt ist. Was für den Intendanten unter anderem hieß: «Nichts Jüdisches spielen», erklärte Mungen.

Chronologisch schließt die Ausstellung mit der letzten Aufführung am Nürnberger Opernhaus zur NS-Zeit: Wagners «Götterdämmerung» im August 1944 - knapp ein Jahr vor dem Ende der NS-Zeit.

Die Wechselausstellung läuft bis zum 3. Februar 2019. Sie zeigt die Ergebnisse einer langjährigen Forschungsarbeit des Staatstheaters Nürnberg und des Forschungsinstituts des Musiktheaters der Universität Bayreuth.

Dokuzentrum - Pressemitteilung