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»Aufbau Abbau Umbau« in Traunstein

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Nur die Treppenhäuser blieben stehen: Die gezielte Sprengung von Abbruchhäusern in München, festgehalten in einem Kunstprojekt von Kuno Lindemann. (Foto: Bohm)

In der Städtischen Galerie Traunstein findet bis Ende Dezember die letzte Ausstellung vor der Umgestaltung der Räume, die vermutlich erst in zwei Jahren wieder nutzbar sein werden, statt. Der Titel könnte nicht passender gewählt werden und ist programmatisch: »Aufbau Abbau Umbau«. Gezeigt werden Werke von Elke Zauner und Kuno Lindemann, zwei renommierten und international geachteten Künstlern.


Nein, schön im gewohnt ästhetischen Sinn sind sie nicht, die Werke von Professor Kuno Lindemann, Jahrgang 1947, die im ersten Stock gezeigt werden. Aber beeindruckend und faszinierend sind sie allemal. Da wagt es jemand, aus Bauabfällen teils riesigen Ausmaßes Kunst herzustellen, Räume zu durchbrechen – ganz wörtlich – und bizarre Formen zu schaffen oder bereits bestehende zu verfremden. Lindemann hält Prozesse in Bildern fest, die ansonsten schnell vorübergehen, Situationen, die Gebäudeteile sichtbar machen, Treppenhäuser, die beim Abbruch stehen gelassen werden und das »Innenleben« der Häuser sichtbar machen, dem Betrachter gleichsam voyeuristische Einblick erlauben. »Dynamische Statik« nennt er dies.

Auf einem riesigen Foto wird eine Installation gezeigt, die der Künstler in München präsentiert hat. Auch hier nutzte er einen großen Raum im Lenbachhaus, der zum Umbau vorgesehen war, und gestaltete ihn in seinem Sinn, durchbrach den Boden und ließ riesige spitze Teile in den Raum ragen, schwärzte Trümmer, schuf Chaos: fulminant, faszinierend. Dass Lindemanns Werke, auch wenn sie scheinbar so »zufällig« entstanden sind, natürlich durchaus akribisch vorbereitet und durchgeführt werden, zeigt übrigens ein Film, der bei einer Arbeit entstanden ist und in Traunstein gezeigt wird. Und wer durch die Präsentation geht, wird auch bemerken, dass hier nicht nur Bilder aufgehängt wurden, sondern in vorhandene Räumlichkeiten einbezogen wurden. Fenster wurden beklebt, andere umrandet und so passend mit einbezogen. Insgesamt 25 Werke von Kuno Lindemann sind zu sehen. Von seinen Werken gibt es auch Publikationen, die teils in Film- und Fernsehaufzeichnungen gezeigt werden, teils zur Betrachtung aufliegen.

Elke Zauner, Jahrgang 1972, in Altötting geboren und in Tacherting wohnhaft, hat die Ausstellung im zweiten Stock gestaltet. Unbekümmert und vorhandene Grenzen der Räume missachtend malt sie über Ecken und Kanten, über Wände hinweg, bezieht Vorhandenes wie die Balkendecken mit ein, setzt eigene Streben hinzu und vergisst nicht, ein Fenster mitzumalen, mittendrin, die Blicke auf sich ziehend. Und ein Fenster wurde eigens für sie auch »durchgebrochen«, wo eigentlich keines war, um den »endless summer« deutlich zu machen.

Eine Besonderheit: Die Künstlerin benutzt Nessel als Untergrund und bemalt ihn mit Öl. Und so entstehen Werke wie »winter sunlight«, »endless summer«, »Ausblick », »marsh districts«, »mixed manure« und andere, insgesamt zehn Werke in fröhlichen Farben, heiter, aber nicht ohne tieferen Sinn. Und sie traut sich, auch kindlich anmutende Bilder zu kreiien: Neun Din-A-3-Papiere, die mit Ölkreide Strich für Strich fröhlich leuchten. Elke Zauner wird übrigens am Sonntag, den 11. Dezember um 15 Uhr persönlich durch die Ausstellung führen.

Die Ausstellung ist noch bis Ende Dezember in der Städtischen Galerie in Traunstein zu besichtigen. Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Freitag von 15 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr. Vom 23. bis 26 Dezember ist geschlossen. Hannelore Bohm