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Auf einen Jodler mit dem Engel

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Bernhard Teufl und Simone Vierlinger als Josef und Maria auf Herbergssuche.

Einige überraschende Dinge sieht und hört man beim »Salzburger Adventsingen« dieses Jahres. Zum Beispiel lassen sich Maria und Josef mit drei Hirten zum Picknick nieder. Und die Base Elisabeth jodelt mit dem Engel, dass es eine Freud' ist.


Wir werden auch Zeugen von Maria und Josefs Verlobungsfeier, und zu diesem Anlass teilt das Paar nicht nur mit dem Chor Shakehands, dieser wird auch mit Snacks verwöhnt. In der neuen Produktion »Schnee in Beethlehem« wird die Weihnachtsgeschichte in Details deutlich anders angelegt als gewohnt, auch wenn die Erzählerin – Alexandra Tichy – sich an ihre Kindertage im Lungau zu erinnern vorgibt und auch von ihrer Großmutter dort erzählt.

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Der Text ist vieler Dinge entkleidet, die ja angeblich zur Weihnachtsgeschichte gehören wie das Amen zum Gebet. Maria ist eine wohlbestallte Tempelmaid und Josef auch kein armer Schlucker, sondern als Handwerker einer der Gutverdienenden im Land. Jedenfalls kann seine Verlobte im Lauf der Aufführung mehrmals das Seidengewand wechseln. Die Herberge wird ihnen dann wegen der Schwangerschaft verweigert, nicht wegen Schnorrerei.

Solche Dinge gehen, weil die Bibel selbst ja nur wenig Konkretes berichtet zur Causa. Die Rahmenbedingungen sind offen, und das nutzt Textautor und Adventsingen-Leiter Hans Köhl. Wann kommt der Engel? Während Josef bei der Olivenernte ist. Maria hat gerade einen Lammbraten am Feuer für ihn und die Erntehelfer. Gut, dass der Engel nicht zu weitschweifend plaudert, das Fleisch würde sonst trocken ...

Das hat was von orientalischer Fabulierlust. Tatsächlich spielt »Schnee in Beethlehem« ja im Orient, Auch die Lederhosen für die Hirtenkinder sind deshalb im Depot geblieben. Nur der (zahlenmäßig ein wenig erschlankte, aber in der Qualität nochmal gehobene) Salzburger Volksliedchor trägt Dirndl und Trachtenanzug, so wie die Perlseer Dirndln und der Salzburger Viergesang. Auch diesmal setzt man auf eine »durchkomponierte« Musik mit starker persönlicher Handschrift eines Komponisten. Shane Woodborne hat nicht nur sensible Überleitungen zwischen dem neu Komponierten und den Volksmusikstücken geschrieben – man achte etwa auf den gediegenen Einsatz der Trompeten, nachdem Base Elisabeth (Katrin Auzinger) und der Engel (Claire Elizabeth Craig) ihren Jodler haben hören lassen.

Solch Feinfühliges, mit besonderem Faible für Flöten und Harfe, findet sich zuhauf. Shane Woodborne hat aber auch sehr kunstvolle Liedsätze beigesteuert, und er hat unterdessen ein feines Gespür dafür, wie weit man mit dem Sentimentalen gehen darf. Diesen Raum kostet er freilich lustvoll aus. Aber dann sind da noch archaischere Dinge. Die Anordnung zu Volkszählung geben die Männer des Salzburger Viergesangs, zu Blechgebläse und martialischem Schlagwerk: Ein Rap der römischen Obrigkeit, der im Ohr bleibt.

Und natürlich Maria und Josef – bewährt: Simone Vierlinger und Bernhard Teufl, die so wunderschön singen und zu manchem »Traditional« in einkomponierten Passagen sehr Eigenes zu sagen haben. Das alles ist heuer eine sehr runde Sache geworden. Vor allem: Diese Produktion vermittelt ihre eindeutige Botschaft durchaus unterschwellig. Man geht diesmal nicht mit dem Gefühl aus dem Großen Festspielhaus, eine Extradosis Religionsunterricht drüberbekommen zu haben.

Das hat mit einem gewissen Understatement des Textes zu tun, auch mit der, wie selbstverständlich wirkenden, Umsetzung durch die Regisseurin Caroline Richards. Anschaulich, aber nicht plakativ ist das alles. Und die Hirtenkinder sind natürlich auch als kleine Bethlehemiten temperamentvolle Typen, die beim Schleunigen die Herzen erobern.

Alexandra Tichy sitzt nicht nur im Ohrensessel. Sie taucht auf allen Seiten und durch alle Türen des »orientalischen« Bühnenbilds auf. Und wie sie erzählt, entwickelt das starkes Charisma und wirkt doch schlicht und unprätentiös.

Aufführungen finden bis 13. Dezember statt. Reinhard Kriechbaum

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