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Immer mehr Gäste kommen in das Berchtesgadener Land – Ein Besuch in der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH

Ausgebucht

Monika Schnöll von der BGLT vermittelt Gäste im gesamten Landkreis. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Im Landkreis sind die Betten knapp. Ob Berchtesgaden, Bad Reichenhall oder der Rupertiwinkel: Im August haben es die Vermieter schwer, alle Gäste unterzubringen, wie Monika Schnöll von der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH auf Anfrage bestätigt. In den vergangenen Wochen war der Landkreis vollständig ausgebucht. Trotzdem versucht man in der Service- und Reservierungsstelle alles, um den Gast zufriedenzustellen.


Wenn bei Monika Schnöll das Telefon klingelt, ist an der anderen Leitung meist ein potenzieller Urlauber dran, der im Berchtesgadener Land ein paar schöne Tage verbringen möchte. Schnöll hat alle knapp 30 000 gemeldeten Betten von rund 3 000 Betrieben im Landkreis im Blick und kann diese bei Bedarf anbieten. Und der Bedarf ist aktuell hoch: Jeden Tag landen bei ihr viele E-Mails mit Anfragen.

Darunter fallen welche für 2018, aber oft auch kurzfristige Bettenwünsche. Gastgeber, die das Reservierungssystem der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH nutzen, melden Betten, die zur Verfügung stehen. Schnöll kann dann auf Knopfdruck sehen, zu welchem Zeitpunkt im Landkreis Kapazitäten vorhanden sind. »Aktuell sind Viele auf der Durchreise«, sagt sie. Die kommen dann etwa aus Kroatien und wollen den langen Nachhauseweg nicht in einem Stück durchfahren, sondern noch für ein, zwei Nächte ein Zimmer buchen. Viele wollen ein paar Tage Urlaub anhängen. Das gute Wetter kommt den Touristikern entgegen. Weil die momentane Lage aber angespannt ist und die Betten knapp sind, ist das nicht immer so einfach. Vor allem Ferienwohnungen sind derzeit restlos ausgebucht.

»Gasthof mit Frühstück rund um Berchtesgaden«

Das Telefon klingelt, ein Mann aus Nordrhein-Westfalen ist dran. Er möchte kurzfristig buchen, »einen Gasthof mit Frühstück rund um Berchtesgaden«, so lautet sein Wunsch. Vier Übernachtungen, samt Ehefrau und einem sechsjährigen Kind. »Da er sich nach einem Gasthof erkundigt hat, ist er wahrscheinlich weniger an einem Hotel interessiert«, schlussfolgert Schnöll. Sie tippt die Eingaben in eine Suchmaske, über die das Berchtesgadener Land in drei Regionen unterteilt ist: Berchtesgaden/Königssee, Region Bad Reichenhall mit Bayerisch Gmain und der Rupertiwinkel.

Das Programm spuckt in Sekundenschnelle alle verfügbaren Unterkünfte aus. Es sind drei Stück, in Ramsau, Saaldorf-Surheim und Berchtesgaden, darunter ein Hotel. Auf Knopfdruck generiert das Programm eine automatische E-Mail mit Anschreiben und Unterkünften, die wenige Sekunden später im Postfach des Gastes landet. »Jetzt können wir nur hoffen, dass das Passende für ihn dabei ist«, sagt Monika Schnöll mit einem Lächeln.

Dieser Sommer ist für die Touristiker ein besonderer. Die Urlauber kommen in Massen. Natürlich sind die Sommermonate die beste Zeit des Jahres, aber eine Vollausbuchung des Landkreises hat man dann doch nicht alle Tage. Das Wochenende vom 11. bis 13. August war besonders gästeintensiv. Zu diesem Zeitpunkt waren nicht nur unzählige Tagesgäste im Landkreis unterwegs, auch bettentechnisch war die Hölle los.

Innovative Ideen locken junges Publikum

»Der schlechteste Monat des Jahres ist gewöhnlich der November«, sagt Schnöll und zeigt anhand einer Testbuchung, wie viele Unterkünfte zur Verfügung stehen: Es sind Hunderte. Auch, wenn die Anzahl der Ferienwohnungen und Pensionen tendenziell zurückgeht und Betten abgebaut werden, gibt es doch eine ganze Reihe von besonderen Einrichtungen, die im Landkreis dazukommen. Darunter fallen innovative Ideen, wie das Boardinghaus in Freilassing oder das Explorer Hotel in Schönau am Königssee, das, laut BGLT, »junges Publikum in den Landkreis lockt« und zudem hervorragend ausgelastet sei. Die Gäste, die im Berchtesgadener Land Urlaub machen, würden insgesamt jünger, da neue Konzepte auch diese ansprechen und für frischen Wind sorgen.

Neben den vielen Einzelanfragen, die die Mitarbeiterin der BGLT bearbeitet, sind es aber vor allem die Großkunden, die in den Landkreis kommen. Sei es wegen des Tourismuscamps 2018, der Ranger-Olympiade, den sportlichen Großveranstaltungen oder TV-Produktionen wie »Lena Lorenz«. Zum vierten Mal in Folge ist das Drehteam für insgesamt vier Folgen zu Gast: 80 Filmleute, die von April bis Oktober beinahe durchgehend auch hier übernachten. Dabei werden Tausende Übernachtungen generiert. »Die Herausforderung ist es, alle entsprechend über einen so langen Zeitraum unterzubekommen«, sagt sie. War es früher auch mal ein ganzes Hotel, das monatelang dem TV-Team als Unterkunft zur Verfügung stand, sind es heute vor allem Ferienwohnungen. Seitdem etwa der Berchtesgadener Advent unter neuem Konzept etabliert wurde, seien die Buchungen auch im Dezember gewaltig angestiegen. »Die Gäste kommen allein deswegen«, sagt Schnöll. Das generelle Januar-Loch nach Weihnachten und Silvester fällt im kommenden Jahr auch aus: Zeitgleich werden das Tourismuscamp und die Ranger-Olympiade im Landkreis veranstaltet. Mehrere Hundert Teilnehmer werden dann erwartet. Tourismustechnisch sei der Landkreis sowieso gut aufgestellt: Zahlreiche Ausflugsziele bieten viel Spielraum für einen vollen Urlaubsterminplan.

Der Mann aus Nordrhein-Westfalen, der bei Schnöll telefonisch angefragt hatte, hat übrigens die vier Tage in Berchtesgaden gebucht. Nicht wie erwartet in einem Gasthof, sondern in einem Hotel. Kilian Pfeiffer